Sodo 8

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sodo 8


Die nächsten Tage sieht Mila Loup nur hinter Glas im Rahmen auf ihrem Nachttisch. Er ist mit Ponton am Ozero Girvas. Dort hat der Generalstab verdächtige Aktivitäten festgestellt. Jade hat ihn über eine Erzader direkt in den See transportiert und sich dann zum Kontakthalten in einer Höhle am Ostufer zurückgezogen. Loup musste über den Landweg. Da ist er sicher nicht vor vier Tagen nicht zurück. Es ist zwar von Tulppio nur etwa fünfzig Kilometer entfernt, doch die Vorsicht zwingt zu langsamem Vorrücken. Obwohl es Frühling ist und überall Grünes heraussprießt, ist das meiste Gehölz noch kahl und man kann ihn in flachem Gelände auch ohne Infrarot schon von Weitem sehen. Nicht dass sie Angst um ihn hätte. Schließlich ist er kein Smombie, der mit gesenktem Kopf herumläuft und Bildschirme anstarrt, statt die Sinne für die Realität offen zu halten. Mit seiner Wolfsnase kann er den Pups einer Haselmaus bis zum Horizont orten. Kein Wunder, dass er immer wieder gerne hierher zurückkommt. In der Stadt muss es geruchlich die Hölle für ihn sein. Vielleicht hat er beim Heimaturlaub deshalb jedesmal einen Katharr. Nein - um ihn muss sie sich nicht bangen. Dann schon eher um sich selbst.

Seit gestern trainiert sie gemeinsam mit Miez und Dragon. Zum Glück sind beides wahre Leichtgewichte, denn sie muß sie zusammen auf über zweihundert Meter tragen und über einer Lichtung freigeben. Miez wiegt etwa zehn Kilo, sie hat nur die Statur eines stattlichen Katers und Dragon kann sich neben seiner beänstigenden feurigen Fähigkeit auch noch schrumpfen, so dass er dann die größe und das Gewicht einer Wassermelone hat. Beide zusammen bekommt sie gerade noch in die Höhe.

Wenn sie sie oben hat, lässt sie die beiden los und sie rauschen wie eine Kanonenkugel senkrecht nach unten. Anfangs sah Mila dank ihrer Phantasie und ihres ausgeprägten Bilddenkens Dragon schon am Boden in tausend rote Teilchen zerspringen, doch Miez faltete sich auf halber Höhe blitzschnell auseinander. Es begann laut zu knattern und kurz darauf schaukelte Dragon fast in Zeitlupe bis zum Boden. Miez kann ihren Flug sogar so geschickt steuern, dass Mila sie ein ganzes Stück entfernt vom Zielpunkt freigeben kann. Selbst in einem lockeren Wald kann sie landen, ohne Gefahr zu laufen, in den Ästen hängenzubleiben.

Am Abend des ersten Trainingstages hatte Mila solch einen Muskelkater, dass sie glaubte jedes einzelne Muskelfaserchen ihres Rückens zu spüren. Doch jetzt am dritten Tag fühlt sich ihre Flugmuskulatur so stark an, als wäre es ein Raketenantrieb. Hatte sie anfangs zu zweifeln begonnen, die beiden je auf die geforderte Höhe tragen zu können, würde sie sie jetzt direkt über den Himalaja tragen.

Okay, das ist vielleicht überzogen. Doch die Tatsache, dass das Selbstvertrauen in ihre Fähigkeiten von Stunde zu Stunde steigen, verwandelt das Hadern des ersten Tages in Begeisterung und fast schon so etwas wie Transzendenz. Noch nie hat sie sich vorher so stark und frei gefühlt. Im ersten Moment, wenn sie Miez und Dragon losgelassen hat, die Last weg ist, fühlt es sich an, als ob sie direkt in den Sternenhimmel gesogen würde. Dann muss sie sich furchtbar beherrschen um nicht einen wilden Jubelschrei loszulassen.

Schließlich werden die späteren Einsätze nicht gerade ungefährlich. Diejenigen, die sie sähen, wären garantiert nicht unparteiisch. Was ihnen bei einer Entdeckung blühen würde, hatte sie der Kommandeur bei der letzten Besprechung, der wöchentlichen Freitagsdemo überaus wirkungsvoll fühlen lassen. Ein schwacher Reizstrom, nur Millisekunden über ihren Kommunikationschip freigesetzt, hatte bei ihr augenblicklich unsägliche Schmerzen verursacht. Schmerzen, die sie augenblicklich abstürzen ließen. Also muß sie lernen, diese wilde Lust zu zähmen und dann rauszulassen, wenn sie willkommen ist. Loup hat da garantiert nichts dagegen - wenn sie ihm dabei keine wichtigen Körperteile abbeißt. Sie grinst. Es könnte sinnvoll sein, einen Teil dieser Energie zu speichern. Garantiert wird es in der Zukunft Notsituationen geben, in denen diese zusätzliche Energie mehr als willkommen ist! 

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Sodo 7

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"Jetzt krieg isch gleisch Fracksausen!" Mila wundert sich über Albs Sprache. " Was soll das nun wieder heißen? Und warum sprichst Du so seltsam?"


Alb grinst. Der Zwerg steht in der Ecke und schaut Mila beim Probieren ihrer Ausrüstung zu.

"Wenn isch disch so sehe, so ganz ohne Fetzen an Popo, an die Pommes Tittes, nur mit die roten Federn, wie ein Stola, und die Flügel, mon Dieu - da ist es misch, als ob isch stände im Moulin Rouge, hinten in der Umkleideraum wie eine Concierge und Mademoiselles bei die Toilett zusehe."


Er zögert, als er Milas fragenden Blick bemerkt.


"Non, non! Ce n´est pas come tu crois, mon amour!"


" Aaaalb!"


" Ah, oui! Isch verschteh - Meine Wort sind fron-sö-sisch, das Moulin Rouge war ein Cabaret in Paris um irgendeine Jahrhundertwende und ich bin schließlich auch nur ein Mann! Wenn sich Mademoiselle endlich züchtisch bedecken würden?! Du weißt, ich habe auch verdammt viel Tierisches in mir! Ich kann meine Farbe und Form bei deiner dürftigen Takelage gerade noch so halten und - irgendetwas muss ich ja mit meiner Chamäleonzunge tun, dass es kein Unglück gibt! Ich beginne bald zu hyperventilieren. Da parliere ich eben fron-sö-sich. Wir Männer hier haben verdammt noch mal selten einen so direkten Blick auf die weiblichen Rundungen - und schon gar nicht auf solsch entzückend Detailles!"


Mila schaut an sich herunter. Schüttelt den Kopf und zieht sich schnell das senffarbene Oberteil über. Sie haben es zwar etwas eng gemacht, doch der Stoff ist hightech und ultradehnbar.


"Sorry, Rübi! Daran habe ich nicht gedacht. Kein Wunder, dass dein Besammast sich so forsch aufrichtet. Solange niemand zum Aufentern da ist, sollte ich nicht so splitterfasernackt vor dir herumscharwenzeln."


Nun schaut Alb ganz perplex. Kurz ist es muksmäuschenstill, dann bricht es aus Mila heraus, sie zuckt und bebt, sie schlägt unkontrolliert mit den Flügeln und der Monate alte Staub wirbelt durch die Kajüte wie Pulverdampf bei einem Gefecht. Mehrmals holt sie tief Luft, um zur Ruhe zu kommen, doch es bricht immer wieder aus ihr heraus. Je blöder Alb glotzt, desto schwieriger wird es aufzuhören.


Endlich, als sie sich gerade etwas beruhigt hat, schaut sie ihn an und versucht zu erklären:


"Wenn Du einen auf französisch machst, muss ich ja auch irgendwelche beeindruckenden Kenntnisse vorweisen. Und was ich kann, ist Segeln und Seemannsgarn spinnen. Davon komm ich dann genauso gut wieder weg wie du. Nämlich erstmal gar nicht. Dann folgt eine Schnapsidee der anderen."


Sie zuckt, holt mehrmals tief Luft, lässt sie ganz langsam wieder raus und spricht weiter.


"Die erste war die mit deinem Mast.

Dein panischer Blick nach unten - köstlich. Dann wollte ich sagen: Du armer Deckoffizier!

Hat aber nicht geklappt, wie Du bemerkt hast."


Mila richtet sich auf, versucht ernst zu schauen und nach einem kurzen Kampf und mehrmaligem Schlucken lächelt sie Alb verschwörerisch an. Er grinst zurück.


"Es ist schön, hier mal wieder jemanden mit Humor zu haben. Und Farbe. Die anderen sind alle so ernst - und grau! Wie diese sch... Polarnacht. Das ist keine gute Umgebung für ein an sich tropisches Exemplar wie mich. Der Mangel an Matratzenmambo zehrt natürlich auch.

