Sodo 3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sodo 3

 

Anfangs wäre sie am liebsten aus dieser lärmenden Kiste rausgesprungen. Doch die falschen Klamotten und das aufblitzende Bild von rotbraunen Federwirbeln zwischen unbändig wütend rotierenden Rotorblättern ließ sie sich schnell in ihr Schicksal ergeben. Sie versuchte zu schlafen. Unmöglich. Durch den Kopfhörer war es immer noch so laut, als ob sie aus zweitausend Metern einen Fangflug auf eine Amsel am Boden machte und dabei die Flügel vergäße anzulegen. Das Ergebnis davon wäre übrigens ganz ähnlich wie bei dem Bild vom ungleichen Kampf zwischen Federn und Rotorflügeln. 

 

Also gab sie sich schließlich geschlagen und nun schaut sie staunend auf die wildromantische Landschaft unter ihnen.

Wo ganz zu Anfang ihres Fluges noch grüne, braune und gelbe Betttücher mit vereinzelten Kuhsprenkeln dazwischen von einer regen Landwirtschaft kündeten, blicken ihre scharfen Augen nun auf tiefblaue glitzernde Wasserzungen, die sich unermüdlich weit ins Land lecken. Der Wechsel zwischen Fjorden und kargen, von verkrüppeltem Gestrüpp durchsetzen Felsplateaus mit nun weißbraunen Schafsprenkeln fasziniert sie dermaßen, dass sie nur noch an ihren langsam taub werdenden Beinen merkt, dass sie in dieser engen Krawalltüte sitzt. Gerne würde sie ihre Knie ausstrecken und kurz die Flügel entfalten und eine bequemere Stellung einnehmen, doch schon dafür ist kein Platz. Hunger hätte sie auch. 

 

Gäbe es eine Stewardess, würde sie sie jetzt bitten, ihr ein Stück Schokolade aus ihrem Rucksack zu bringen. Die würde sie jetzt allzu gerne genüßlich degustieren. Kurz überlegt sie, ob sie ihre andere, den Reinrassigen zum Glück unbekannte Fähigkeit einsetzen soll. Doch nein!

Wer weiß, an was der Pilot jetzt gerade denkt und welche unerwarteten Auswirkungen ihr Eingriff in seinen Geist hätte. Nicht auszudenken, wenn er an letzte Nacht dächte, sie ihn aus dem Bett seiner Frau würfe und er sich hier zu stark am Steuerknüppel festkrallte. Solche Hubschrauber reagieren ja bekanntermaßen auf kleinste Impulse. Nicht auszudenken, was passieren könnte, würde sie ihn manipulieren. Kurz sieht sie schon Loup, wie er mit schreckgeweiteten Augen, das Leintuch von ihrem Kopf zieht. Den Hals ganz tief in den Kragen seiner Jacke gezogen, wegen der Kälte in der Pathologie. Wie sich eine Träne aus seinem eisblauen linken Auge davonstiehlt und sich nach kurzer Flucht unrettbar in seinem dichten Bart verirrt.

 

"Ja, das ist Mila!" 

 

Sie schüttelt sich und konzentriert sich lieber wieder auf die atemberaubenden Ausblicke unter ihr.

Vielleicht ist der Job doch nicht so übel. Landschaftlich reizvoll auf alle Fälle. Solange sie nirgendwo Bio-Bomben über Wohngebieten abwerfen muss oder Brunnen vergiften. Militärgerümpel auskundschaften und zerstören - damit wird sie leben können. Und ihren Rücken- wie Flugmuskeln tut das Training sicher auch gut.

 

Auch wären da ja noch die zarten Pfoten von Loup und seine Zunge ... Stopp! Wenn sie sich jetzt da hineinfallen lässt, kann das bei diesen besonders starken Emotionen auch unvorhersehbare Wirkungen auf den Piloten haben. Solche Übertragungen sind gar nicht selten. 

Hoffentlich sind sie bald da!

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