Sodo 8

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sodo 8


Die nächsten Tage sieht Mila Loup nur hinter Glas im Rahmen auf ihrem Nachttisch. Er ist mit Ponton am Ozero Girvas. Dort hat der Generalstab verdächtige Aktivitäten festgestellt. Jade hat ihn über eine Erzader direkt in den See transportiert und sich dann zum Kontakthalten in einer Höhle am Ostufer zurückgezogen. Loup musste über den Landweg. Da ist er sicher nicht vor vier Tagen nicht zurück. Es ist zwar von Tulppio nur etwa fünfzig Kilometer entfernt, doch die Vorsicht zwingt zu langsamem Vorrücken. Obwohl es Frühling ist und überall Grünes heraussprießt, ist das meiste Gehölz noch kahl und man kann ihn in flachem Gelände auch ohne Infrarot schon von Weitem sehen. Nicht dass sie Angst um ihn hätte. Schließlich ist er kein Smombie, der mit gesenktem Kopf herumläuft und Bildschirme anstarrt, statt die Sinne für die Realität offen zu halten. Mit seiner Wolfsnase kann er den Pups einer Haselmaus bis zum Horizont orten. Kein Wunder, dass er immer wieder gerne hierher zurückkommt. In der Stadt muss es geruchlich die Hölle für ihn sein. Vielleicht hat er beim Heimaturlaub deshalb jedesmal einen Katharr. Nein - um ihn muss sie sich nicht bangen. Dann schon eher um sich selbst.

Seit gestern trainiert sie gemeinsam mit Miez und Dragon. Zum Glück sind beides wahre Leichtgewichte, denn sie muß sie zusammen auf über zweihundert Meter tragen und über einer Lichtung freigeben. Miez wiegt etwa zehn Kilo, sie hat nur die Statur eines stattlichen Katers und Dragon kann sich neben seiner beänstigenden feurigen Fähigkeit auch noch schrumpfen, so dass er dann die größe und das Gewicht einer Wassermelone hat. Beide zusammen bekommt sie gerade noch in die Höhe.

Wenn sie sie oben hat, lässt sie die beiden los und sie rauschen wie eine Kanonenkugel senkrecht nach unten. Anfangs sah Mila dank ihrer Phantasie und ihres ausgeprägten Bilddenkens Dragon schon am Boden in tausend rote Teilchen zerspringen, doch Miez faltete sich auf halber Höhe blitzschnell auseinander. Es begann laut zu knattern und kurz darauf schaukelte Dragon fast in Zeitlupe bis zum Boden. Miez kann ihren Flug sogar so geschickt steuern, dass Mila sie ein ganzes Stück entfernt vom Zielpunkt freigeben kann. Selbst in einem lockeren Wald kann sie landen, ohne Gefahr zu laufen, in den Ästen hängenzubleiben.

Am Abend des ersten Trainingstages hatte Mila solch einen Muskelkater, dass sie glaubte jedes einzelne Muskelfaserchen ihres Rückens zu spüren. Doch jetzt am dritten Tag fühlt sich ihre Flugmuskulatur so stark an, als wäre es ein Raketenantrieb. Hatte sie anfangs zu zweifeln begonnen, die beiden je auf die geforderte Höhe tragen zu können, würde sie sie jetzt direkt über den Himalaja tragen.

Okay, das ist vielleicht überzogen. Doch die Tatsache, dass das Selbstvertrauen in ihre Fähigkeiten von Stunde zu Stunde steigen, verwandelt das Hadern des ersten Tages in Begeisterung und fast schon so etwas wie Transzendenz. Noch nie hat sie sich vorher so stark und frei gefühlt. Im ersten Moment, wenn sie Miez und Dragon losgelassen hat, die Last weg ist, fühlt es sich an, als ob sie direkt in den Sternenhimmel gesogen würde. Dann muss sie sich furchtbar beherrschen um nicht einen wilden Jubelschrei loszulassen.

Schließlich werden die späteren Einsätze nicht gerade ungefährlich. Diejenigen, die sie sähen, wären garantiert nicht unparteiisch. Was ihnen bei einer Entdeckung blühen würde, hatte sie der Kommandeur bei der letzten Besprechung, der wöchentlichen Freitagsdemo überaus wirkungsvoll fühlen lassen. Ein schwacher Reizstrom, nur Millisekunden über ihren Kommunikationschip freigesetzt, hatte bei ihr augenblicklich unsägliche Schmerzen verursacht. Schmerzen, die sie augenblicklich abstürzen ließen. Also muß sie lernen, diese wilde Lust zu zähmen und dann rauszulassen, wenn sie willkommen ist. Loup hat da garantiert nichts dagegen - wenn sie ihm dabei keine wichtigen Körperteile abbeißt. Sie grinst. Es könnte sinnvoll sein, einen Teil dieser Energie zu speichern. Garantiert wird es in der Zukunft Notsituationen geben, in denen diese zusätzliche Energie mehr als willkommen ist! 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0