Auf alle Fälle freue ich mich, dass Du hier bist! Ich hoffe nur Loup kommt mit unserem Geflachse klar. Den möchte ich nun wirklich nicht eifersüchtig erleben. Wenn seine Rute zuckt, will ich nicht in unmittelbarer Nähe sein!"


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Sodo 6

 

"Rübezahl? In echt?" Mila kann sich einen Lacher nicht verkneifen. Auch Loup und die anderen aus der Truppe grinsen. Nur Alb schaut verlegen zu ihr hoch und erklärt: Das ist mein Spitzname. Richtig heiße ich Albert. Doch da ich meine Haare samt Haut der Umgebung anpassen kann und ich mich somit fast unsichtbar machen kann, haben diese Witzbolde mir diesen Namen verpasst. Dabei war es gar nicht Rübezahl, dessen Namen niemand weiß, sondern Rumpelstilzchen. Und meine Körpergröße passt dann ja auch überhaupt nicht." 

 

"Genausowenig wie bei Rät, unserer Muschi!" lacht Loup jetzt und fängt sich einen genervten Blick von Miez ein, die sich streckt und ihrer Krallen abwechselnd einzieht und ausfährt. 

 

"Lass jetzt die dummen Sprüche und stell uns anständig vor!" Miez ist sauer. 

"Okay, okay!"Loup lenkt ein. Darf ich euch vorstellen: Mila - meine Muse und in unserem Team, da sie ihre Flügel strecken und uns mit ihren extrem scharfen Augen bei unserer Arbeit unterstützen kann. aber sie wird nachher selbst etwas sagen."

 

Er räuspert sich und fährt dann fort.

"Mila - vor dir siehst Du Alb, unseren chamälionartigen Unsichtbarkeitskünstler. Und schnell ist er. Keiner von uns kann schneller große Distanzen zurücklegen. Allerdings verät er uns den Trick nicht. Er verschmilzt mit der Umgebung und taucht am Zielort wieder auf. Erst wenn er es will, kann ihn ein menschliches Auge oder eine Kamera wieder sehen.

 

Miez, unser Temperamentsbolzen hat auch mehrere erstaunliche Fähigkeiten. Sie braucht beim Absprung aus einem Fluggerät zum Beispiel keinen Fallschirm. Sie kann die Haut zwischen ihren Gliedmaßen so weit dehnen und sich ultraleicht machen, dass sie selbst zum Fallschirm wird. Mit ihren Krallen kommt sie schneller einen Baum hinauf, als andere herunterfallen.

Jade verschmilzt durch ihr dunkles intensives Grün mit der Nacht und kann sich durch Kristallstrukturen fortbewegen und darüber sogar darüber Informationen mit Lichtsignalen oder Piezoimpulsen senden. Unser Labor versucht gerade ein Gerät zu entwickeln, mit dem wir die Impulse rückübersetzen können.

 

Da drüben auf der Bank liegt Ponton. Es sieht nicht nur so aus, als ob er schläft. Er schläft tatsächlich. Seinen Namen hat er, da er im Wasser über Kräfte verfügt, die schier unvorstellbar erscheinen. Er kann ein Unterseeboot mit Mann und Maus aus dem Wasser heben. Doch an Land ist er die größte Schlafmütze, die die Welt je gesehen hat. Wenn Du ihn wecken willst, musst du ihm einen Eimer Wasser überden Kopf kippen, dass er platschnass ist. 

 

Am Tisch da drüben sitzt Obelix, manche rufen ihn auch Öchsle oder Tetra Das kommt nicht etwa von seiner Körperfülle oder der Form seiner Frisur, sondern sein Wundertreibstoff ist Weißwein. Wirklich. Ein paar Becher Cabernet wirken bei ihm wie der Zaubertrank des Druiden. Allerdings leidet er am nächsten Tag unter einem Kater, der sich gewaschen hat. Passenderweise sind er und Miez ein Paar. Sie vertreibt ihm nach einem Einsatz ruckzuck den lästigen Kater. Auch wenn sie anders wirkt, sie ist im Grunde ihres Wesens so ein Herzchen, dass man sie eigentlich Schmusekätzchen nennen müsste."

Mila schielt rüber zu Miez, die nun aber zufrieden schnurrt und sich an Obelix schmiegt.

 

"Der Letzte in unserem Bunde ist Dragon. Auch im Grunde ein Herzensguter - aber brandgefährlich! Was wie schüchtern wirkt, weil er stets den Blick gesenkt hält, ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Wenn Du ihm in die Augen schauen könntest, bekämst Du in kurzer Zeit das Gefühl hineingezogen zu werden. Sozusagen einen Tunnelblick. Das Gefährliche ist, dass Dir dann von Innen heraus immer heißer wird. Do heiß, dass die Eiweiße gerinnen und dein Gewebe abstirbt. Wenn Du mit ihm sprichst, lass Dich von ihm irgendwo an der nackten Haut berühren. Dann löst sein Blick nur ein wundervolles Wärmegefühl in der Bauchgegend aus."

 

" Und Du, Mila? Weswegen haben sie Dich hierher entführt? Wie sollst Du die Welt retten?" Mila erschrickt. Sie hört zwar nichts, doch Jades Stimme dringt in ihren Kopf ein und sie kann seine Worte sogar bis in die Flügelknochen spüren. 

 

Jade und Loup wechseln einen Blick. 

 

"Das hatte ich vergessen. Jade hat keine Ohren und keine Stimmbänder. Doch wie Du gemerkt hast, kann man sie nicht taubstumm nennen. Bei ihr funktioniert die Verständigung über Frequenzen, die erst über die Knochenleitung wahrnehmbar werden. Wie Du merkst, gibt es auch Anders als Tiermutationen. Auch wenn sie uns das Draußen nicht sagen. "

 

Mila schaut ernst,lächelt aber gleich wieder und nickt.

 

" Ich verstehe. Dann stelle ich mich auch mal vor. Meinen Namen habt ihr ja schon gehört. Mila haben meine Eltern mich genannt, da ein Teil meines Vaters von einem Milan abstammt. So wie Loup Wolfsblut in sich trägt. Ich kann leidlich gut fliegen. Auch knapp über dem Boden und sogar im Wald. Gefühlsmäßig müsste ich auch ein paar Fledermausgene in mir tragen, denn ich spüre im Flug die Hindernisse mehr, als dass ich sie sehe. Zumindest im Wald. Bin ich im Freien, könnte man mich auch Adlerauge nennen. Ich sehe den Schiss einer Mücke auf zwei Kilometer Entfernung. Ich glaube, das erklärt ausreichend, warum sie mich mit euch zusammenarbeiten lassen.

Jetzt strahlt sie fast.

 

"Anfangs wollte ich Loup fast die Augen aushacken, weil er mich ohne Vorwarnung hierher hat verschleppen lassen. Doch jetzt könnte ich ihn und euch alle knutschen. Es ist so ein tolles Gefühl, endlich einmal nicht der einzige Freak weit und breit zu sein! Ich fühle mich prächtig und ich weiß jetzt schon, dass wir ein klasse Team werden!"

 

 

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Sodo 5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Als Loup später am Abend die Tür zu ihrer Hütte aufsperrt, liegt noch immer eine nicht greifbare Spannung in der Luft. Milas Begrüßung war stürmisch gewesen, ganz wie er es von ihr gewohnt war. Er hatte keine Anzeichen bemerkt, die auf Verärgerung hinwiesen. Nur ein Glitzern im Augenwinkel, das ihm zu sagen schien: "Ja, mein Liebster; warte nur auf deine Bestrafung! Inzwischen genieße ich deine Unsicherheit." 

 

Lieber hätte er die Sache an Ort und Stelle geklärt, doch natürlich wurde Mila zuerst vom Kommandeur begrüßt. Anschließend aßen sie mit ihm zu Abend und Mila erfuhr, welch heikle Mission ihnen Beiden zugedacht ist und wie sie sich in den nächsten Wochen darauf vorbereiten sollen. Danach folgte ein Rundgang durch das Camp und nun stehen sie vor seiner Türe und Loups Finger zittern, als er den Schlüssel am Schurkenleder aus der Tasche zieht.

 

Er hört sie hinter sich den Schnee aus den Federn schütteln und ihr leises Lachen. 

"Keine Bange, mein Schatz - im Moment besteht keine Gefahr für deine Lauscher! Ich war ganz schön zornig, als diese Uniform ohne Vorwarnung vor meiner Haustüre stand. Da hätte ich dich ohne zu zögern in der Luft zerrissen. Doch der Flug über diese unglaublichen Landschaften hat mich beruhigt und mittlerweile glaube ich, dass es gut ist, was Du entschieden hast. Für uns und auch für mich! Diese unsägliche Krawallmaschine von Hubschrauber hat mich an den Wert und die Eleganz meiner Flügel erinnert und es wird höchste Zeit, dass ich endlich meine Fähigkeiten richtig trainiere. Ich glaube, wir werden ein grandioses Team abgeben! Doch - eines kannst Du mir glauben: Wenn Du nur noch einmal über meinen Kopf entscheidest, wird ein fehlendes Stück Ohr deine geringste Sorge sein! 

