Entzauberte Märchen Nr.16 Schneeweißchen und Rosenrot

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schneeweißchen und Rosenrot

 

 

 

 

Etwelche und Etwaige, einettige Zwillinge aus Etlingua Bravis und nicht etwa wie sonst aus Siam, kraulten ihren Bären gerne. Ihre liebe Mutter hätte eigentlich auch nichts dagegen einzuwenden, wenn die Mädelz danach nicht immer so reaktionsträge wären. Unerquicklich war auch das Gewinsel der Beiden, bis sie allabendlich endlich mit der Kitzlerei fertig waren. Eigentlich wollten sie damit Schneeweißchen und Rosenrot nacheifern, denn das Märchen hatte ihnen immer besonders gut gefallen und der Bär im Schlafzimmer ihrer Mutter, genannt Vater, der vor Jahren in den Krieg gezogen und nicht wiedergekommen war, hatte die Mutter genauso schön zum Fiepen und Jauchzen gebracht, wie sie sich bei ihrem abendlichen Bärenkraulen im jeweils eigenen Zimmer. Doch am Tage mochten sie sich so sehr, dass kein Mann der Welt sie jemals auseinander bringen sollte. Das Leben ohne einander stellten sie sich so schröcklöch vor, dass sie jedem Freier erklärten, der an der Türe ihrer Hütte anklopfte, dass er sie nur zusammen zur Frau nehmen könne. Da Freier in der Regel - Rosenrot huldigte der Göttin immer schon ein paar Tage eher denn Schneeweißchen - solchermaßen Überraschungseffekte, insbesondere von schönen und charakterstarken Weibsbildern nicht eben mögen - um nicht zu sagen, so feige sind, dass sie sie fürchten - flüchteten die ersten dreihundertfünfundsechzig Männer und kehrten nie wieder.

Den beiden mit sich zufriedenen Jungfrauen konnte dies nur recht sein. Was sollten sie auch mit solchen Exemplaren männlicher Erbärmlichkeit anfangen können. Man bedenke doch nur, dass gestandene Mannsbilder, die schon hektoliterweise Blut auf Quadratkilometern Schlachtfeld gesehen hatten, vor einigen wenigen Tropfen Frauenblut die Flucht ergreifen.

Fast wären sie mit ihrer Taktik doch noch gehörig auf die Schnauze gefallen, als sie der zipfelmützige Griesgram Schnegglepirscher aus dem Zwergenforst nebenan freien wollte. Sie hatten diesem schon aus etlichen, etwaigen, etwelchen und  etweden Peinlichkeiten geholfen und kannten ihn, seit sie selbständig die Röcke lüpfen und pinkeln konnten. Er dachte sie mit bunten Klunkern und Geschmeide zu beeindrucken und erbot sich, als er ihre glänzenden Augen sah, sie beide allsbald zu ehelichen.

Fast wären sie darauf hineingefallen.

Doch der Geiz des Zwerges war so bekannt - landein- und landauswärts,  und er stank an diesem Tag wie der Bär - allerdings seit Monaten ungewaschen, dass sie sich zwar an Kothäppchens Tipp mit Blend Ameds Zahnpaste erinnerten, doch sich nicht vorstellen konnten, wie dadurch Jauche in Weihwasser verwandelt werden solle. So musste er zu guter Letzt auf die erhoffte doppelte Trophäe verzichten.

Kurzum, sie kraulten dann doch lieber ihre eigenen Bären weiter.

Dass irgendwann ein siamesisches Brüderpaar vorbeikam , das außer einem Bärenhunger auch noch seeehr geschickte Hände zum Kraulen und andere standhafte Extremitäten zur Erfüllung tierischer Gelüste mitbrachte, wird der geneigte Leser oder die ähnlich positionierte Leserin sicherlich für die beiden Mädchen hoffen. Allerdings ist mir darunter nichts Hinlängliches bekannt.

 

 

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