Sodo 5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sodo 5

 

 

Als Loup später am Abend die Tür zu ihrer Hütte aufsperrt, liegt noch immer eine nicht greifbare Spannung in der Luft. Milas Begrüßung war stürmisch gewesen, ganz wie er es von ihr gewohnt war. Er hatte keine Anzeichen bemerkt, die auf Verärgerung hinwiesen. Nur ein Glitzern im Augenwinkel, das ihm zu sagen schien: "Ja, mein Liebster; warte nur auf deine Bestrafung! Inzwischen genieße ich deine Unsicherheit." 

 

Lieber hätte er die Sache an Ort und Stelle geklärt, doch natürlich wurde Mila zuerst vom Kommandeur begrüßt. Anschließend aßen sie mit ihm zu Abend und Mila erfuhr, welch heikle Mission ihnen Beiden zugedacht ist und wie sie sich in den nächsten Wochen darauf vorbereiten sollen. Danach folgte ein Rundgang durch das Camp und nun stehen sie vor seiner Türe und Loups Finger zittern, als er den Schlüssel am Schurkenleder aus der Tasche zieht.

 

Er hört sie hinter sich den Schnee aus den Federn schütteln und ihr leises Lachen. 

"Keine Bange, mein Schatz - im Moment besteht keine Gefahr für deine Lauscher! Ich war ganz schön zornig, als diese Uniform ohne Vorwarnung vor meiner Haustüre stand. Da hätte ich dich ohne zu zögern in der Luft zerrissen. Doch der Flug über diese unglaublichen Landschaften hat mich beruhigt und mittlerweile glaube ich, dass es gut ist, was Du entschieden hast. Für uns und auch für mich! Diese unsägliche Krawallmaschine von Hubschrauber hat mich an den Wert und die Eleganz meiner Flügel erinnert und es wird höchste Zeit, dass ich endlich meine Fähigkeiten richtig trainiere. Ich glaube, wir werden ein grandioses Team abgeben! Doch - eines kannst Du mir glauben: Wenn Du nur noch einmal über meinen Kopf entscheidest, wird ein fehlendes Stück Ohr deine geringste Sorge sein! 

 

Und jetzt küss mich!"

 

Über den Rest der Nacht innerhalb der rohen Balkenwände schweigt des Sängers Höflichkeit. Doch schon das regenbogenfarbene, magische Schauspiel am Himmel über der Hütte hätte einen neugierigen Beobachter in Begeisterung und Staunen versetzt. Vielleicht hätte er sich ab und an über ein lauteres Knurren oder Kreischen gewundert, doch im Lichte des Schauspiels über ihm und der unruhigen Schlittenhunde nebenan, wären diese Geräusche ihm bald irrelevant erschienen. 

Mila erwacht und es ist noch immer dunkel. Nun ja, zumindest nicht hell! Sie ist alleine in der Hütte und nach einem kurzen Moment erinnert sie sich. Loup hat auch zuhause die Angewohnheit, ihr Revier abzulaufen. Das liegt einfach in seiner Natur. Normale Zweibeiner müssen sich ein Krafttier zulegen, um sich der Natur näher zu fühlen oder meditieren. Ihre Art braucht diese Krücke nicht. Sie hat es im Blut. Es ist ein faszinierendes Geschenk. Doch ohne die Fähigkeit, die manchmal fast übermächtigen Triebe zu transformieren, kann es auch eine tragische Bürde sein. 

Auch ihr ist Loups Schurkenleder Mahnung!

 

Ihr gemeinsames Training wird sie darin unterstützen, die widerstrebenden Anteile zu versöhnen. Die alten Wunden heilen, die ihnen in einer abweisenden Gesellschaft geschlagen wurden. Natur und Geist werden sich im freien Flug und auf Fährten ohne Zivilisationsgestank schnell versöhnen!

Als Mila das nächste Mal aufwacht, steht Loup mit dem Rosenholztablet vor dem Bett. Samt einer Kanne heißen Kaffee und zwei Tellern Rührei mit Speck. 


So darf jeder Tag hier beginnen!

 

Das denkt sich auch die Fledermaus, die hoch oben im Gebälk hängt. Denn die Zwei sind so miteinander beschäftigt, dass sie später sicher unbemerkt mit ihnen durch die Tür schlüpfen kann.

 

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