 

Und jetzt küss mich!"

 

Über den Rest der Nacht innerhalb der rohen Balkenwände schweigt des Sängers Höflichkeit. Doch schon das regenbogenfarbene, magische Schauspiel am Himmel über der Hütte hätte einen neugierigen Beobachter in Begeisterung und Staunen versetzt. Vielleicht hätte er sich ab und an über ein lauteres Knurren oder Kreischen gewundert, doch im Lichte des Schauspiels über ihm und der unruhigen Schlittenhunde nebenan, wären diese Geräusche ihm bald irrelevant erschienen. 

Mila erwacht und es ist noch immer dunkel. Nun ja, zumindest nicht hell! Sie ist alleine in der Hütte und nach einem kurzen Moment erinnert sie sich. Loup hat auch zuhause die Angewohnheit, ihr Revier abzulaufen. Das liegt einfach in seiner Natur. Normale Zweibeiner müssen sich ein Krafttier zulegen, um sich der Natur näher zu fühlen oder meditieren. Ihre Art braucht diese Krücke nicht. Sie hat es im Blut. Es ist ein faszinierendes Geschenk. Doch ohne die Fähigkeit, die manchmal fast übermächtigen Triebe zu transformieren, kann es auch eine tragische Bürde sein. 

Auch ihr ist Loups Schurkenleder Mahnung!

 

Ihr gemeinsames Training wird sie darin unterstützen, die widerstrebenden Anteile zu versöhnen. Die alten Wunden heilen, die ihnen in einer abweisenden Gesellschaft geschlagen wurden. Natur und Geist werden sich im freien Flug und auf Fährten ohne Zivilisationsgestank schnell versöhnen!

Als Mila das nächste Mal aufwacht, steht Loup mit dem Rosenholztablet vor dem Bett. Samt einer Kanne heißen Kaffee und zwei Tellern Rührei mit Speck. 


So darf jeder Tag hier beginnen!

 

Das denkt sich auch die Fledermaus, die hoch oben im Gebälk hängt. Denn die Zwei sind so miteinander beschäftigt, dass sie später sicher unbemerkt mit ihnen durch die Tür schlüpfen kann.

 

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Sodo 4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sodo 4

 

Loup tritt von einer Pfote auf die andere. Fast lässt er sich auf alle Viere nieder, so nervös ist er. Er ist sich bewusst, dass es alles andere als in Ordnung war, dass er dem Colonel so von Mila vorgeschwärmt und ihm sogar ganz nebenbei ihren Wohnort verraten hatte.

 

Natürlich wusste er, was passieren wird. 

Wenn er ehrlich zu sich ist, hat er genau das gewollt. Doch so sähe es nur nach einem Fauxpas aus und er könnte vor Mila so tun, als ob es nur ein Versehen war. Bullshit! Als ob sie so blöd wäre, ihn nicht zu durchschauen! 

 

Klar, sie würde sich bei der Begrüßung nichts anmerken lassen. Wortwörtlich den Schnabel halten, solange sie nicht alleine wären. Doch er erinnerte sich noch genau an das letzte Fettnäpfchen, als er etwas über ihren Schopf entschieden hatte. Erst sah es so aus, als ob sie ihn mit ihren Flügeln zärtlich umfassen wolle. Dann stellte sich ihr Gefieder. Klar. Das tut es immer, wenn sie erregt ist. Sie fuhr ihre Krallen lasziv langsam zwischen seinen Läufen aus und ... . 

 

An den Schmerz will er sich lieber nicht mehr erinnern. Und das oben fehlende Stück Lauscher von seinem rechten Ohr hängt bis heute als Warnung an seinem Schlüsselanhänger. Schurkenleder nennt es Mila. 

Seine Lauscher stellen sich. Schon bevor er wirklich etwas hört. Jetzt - Rotoren. Etwa acht Kilometer entfernt. Der Wind kommt etwas von der Seite. Doppelrotor. Ein Hawk. 

 

Standesgemäß für Mila! 

 

Loup grinst. Noch etwa zweieinhalb Minuten, bis sie ihm das Fell über die Ohren zieht. Nun gut. Nicht sofort. Wie gesagt wird es auf die ein oder andere Weise erst am Abend passieren. Zum Glück hat er den Colonel wenigstens davon überzeugen können, dass es ihrer gemeinsamen Motivation und Leistungsfähigkeit zuträglicher ist, wenn sie eine gemeinsame Unterkuft bekommen. 

Da ist er! Milas roter Schopf leuchtet inmitten all dem Grau und Lindgrün. Lous Herz klopft so stark, dass es fast den Krach der auslaufenden Rotoren übertönt.

 

 

 

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Sodo 3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sodo 3

 

Anfangs wäre sie am liebsten aus dieser lärmenden Kiste rausgesprungen. Doch die falschen Klamotten und das aufblitzende Bild von rotbraunen Federwirbeln zwischen unbändig wütend rotierenden Rotorblättern ließ sie sich schnell in ihr Schicksal ergeben. Sie versuchte zu schlafen. Unmöglich. Durch den Kopfhörer war es immer noch so laut, als ob sie aus zweitausend Metern einen Fangflug auf eine Amsel am Boden machte und dabei die Flügel vergäße anzulegen. Das Ergebnis davon wäre übrigens ganz ähnlich wie bei dem Bild vom ungleichen Kampf zwischen Federn und Rotorflügeln. 

 

Also gab sie sich schließlich geschlagen und nun schaut sie staunend auf die wildromantische Landschaft unter ihnen.

Wo ganz zu Anfang ihres Fluges noch grüne, braune und gelbe Betttücher mit vereinzelten Kuhsprenkeln dazwischen von einer regen Landwirtschaft kündeten, blicken ihre scharfen Augen nun auf tiefblaue glitzernde Wasserzungen, die sich unermüdlich weit ins Land lecken. Der Wechsel zwischen Fjorden und kargen, von verkrüppeltem Gestrüpp durchsetzen Felsplateaus mit nun weißbraunen Schafsprenkeln fasziniert sie dermaßen, dass sie nur noch an ihren langsam taub werdenden Beinen merkt, dass sie in dieser engen Krawalltüte sitzt. Gerne würde sie ihre Knie ausstrecken und kurz die Flügel entfalten und eine bequemere Stellung einnehmen, doch schon dafür ist kein Platz. Hunger hätte sie auch. 

 

Gäbe es eine Stewardess, würde sie sie jetzt bitten, ihr ein Stück Schokolade aus ihrem Rucksack zu bringen. Die würde sie jetzt allzu gerne genüßlich degustieren. Kurz überlegt sie, ob sie ihre andere, den Reinrassigen zum Glück unbekannte Fähigkeit einsetzen soll. Doch nein!

Wer weiß, an was der Pilot jetzt gerade denkt und welche unerwarteten Auswirkungen ihr Eingriff in seinen Geist hätte. Nicht auszudenken, wenn er an letzte Nacht dächte, sie ihn aus dem Bett seiner Frau würfe und er sich hier zu stark am Steuerknüppel festkrallte. Solche Hubschrauber reagieren ja bekanntermaßen auf kleinste Impulse. Nicht auszudenken, was passieren könnte, würde sie ihn manipulieren. Kurz sieht sie schon Loup, wie er mit schreckgeweiteten Augen, das Leintuch von ihrem Kopf zieht. Den Hals ganz tief in den Kragen seiner Jacke gezogen, wegen der Kälte in der Pathologie. Wie sich eine Träne aus seinem eisblauen linken Auge davonstiehlt und sich nach kurzer Flucht unrettbar in seinem dichten Bart verirrt.

 

"Ja, das ist Mila!" 

 

Sie schüttelt sich und konzentriert sich lieber wieder auf die atemberaubenden Ausblicke unter ihr.

Vielleicht ist der Job doch nicht so übel. Landschaftlich reizvoll auf alle Fälle. Solange sie nirgendwo Bio-Bomben über Wohngebieten abwerfen muss oder Brunnen vergiften. Militärgerümpel auskundschaften und zerstören - damit wird sie leben können. Und ihren Rücken- wie Flugmuskeln tut das Training sicher auch gut.

 

Auch wären da ja noch die zarten Pfoten von Loup und seine Zunge ... Stopp! Wenn sie sich jetzt da hineinfallen lässt, kann das bei diesen besonders starken Emotionen auch unvorhersehbare Wirkungen auf den Piloten haben. Solche Übertragungen sind gar nicht selten. 

Hoffentlich sind sie bald da!

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Sodo 2

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Mila will gerade ihre Flügel zusammenfalten, um den Rucksack aufzusetzen, als ihr noch etwas einfällt.

Der Clown draußen hat zum Glück aufgehört, auf ihre Türe einzudreschen. Puh. Das lichtblaue Kamisol hängt noch zum Trocknen im Bad. Wenn sie fliegen soll und zwar richtig, nicht nur Engelchen spielen, ist es da oben im kalten Norden von unschätzbarem Vorteil, diese ultraleichte, kevlarverstärkte und isolierende Kleiderstück dabei zu haben. 

 

" Loup - ich komme, du hinterhältiger Charmebolzen!" Ein Lächeln stiehlt sich schon wieder auf Milas Lippen. Als sie es bemerkt, stößt sie einen leisen ärgerlichen Schrei aus. "Wart`s nur ab, ich zieh Dir das Fell über die Ohren!"

 

Doch vorerst zieht sie nur ihre Haustüre zu und dreht den Schlüssel zweimal im Schloss rum. Sie fragt den Militärfuzzi, ob er wisse, wann sie wieder zurückkommen dürfe. Wenn nicht, müsse sie sich gleich darum kümmern, dass jemand ihre Pflanzen versorgen könne. Einen Nachbarn suchen, der um diese Tageszeit zuhause ist, um ihm einen Schlüssel zu geben. 

 

Der uniformierte Fatzke schaut Richtung Firmament rollt mit den Augen und nickt dann aber.

"Sicher, junge Frau! Die Staatsraison verlangt von uns Soldaten auch, dass wir die Sicherheit und Unversehrtheit der Zimmerplflanzen unserer Bürger gewährleisten, wenn es uns nur irgendwie möglich ist. Aber beeilen sie sich etwas! Der in Betrieb auf sie wartende Black Hawk braucht ja nur knapp 1000 Liter Kraftstoff pro Betriebsstunde." 

 

"Aha, Zynismus gehört auch zu den unabdingbaren Fähigkeiten, die man als Befehlsempfänger braucht. Das macht es mir schon einfacher, mich vertrauensvoll einem hochdekorierten Hosenträgerhelden anzuschließen!" Ihr Blick wandert grinsend zu seinem überquellenden Hosenbund. "Auf, auf zum fröhlichen Jagen! "

 

Sichtlich peinlich berührt, schließt der Offizier schnell seine Jacke und gibt ihr den Weg frei. 

"Sie können mir inzwischen bei der Stewardess ja schon mal ein blutiges Steak bestellen!"

Mittlerweile hat sich Mila entschieden und steuert zielstrebig die Wohnung von Rieslings an. Die sind zwar nicht ihre besten Freunde in der Nachbarschaft, doch das liegt nur daran, dass sie zu Anfang bemerkt hat, dass im Blick von Sylvan Riesling mehr als nur Sympathie und Herzenswärme aufblitzte, als sie ihren Antrittsbesuch bei ihnen machte. Danach hatte der Mann von Riocha nie wieder etwas Anzügliches in seinem Benehmen. Doch Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, sagt ein altes Sprichwort! Und so hatten sie seither trotz der Sympathie nie mehr als ein paar nette Worte gewechselt, wenn sie sich auf dem Vorplatz begegnet waren. 

 

Schade eigentlich! Mehr wird heute auch nicht drin sein. Dieser Hubschrauber ist aber auch sowas von beschissen laut! Hoffentlich ist jetzt überhaupt jemand da.

 

 

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Sodogenifiziert

Arbeitstitel:

Sodo

 

(Entstanden im Kurzgeschichtenspiel in dem jede Woche ein Gruppenmitglied 8 Wörter spendiert, mit denen dann Alle eine Geschichtbis zum nächsten Sonntag eine Geschichte schreiben und posten kann)

 

 

 

 

 

 

Trotzig schüttelt Mila ihre rote Federmähne und kickt gegen den Türsturz. "Was hat sich dieser räudige Hundesohn von Loup nur dabei gedacht?"

 

Seit zweihundert Jahren war die Sodogenisierung nun schon verboten. Alle Exemplare der damaligen Retortenschlacht, wie die Historiker diese weitere unrühmliche Zeit der Erdlinge nennen, waren längst gestorben. Nur der ein oder andere alterungsresistente Nachkomme eines Sodomischlings belebte noch das Stadtbild. Allerdings fallen diese nicht auf, da besonders langweilige Menschen durch die chirurgischen Fortschritte ermuntert, heute vermehrt tierisch exotische Attribute zeigen. Doch eines ist schon lange klar: Sodomischlinge und ihre Nachkommen genießen seit dieser Zeit so etwas wie Artenschutz und es ist verboten, sie auf irgendeine Bühne oder gar in eine Manege zu zerren. Es schien Mila bisher zumindest so, als könne sich der Homo Sapiens ethisch weiterentwickeln. 

Der blitzeblau Uniformierte mit den bunten Kordeln und der Schildmütze im Stil eines Fregattenkapitäns, der ihr seinen Dienstausweis und den Stellungsbefehl unter die Nase hält, zeugt vom Gegenteil. 

 

Und wirkt ungeduldig. Ein hochglänzend polierter Stiefel wippt auffällig arythmisch auf den altersmorschen Dielen und zwingt Milas Blick immer wieder nach unten. Das kann sie gar nicht leiden. Es fühlt sich an wie eine Unterwürfigkeitsgeste - obwohl sie weiß, dass dies in der Regel nur für Vierbeiner gilt. Ein Krächzen dringt durch ihre Kehle, doch sie schafft es gerade noch, ihren Schnabel geschlossen zu halten.

 

"Verehrteste Frau En - ich nehme zur Kenntnis, dass ihnen womöglich der Zeitpunkt gerade ungelegen kommt, doch dieses Dokument", und damit hält er ihr den Stellungsbefehl unter den Schnabel," dieses Dokument ermächtig mich, sie notfalls auch gegen ihren Willen ..."

 

"Einen Moment! Ich muß noch packen." Wumms - die massive ebenholzfarbene Woodplast-Tür schlägt zu und stoppt fünf Zentimeter vor dem Gesicht des geschneigelten Arschlochs. Sicher haben die Stiefelspitzen jetzt eine Delle. Geschieht dem blöden Aufdringling gerade Recht!

In die Arktis hat er eben gesagt. Aufklärungsflüge über chinorussisches Gebiet fliegen soll sie! So eine gequirrlte Scheiße aber auch! Warum hatte sie beim letzten Date mit Loup auch nur so einen Mist zusammen gelabert? In seiner, nach herbem erregten Mann duftenden Achselhöhle war sie gelegen, hatte ihren Federschopf ganz fest rangekuschelt. Dass sie ihn wenigsten so noch ein paar Tage riechen kann. Hatte sich wie jeden Monat, wenn er Heimaturlaub hatte, gebenedeit unter den Sodos gefühlt. Raubvogel und Wolf - das gibt es selten. Stolz macht es sie! Schade nur, dass sie keine Jungen haben dürfen. Auch das verboten die ungerechten Gesetze der Reinrassigen.

 

Mila schüttel sich. 

 

Warum hatte sie nur zugestimmt, dass es schön wäre, wenn sie mit ihm mitkommen und sie Tag für Tag, Nacht für Nacht gemeinsam durch die Tundra streifen könnten. Dass er es einrichten könne, dass sie schon bald nicht mehr getrennt wären, hatte sie geflissentlich überhört. Sie dachte wohl, dass er von ihrer Abneigung gegen das Militär wusste, und dass sie sich geschickt mit Hilfe eines befreundeten Programmierers aus deren Listen hatte löschen lassen. Wenn es nach ihr ginge, gehörten Waffen allesamt auf den Müll. Sie treffen sowieso immer nur die kleinen Leute.

Das hat sie nun davon, dass sie so gutgläubig und romantisch veranlagt ist. Und immer noch überzeugt, dass das Gute am Ende obsiegt. 

"Mit Dir gehe ich überall hin, wenn es sein muß!"

 

Volltreffer! Doofe Pute! Scheiß Spiel!

 

Mittlerweile regt sich die Türklingel fürchterlich auf. Fast wie eine noch lebende Maus zwischen den Krallen. Die Halteschraube in der Mitte der Glocke dreht sich immer weiter auf und ein hässliches Scheppern, das wie keckernde Elstern klingt mischt sich bedrohlich mit den immer lauter werdenden Schlägen von der anderen Seite des Türblattes.

 

"Frau En - öffnen sie die Türe, sonst ....!" Der Typ klingt heiser. 

 

Mila zieht die Schnüre des Rucksacks zusammen und beherrscht sich, den Knoten nur so zuzuziehen, dass sie ihn später noch öffnen kann.

 

"Ich komme ja schon, du ...!"

 

 

Fortsetzung folgt!

 

 

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Seelenlandschaft Neue Einleitung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einleitung

Eines Tages saß ich mit einer Klientin in meiner Praxis und hatte zwei passende Mittel zur Auswahl, um ein geschwollenens Knie zu behandeln. Die Hinweise auf die Mittel waren so ähnlich, daß es unmöglich schien, das richtige zu finden. Da jedoch die Homöopatie mich gelehrt hatte, analog, assoziativ und in Bildern zu denken, kam mir eine Idee.
Warum sollte nicht der Körper der Klientin besser entscheiden können, welches Mittel das Richtige für seine Heilung ist? Wenn Gefühle und Emotionen fähig sind, Körperprozesse zu beeinflussen und diese vom Unterbewusstsein gesteuert werden, müsste ich nur Kontakt zu aufnehmen und ihm eine Möglichkeit geben, mir auf eindeutige Weise Antwort zu geben.

Da damals eines der Mittel auf ein chronisches, landläufig Rheuma genanntes Geschehen und das zweite auf eine akute Entzündung hinwiesen, sah ich in meiner Vorstellung dazu zwei unterschiedliche Landschaften.
Für das rheumatische Knie einen düsteren, neblig feuchten Wald und für die Entzündung eine heiße, steinige Wüste in grellem Sonnenlicht. Ich fragte die Klientin, welches Gefühl für ihre Beschwerden besser zuträfe und sie entschied sich spontan für die kältere, feuchte Landschaft.

Das dafür passende Mittel half ihr, ich wandte die Methode öfter an und verfeinerte sie. Bis hin zu Fällen, in denen ich die Klienten anwies, die Landschaft so zu verändern, dass es z.B. dem Gefühl des Körperteils der gesunden Seite glich. Oft brauchte ich gar kein Mittel mehr zu geben. Der Impuls in die richtige Richtung genügte, um den Heilungsprozess in Gang zu bringen.

Es scheint, als ob dem Unterbewusstsein vorher die Informationen fehlten, um die nötigen Prozesse in Gang zu bringen. Als ob es ein Bauunternehmer wäre, dem wir sagen: Baue mir ein Haus! (im Sinne von einen gesunden Körper) und er steht wartend mit fragendem Blick da. So als wollte er sagen: Ja klar und nun? Wieviele Zimmer, was für ein Dach, welche Bausubstanz, wieviel Stockwerke ...? Ohne dass wir ihm Genaueres sagen, kann er gar nichts tun und wir warten vergeblich darauf, in ein neuues Zuhause einziehen zu können.
Wir müssen mit ihm zusammen einen Plan unseres Wunschhauses machen. So scheint auch das Unterbewusstsein zu arbeiten und da es nur sinnliche Erfahrungen verknüpfen kann, ist einen Methapher wie eine Landschaft, die einem genauen Gefühl entspricht, so etwas wie eine Blaupause. Es ist in etwas so etwas wie der Bauplan für den Handwerker.

Meine Erfahrungen im Laufe der Jahre lehrten mich zudem, immer mehr den Einfluss der Seele zu berücksichtigen. Die Seele ist zwar schwer zu greifen und scheint wissenschaftlich nur als philosophischer Begriff zu existieren, doch ist an Redewendungen wie z.B. "Die Seele baumeln lassen", unschwer zu erkennen, dass sie ein wichtiger Faktor für unser Wohlbefinden, wenn nicht gar die innerste Instanz, sozusagen unser Wesenskern ist.

Heute leite ich Menschen, die zu mir kommen, in ein inneres Erleben einer selbst gefundenen Seelenlandschaft. Auch ohne akute Symptome wirkt das Eintauchen in diese innere Welten schon deutlich entspannend. Es ähnelt Phantasiereisen, belässt aber im Gegensatz zu diesen dem Klienten seine eigene stimmige Bilderwelt. Möglich ist dies, da ich mit ihnen in ständigem Austausch bleibe und sie so schon mit dem Finden ihrer Seelenlandschaft den Austausch und das Vertrauen zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein üben und stärken können.

Praktisch heißt das im oben angeführten Beispiel, dass die Klientin selbst spürt und entscheidet, ob sie das Moos im feuchten Wald lassen, eine paar Bäume für eine Lichtung fällen oder einen Sturm die Nebelschwaden wegblasen lässt. Ich diene nur als hilfreicher Ideenlieferant und geübter Bergführer und weise auf mögliche Gefahren hin. Entscheiden kann ausnahmslos der Klient nach seinem eigenen Ermessen, aber in ständigem Austausch zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein.
Klienten lernen auf diese Weise, auf ihre innere Stimme zu hören, ihrem Bauchgefühl zu trauen oder dem Gesicht, wie man es im Mittelalter bezeichnete, Bedeutung beizumessen.

Dies bedeutet nicht, dass sie sich blind auf jeden Impuls verlassen müssen und ihm ungeprüft folgen. Denn durch den würdigenden Austausch beider Instanzen werden auch bislang unergründliche Handlungsmuster und Wiederholungen samt Hintergrund und positiven Absicht sichtbar. Die Gründe für persönliche Teufelskreisläufe werden verständlicher. Die sinnliche Bildersprache macht es einfacher, im Konflikt stehende Wertigkeiten so zu verschieben, dass der Mensch den Blick wenden und neue Lösungen anpeilen kann.

Wenn ich in einem späteren Kapitel auf einzelne Aspekte dieser Technik eingehe, wird sich dem Leser, wie auch den Klienten die erstaunlich präzise Logik erschließen, mit der das Unterbewusstsein unser Erleben und innere Vorgänge steuert.

Obwohl ich es schon viele Male erlebt habe, staune ich jedesmal von Neuem , wenn ich bemerke, wie die so begleiteten Menschen ihre Realität plötzlich Richtung Wohlbefinden und Gesundheit verändern. Es ist schön zu sehen, wie aus Resignation Aufbruchstimmung werden kann!

Die Symptome, wegen denen sie kamen, werden nun in neuem Licht gesehen und der Weg Richtung Gesundheit eigenverantwortlich und mit neuem Mut beschritten.

 

 

 

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Seelenlandschaft Kapitel 1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Seelenlandschaft - Ein Konzept zur Versöhnung von Gegensätzen

 

 

 

 

In der heutigen Zeit, in der wir in immer schnellerer Folge neue Erklärungen für immer mehr Dinge unserer Innen- und Außenwelt geboten bekommen, samt den dazu gehörigen Rezepten für ein besseres, schnelleres und gesünderes Leben, ist es schwer, noch die leise Stimme zu hören , die aus uns selbst kommt. Jene Stimme, die jenseits aller Zweifel sagt, was für uns selbst das Richtige, das Weiterführende und Gute ist. Das deshalb das Richtige ist, weil es aus unserer Tiefe kommt. Wer dieses Ja-Gefühl, die Gewissheit, dass etwas richtig ist, egal, was Umwelt oder Vernunft dazu sagen, schon einmal hatte, weiß, wovon ich spreche. Wir vergessen diese Erfahrung zwar immer wieder, doch einmal darauf angesprochen, taucht zumindest eine vage Erinnerung daran auf.

 

Religiöse oder mystisch veranlagte Menschen vermuten (oder wissen), dass sie in dieser Tiefe Kontakt mit ihrem Gott aufnehmen.

Aus medizinischer und psychologischer Sicht befindet sich in diesr Tiefe (bzw. davor) das Unbewusste oder Unterbewusstsein. Da die bewusste Wahrnehmung und Verarbeitung unserer Sinneseindrücke für die Bewältigung aller Alltagsaufgaben der Körperfunktionen schon ohne Bedrohungen von Außen eine völlige Überforderung wäre, finden die allermeisten Entscheidungen und Prozesse ohne Beteiligung des bewussten Geistes statt.

 

Wer nun einerseits einen Zugang zu seinem Inneren sucht, und so wieder seiner Seele ein Mitspracherecht einräumen möchte, oder andererseits heilsamen Einfluss auf körperliche Vorgänge ausüben, sollte die Sprache dieses mächtigen Teils unseres Persönlichkeit sprechen.

Wenn ich bedenke, dass mein Herz schon vor meinem Sprachvermögen schlug, folgerichtig die meisten meiner emotionalen Verknüpfungen auch vor der Nutzung von Worten angelegt wurden, bin ich nicht erstaunt, dass das Unterbewusstsein Schwierigkeiten mit der Verarbeitung sprachlicher Logik hat. Um mit unserem Unterbewusstsein in einen wirkunsvollen Austausch zu kommen, sollten wir sinnvollerweise (Ich liebe dieses Wort!), eine sinnlich nachvollziehbare Sprache verwenden. Denn dieser Teil unseres Wesens hört, spricht und verarbeitet nur Gesehenes, Gehörtes, Gerochenes, Geschmecktes und Gefühtes. In Worten Gesprochenes oder Gelesenes kann es nur aufgrund der es immer begleitenden Tonalität, der Körpersprache und sinnlich nachvollziehbarer Methaphern bewerten.

 

Manches Mal schon habe ich mir gewünscht, dass die Logik des bewussten Denkens mehr Einfluss auf mein und das Denken und Handeln meiner Mitmenschen hätte. Bedenke ich es recht, ist es jedoch ein Segen, dass man in dieser Tiefe nicht so einfach mit kalter Logik herumfuhrwerken kann. So sind und bleiben gelernte Reaktionsweisen, die wir zu unserem Schutz angelegt haben, vor störenden Einflüssen sicher.

Denn es wäre verheerend, wenn der Streit mit unserem Partner, ob wir zuerst in den Baumarkt oder in den Schuhladen fahren sollen, unsere automatisierten Fähigkeiten wie Lenken, Gasgeben und Bremsen beeinträchtigen könnte und uns und Andere in Gefahr brächte.

 

Es wird klar, dass die Sprache oder besser der Code, den unser bewusster Geist zur Kommunikation mit andern Menschen und zum Nachdenken benutzt und der des Unterbewussten unterschiedlich sein müssen. Zu unserem Schutz. Es ist für unser Überleben extrem wichtig, dass das Unterbewusstsein ungestört sinnliche Erinnerungen abfragen kann, um empfangenen Reizen Bedeutungen zuzuordnen. Auch in psychologischer Hinsicht ist dies ein Segen und eben kein Fluch. Zusammen mit anderen Schutzmechanismen, die wir unbewusst zur Verfügung haben, ist die Integrität unserer Persönlichkeit durch diese Trennung in der Verarbeitungssprache weitestgehend geschützt.

 

Eigentlich sollte, wenn wir unser Unterbewusstsein ungegängelt vom Bewusstsein im Hintergrund schalten und walten lassen, stets bestens für uns gesorgt sein.

 

Pustekuchen! Dem ist leider nicht so.

 

Denn wie kann es dazu kommen, dass Menschen zu sich oder ihrer nahen Umwelt herzlos werden. Wieso laufen wir immer wieder in die gleichen Fallen, obwohl wir uns doch geschworen haben, es das nächste Mal anders zu machen?

 

Es gibt da mehrere und durchaus sinnvolle Gründe. Wenn wir sie verstehen lernen, werden uns Veränderungen leichter fallen!

 

Wird demnächst fortgesetzt.

 

 

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Ungereimte Verklärwerke von Vlatu Lenz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kanta Re

Es war einmal ein Emanuel. Kannt nichts, als seine bitterarme, aber liebevolle Mutter und das Huhn, das zuverläßig jeden Morgen ein Ei unter der federumrandeten Rosette liegen hatte. Und wars äußerst unzufrieden.
¨Das kannt doch nicht das Gelbe vom Ei sein, so tagein, nachtaus nichts anderes zu kennen und des Morgens nach einem Dotter in den Stall zu rennen!¨, dachte Ema. ¨Nu, eleganter sollte die Welt sein, rasanter und brillanter. So langsam geht mir dieses Eineierlei zweierlei auf den Keks. Ärschtens geht mir das ständige brotlose Denken am Arsch vorbei und Eiderdotter: Ich will endlich die Welt kennenlernen, wo sie aufregender ist, als hier, zwischen Kittelschürze, Rührei und Maggiwürze!¨
Sprachs, sattelte das aufgeregt gackernde Huhn (ohne Ei unterm Anus) und ritt peitscheschwingend in die unbekannte Welt. Emanuel fand die Welt zwar lange nicht so elegant und brillant wie in seinen Träumen. Auch mangelte es damals (und auf dem Rücken des Federviehs) noch etwas an der Rasanz, doch immerhin sah er, dass es hinter dem Dorfweiher und der Mühle, in die er manchmal ein Ei gegen einen Topf Mehl tauschen durfte, noch viele seichte Teiche und Wälder und Hütten gab, deren Bewohner auch nicht glücklicher aus der Wäsche glotzten, als er.
Doch da er nicht glauben wollte, dass die Welt überall so trostlos sein sollte wie bei ihm zu Hause zwischen Stall und Herd, befragte er die Menschen, wie genau sie denn unzufrieden seien und was sie dazu täten, dies auch zu bleiben.
Er lernte, dass viele Zeitgenossen nicht solcher Zurückhaltung mächtig sind wie er, der seine Schlimmpulse jederzeit mit etwas gechillter Hirnwichserei wieder senken konnte, sondern etwas kaputtmachen, zerschlagen oder niederbrüllen mussten, um ihren inneren Frieden zu finden. Manche von ihnen nutzen dazu den Hund, die Frau oder die verlausten Bälger, die ihnen sowieso die letzten Haare vom Kopfe fräßen. Andere brauchten dafür Ausländer und Arbeitslose und jene, die sich im Besitze einiger weniger Skrupel wähnten, schlugen ihre Bedenken nur bei Bediensteten oder Nachbarn in den Wind oder machten das Böse und seine irdischen Vertreter zwischen Hackklotz und Axt klein. Einige reinigten sich, indem sie Söldner oder Gendarm wurden. Nur wenige hatten soviel Macht über sich und Andere, dass sie die Saat ihrer Unzufriedenheit großzügig über viele Wesen verteilen und mehren konnten.
Als Emanuel eines Abends sah, dass er nun alle Weiher und Hütten, samt ihrer Kittelschürzen und zutiefst ärmlichen Rühreiseeligkeit kennengelernt hatte, erkannte, dass es in der Welt da draußen auch nicht heller war, als in ihm selbst, bekam er Heimweh. Wenn es schon überall an Brillianz, an Eleganz und Rasanz fehlte und ihm überdies bislang auch noch keine Emmanuelle zugeblinzelt hatte, konnte er beruhigt wieder nach Hause reiten. Seine Mutter würde sich freuen, denn sicher fehlte ihr das tägliche Ei und ihre Haare wären mittlerweile stumpf und struppig, gab es doch damals noch nicht die Segnungen der Haarwurzelgemüseextrakte in Plastikflaschen, die heute jeder Magd mühelos diamantene Lichtreflexe unters Kopftuch zaubern können. Schließlich war damals auch Meister Propper noch nicht geboren und die Frisur durfte gerne stilecht zum Schrubber passen.
Seine Mom freute sich übrigens nicht nur über die Heimkehr des Huhns, sondern auch über die ihres Sohnes. Brachte er ihr doch mit seinen Geschichten das so viel größere und aufregende Elend der weiten Welt in die ärmliche Hütte und zauberte so ganz ohne Chemiefabrik etwas Glanz in ihre trüben Augen.
Da ihm trotz Reise immer noch furchtbar langweilig war und es damals noch keine Smartfones oder Geräte mit noch größeren Blödschirmen gab, erinnerte er sich an den geklauten abgekauten Bleistift, der dem Wirt in der düsteren Waldklause vom Laster gefallen war und schrieb seine weisen Gedanken zu Glück und Pein, Sinn und Unsinn, Ei und Huhn und was wohl zuerst gefressen wird, nieder.
So ward zwar nichts Brillant oder Rasant geworden, doch er wenigstens Praktikant.

Da damals die Verleger hauptsächlich Truppenteile verlegten und an Geschriebenem weniger interessiert waren, viele Hüttenbewohner an grenzenlosem Analphabetentum litten und dies zudem noch nicht einmal wussten, geschweige denn wissen wollten, musste er sich vom unbekannten Praktikant zu unerkannt, erst über verkannt zu bekannt hocharbeiten, bis er schließlich zu dem uns heute geläufigen Emanuel Kant wurde.
Mittlerweile ist Meister Propper schon alt, die Chemiefabriken schaffen es mühelos vorübergehend Glanzlichter unter gestylte und gedopte Wimpernschläge trotz trüber Aussichten zu zaubern. Die Buchstaben an Kant-Schulen und Gymnasien werden schon lange nicht mehr poliert und Praktikanten, denen es bei Mutter zuhause zu langweilig wird, streichen nicht mehr auf gesattelten Hühnern durch Wälder und Täler, sondern unruhig mit fahrigen Gesten durch virtuelle Welten, bevor sie wieder zu Muttern zurückkehren.
Selbst dort lassen sie nicht ab von ihrer Suche nach dem Gelben vom Ei. Denn ihre Mutter braucht die spannenden Reiseberichte der Heimkehrer (heute müsste es, wenn überhaupt, Homesauger heißen) nicht mehr. Sie hat ja ihr Shampoo, das Erbe Meister Proppers in vielen Sprayflaschen und so wie der Nachwuchs selbst mehrere unterschiedlich große Geräte, mit denen sie virtuschnell überall hinreisen kann und ihr Herz am glänzenden Elend der ganzen Welt genesen lassen.
Per Flatrate natürlich. Wieso diese Scheiße ausgerechnet so heißt, erzähle ich euch ein ander Mal. Jetzt hab ich Kohldampf. Ihr merkt: Langsam ist die Kreide, die ich vorhin gefressen habe, aufgebraucht. Ich verfalle wieder in den aktuellen Gassenslang. Bevor ich hier ernsthaft jemanden vergraule und das Kind in den Brunnen fällt, trabe ich mal heim zu Muttern. Die kreidet mir nicht jedes falsche Wort an und macht mir pronto Spiegelei mit Speck.

Tschau
Bussi

Euer Graf Vlatu Lenz

 

 

 

 

 

 

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Entzauberte Märchen Nr. 22 Hans im Glück - Payback forever!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eigentlich wollte ich ja ursprünglich ein erotisches Märchen schreiben. Einen Softporno für Augen und Leib, deren hochgebildeter Anspruch und Sensibilität vom Leser verlangt, dass er seiner Gier und Geiheit wenigstens stilvoll zu frönen beginnt. Doch Dank meines verklemmten Gewissens, das die Schlüssel zu den Türen solch lustvoller TRäume auf die Schnelle nicht mehr findet, habe ich das Schwanz zu Hans amputiert, das T bei Räume gestrichen und so ein UFSK18- Märchen daraus gemacht. Doch auch hier findet der aufmerksame Leser genug Zweideutigkeiten, die mittels Phantasie und professioneller Handarbeit ähnliche Ergebnisse zeitigen können, wie das von mir nicht erdachte. Mann wie Frau nennt das heute Kopfkino, bei mir heißt das fortgeschrittene Hirnwichserei.

Sei´s drum, Es ist sowieso nicht der Sex, der die Welt am rotieren hält. Es ist die respektvoll kultivierte Dummheit und Naivität eines jeden von uns. Das beweist uns schon seit Händlergedenken:

 

Das Märchen vom Hans im Glück.

 

Als Hansens Meister ihn für kompetent genug hielt, wieder seiner eigenen Wege zu gehen, schenkte er ihm einen großen vergoldeten Klumpen Blei und schickte ihn dahin zurück, woher er gekommen war. Nicht dass er ihn wirklich um seinen gerechten Lohn für die Lehrjahre betrügen wollte. Beileibe nicht. Wer wird denn gleich.

 

Denn er wusste, dass sein williger aber unendlich naiver Zögling diesen nur bis zur nächsten Weggabelung in Besitz haben würden täte. Mal ehrlich: Da wäre echtes Gold doch reine Verschwendung gewesen. So jedenfalls würde Hans etwas bekommen, was ihn von der beschwerlichen Last befreien und letztendlich glücklicher machen würde. Derjenige welcher Hans übers Ohr barbieren sollte, wäre gerecht bedient. Er, der Meister könne sich von dem zurückbehaltenen Lohn zwei Leiharbeiter leisten und darüber hinaus noch völlig entspannt einige Abende in der Schenke zur feuchten Grotte vergnügen. Die kecken Mädels dort würden seine vom Gürtel befreite, herausplatzende Fettrolle nicht nur geflissentlich übersehen, sondern sie auch noch ausgiebigst massieren. Potenz ist und war bei alten Säcken schon immer eine Sache des prallen Geldbeutels und nicht der schlaffen Genitalien. Viagrational gedacht.

 

So saß er sinnierend, die dunklen Tränensäcke über der heißen Tasse Kakao und wusste, dass das Märchen ihm schneller Recht geben würde, wie die topgestylte Kassenangestellte des nächsten Supermarktes: Payback-Karte? fragen konnte. Wer aufmerksam durch die Welt geht, weiß, dass des Meisters Rechnung aufs penibelste und darüber hinaus mehrfach aufgeht. Täglich neu. Er ahnt wie Pferde zu Kühen und Kühe zu Schweinen werden, ohne jemals direkt beim Umdeklarieren dabei gewesen sein zu müssen - oder dürfen? Nun schlecht.

 

So wie wir unsere wehemals attraktiven Ehepartner nach der Eheschließung in zuerst noch niedliche, dann aber immer unerträglicher werdende Lebensauf- und Abschnittsgefährten umwandeln, weiß jeder gute Geschlechts- und Geschäftspartner, dass dort die eigentliche Gewinnspanne liegt.

Die Geschirrspülmaschinen verlangt es nicht andauernd nach neuen Schuhen.

Der Rasenmäher vermisst keinen Sex. Und umgekehrt.

Keiner von Beiden wäre so blöd, sich aus Liebeskummer oder Geldsorgen auf zu hängen.

 

So hat am Ende Jeder etwas davon. Nicht nur unser Spielkind Hans, der die fette Gans begeistert in einen Wetzstein umtauscht. Da diese nun weg ist, bedarf es keiner scharfen Messer mehr zum Schlachten und er kann den Stein getrost in den Brunnen fallen lassen. Da hat das Kind darin wenigstens etwas zum Spielen.

 

Keiner redet heute mehr von Betrug, wenn leere Goldkarten- und Spar-Versprechen boniträchtig schon überpralle Chef-Kassen füllen. Kein Mann und keine Frau fühlt sich geprellt, wenn der Honig, den man ihnen in allen Werbepausen deodoranzig ums Maul schmiert , die falschen Bienen anzieht. Jene welche. Schuhschranklastig oder rasenmäherscharf - es kommt sowieso aufs Gleiche hinaus.

Das Endergebnis ist und bleibt in Märchen wie Realität das Selbe:

 

Chronisch leere Geldbeutel bei allen Glückshanserln - gestern, heute und morgen.

Versprochen - beim Goldklumpen meines Meisters!

 

 

 

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Entzauberte Märchen Nr.21 Tischlein bück dich...Tischlein leck mich....

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tischlein deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack

 

Lieber Leser, kein Märchen trifft den Punkt so genau, an dem wir Männer den Respekt unserer Eheweiber verlieren wie "Tischlein deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack". Zeugt es doch von den immerwährenden männlichen Sehnsüchten und drohenden Lösungen, wenn diese nicht sofort eintreffen.

Umso mehr, da in dieser Geschichte das einzig Weibliche, das der Leser zu sehen bekommt, die hinterlistige und meckernde Ziege ist.

Die Ziege, deren der Mann, denn so ist unser Empfinden schon durch alle Zeiten der Menschheitsgeschichte hindurch, niemals, nie und nimmer gerecht werden kann.

Sie lässt uns Männer auf einen Tisch hoffen, der sich von alleine deckt, ohne die täglichen Vorwürfe zum Mahle. Wegen ihr erbittet er einen Goldesel, der die ewige Nörgelei des Weibes, wir brächten nicht genug nach Hause, endgültig beendet. Oder auf etwas, das die schmerzlicher Erinnerung an das Einzige vernebelt, das wir als Mann immer bieten können, den Knüppel aus dem Sack. Jener, welcher sich darob viel zu oft in all seiner Härte an Unschuldigen verschlägt. Dieser Knüppel findet die Opfer seiner Rachsucht und Verzweiflung gestern wie heute in Allem, was in Schmach und Verzweiflung unsere Aufmerksamkeit erregt und weit genug von unserem Herzen entfernt ist. So, dass wir diese ohn eigene Reue und Zerknirschung gedankenlos zu Brei schlagen können.

 

Zuallererst ist schon der Gedankengang jämmerlich, der niemals bei sich einen Anteil am Erlittenen sucht, sondern ihn nur beim Gegenüber erkennt. Dies ist die wirkliche männliche Schwäche, die es zu wandeln gilt. Sie allein bedarf immerfort der Liebe und Zuwendung, die das Weib jedoch gestern wie heute nach recht kurzer Zeit lieber dem Garten, den Kleinkindern oder dem erstaunlich agilen Briefträger schenkt. Dort sind sie nach Auskunft unzähliger Frauen der Weltgeschichte in der Regel weit besser angelegt.

 

Im Märchen jagt ein Vater in Sorge um das, was die ganze Familie nährt, seine Söhne aus dem Hause. Nehmen wir einmal zu seinen Gunsten an, dass sie, so wahrscheinlich sein unausgesprochener, ehrenrühriger Wunsch, in anderen Häüsern unter anderen starken Händen und Herzen etwas lernen, das ihnen ermöglicht, später ein Leben zu führen, in dem das Gemecker der Ziege nicht die gleiche Zwietracht zwischen ihnen und ihren Söhnen sähen kann. So das trügerische Wunschbild.

 

Wer kennt es nicht, das "Ich bin so satt, ich mag kein Blatt " das uns einen geruhsamen Abend mit einer uns zugeneigten Gattin erwarten lässt und das sich schon im nächsten Augenblicke in ein "Mäh, Mäh, ich sprang nur über Gräbelein, ich fand kein einzig Blättelein" verwandelt. Das Määääh, das so oft alle schönen Träume wieder platzen lässt wie schillernde Seifenblasen! Auch wenn es heute eher lauten müsste: " Schatz, ich hab einfach nichts zum Anziehen!" Dabei waren wir gerade gestern damit beschäftigt, unserem Weibe durch Boutiquen und Ladengeschäfte mit unzähligen Kleiderbügeln über beiden Unterarmen mürrisch aber standhaft zu folgen. Ohne danach auf keinerlei Weise den Knüppel aus dem Sack lassen zu dürfen.

Es wurde wieder einmal nur die Sehnsucht nach dem Goldesel genährt und verstärkt.

Wobei wir dabei vergessen, dass wir bis in den Tod willfährige Goldesel sind, die unzähligen Herren auch ohne Bricklebritt willfährig die Taschen mit Dukaten füllen bis diese sie, um nicht unter ihrer Last zusammen zu brechen, für mildtätige Zwecke spenden müssen.

 

Und so schicken Väter ihre Söhne aus, bürden ihnen die Erfüllung all ihrer eigenen ungelebten Wünsche auf und locken sie so in die nämliche Falle, in die sie einst selbst getappt waren. Die Söhne wiederum glauben, so sie alles tun, um die Unzufriedenen gütlich zu stimmen, könnten sie schon auf Erden das Himmelreich erlangen. Da dies Ansinnen nie und nimmer klappen kann, gehört für jeden Menschen scheinbar die eigens erlittene Schmach zur Schule des Lebens.

 

Ich muss jedoch zugestehen, dass die Söhne in dieser Geschichte schon etwas gelernt haben, das ihr Vater niemals im Sinne hatte. Sie haben erkannt, dass selbst hinter wütendsten und kältesten Strafen von Vätern ein allzu weiches Herz schlägt. Und sie haben wie schon viele vor ihnen ihrem Peiniger verziehen. Auch durften sie lernen, dass Väter nicht ausschließlich zu eigenen Söhnen grausam sind und haben sich wegen ihres Geltungsbedürfnisses ihre vererbte Gutgläubigkeit samt ihrem hart erarbeiteten Lohn stehlen lassen.

All dies nur, um sich am Ende vom jüngsten und scheinbar mit dem wertlosesten Lohn heimgekehrten Bruder retten zu lassen. Retten durch dessen unbezahlbare Gabe des "Sich wehren Könnens", die dieser in Form des "Knüppels aus dem Sack" von seinem Meister mitbrachte.

 

So weit - so gut. Happy End vom Feinsten sollte Mann denken.

Knüppel aus dem Sack hat wieder gesiegt! Wie in jedem Western, seit die ersten Holzräder über die staubige Prärie holperten.

End ja - happy eher Nein!

Denn diese pulververrauchten Märchen hören auch dort auf, wo die Männer das Kräftemessen untereinander beenden und sich voll blauäugiger Blindheit dem mit der holden Weiblichkeit zuwenden.

Wenden passt hier besser denn Stellen. Von Stellen kann nicht die Rede sein, denn die Anfangs so stolz geschwellte Brust bei der Eroberung des Weibes verlagert sich unter den neuen Ernährungsgegebenheiten allzu rasch nach Unten. Knapp über und bald schon unter die Gürtellinie. Dort findet fürderhin der unseelige Kampf der Geschlechter statt. Die Macht, die vordem mit ihnen war, wenn sie zur Tat schritten oder einfach nur angenehm handgreiflich wurden, verlagert sich zusehends in die Pantoffeln, die ihnen ihr Eheweib des Abends zu Anfang noch gerne zum Fernsehsessel brachte.

Aus furchtlosem "Knüppel aus dem Sack" wird so in aller Regel recht schnell ein furchtbarer Schnarchsack. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass er sich vorzugsblöde mit Chips und Bier ernährt, drei Minuten höchstens drei Minuten sein lässt und sich bald nicht einmal mehr zum Furzen aus dem Sessel erhebt. Oft genug schmeißt er heute immer noch seine unzuverlässigen, faulen Söhne zum Hause hinaus, damit sie in der Welt etwas Besseres lernen - ganz so wie auch er damals.

 

So dies Schicksal unvermeidlich scheint, möge Gott ihnen die Einsicht vermitteln, dass der gerechte Kampf, dessen Narben Mann so gerne und stolz präsentiert, mit dem Eintritt in die Ehe erst richtig beginnt. Ich bete darum, dass Mann, der die Finessen und die Überlegenheit weiblich weicher Kampftechnik längst kennenlernen durfte, die dargebotene Chance sieht und sie endlich nutzt.

Denn:

Gott hat dem Manne die Frau geschenkt in der Hoffnung, dass er seine Fähigkeiten verfeinere und steigern könne.

Gott hat Selbigem die Blindheit des Verliebtseins und der Triebhaftigkeit verliehen, um wenigsten zeitweilig seine Feigheit zu überlisten und ihn so zu befähigen, sich überhaupt erst in diesem anfangs so ungleichen Kampf zu stellen. Auch wenn die Chancen für ihn eher mager erscheinen.

Gott wird ihm hoffentlich noch viele fleißig lernende Söhne und Töchter schenken, dass Mann und Frau irgendwann einmal in ferner Zukunft erkennen mögen, welch Ehre es ist, einen ebenbürtigen Gegner zu haben. Welch wahrer Ruhm darin liegt, an ihm zu wachsen, indem man ihm trotz oft unerbittlichstem Kampfe Respekt zollt.

Bevor der Tod sie scheidet.

Dann und erst dann werden Märchen, in denen das Weib nur als böse Hexe, neidische Königin oder hinterfotzige Ziege vorkommt, endlich der Vergangenheit angehören!

Dann werden Männer wirklich Männer sein!

 

 

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Entzauberte Märchen Nr.20 Ali Baba und die vierzig Räuber - Die Mär von schneller Kohle ohne Maloche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ali Baba und die vierzig Räuber - Die Mär von schneller Kohle ohne Maloche.

 

Jene, die immer noch glauben, dass das Auffinden von Schatzkarten und die Suche nach dem Kreuz darauf das einzig erfolgversprechende Rezept sei, einige wenige Schlaumeier in den Genuss schnellen Reichtums kommen zu lassen, hat wohl nie von Ali Baba gehört. Oder er hält ihn entweder für einen Terroristen oder den netten jungen Dönermann drei Straßenecken weiter. Auf alle Fälle sind die Jungs auf den Galeeren heute ohne Augenbinde und Holzfuß, dafür aber mit Kalaschnikow unterwegs.

Schatzkarten, vergilbte Schriftstücke auf Pergament brauchen die nicht, und Seekarten sind ihnen Schnuppe.

 

Stell dir vor, die Kinder von übermorgen fahren voll auf den Blockbuster "Knallli Baba und die vierzig Schnellboote" ab. Mit dem laufend schrumpfenden Metermaß der Menschheitsentwicklung gemessen, kommt wirklich bald nur noch Katzenjammer auf. Wo bleibt da die Romantik. Kein Segelknattern, kein Rum, keine Kombüse mehr. Nur noch Außenbordgeknatter und schwimmende Blechdosen.

 

Wo bleibt da der oder das Flair?

 

Wer sich erinnert wie Alis Papa, der sich noch mit Doppel-B schrieb, was wiederum Nichts aber auch gar nichts mit vollbusig zu tun hatte - also wer sich erinnert, weiß, dass der Holzfäller das irrsinnige Glück hatte, ein Passwort mit zu hören und, was noch weit wichtiger ist, die passende Tür dafür geliefert zu bekommen.

 

Wer von uns war noch nie in Gedanken vergeblich vor irgendeiner für uns verschlossenen Türe gestanden und hat innerlich verzweifelt das "Sesam öffne Dich" geflüstert? Ehrlich! Das ist in Etwa so erfolgversprechend wie im Keller vor einer Dosensuppe ohne abgelaufenes Haltbarkeitsdatum zu stehen und "Muh!" zu brüllen. So kam noch nicht einmal und nie eine einfache Hühnersuppe in den Teller. Egal wie abgebrüht wir uns dabei fühlten.

 

Heute sitzt Ali auch nicht auf einem Baum neben einer Höhle. Er vegetiert vor dem Bildschirm seiner Höhle. Die Höhle strahlt nicht glitzernd wider vor Gold und Juwelengeschmeide, sondern stinkt nach abgestandenem Rauch aus übervollen Aschenbechern und ist angefüllt mit leeren Pizzakartons. Beim reichen Bruder ersatzweise Sushikartönchen. Vielleicht liegt ja darin der Fehler der Neider, die den Hals nie voll genug bekommen können. Bei Pizzaduft kann man wenigstens die Sonnenstrahlen am Horizont hinter den heruntergelassenen Rollläden noch erahnen. Bei Sushi fehlt dieser unterbewusst erhellende Aspekt völlig und geruchlich würde es langen, kurz den Hosenstall zu öffnen. Dass es dann aber schwierig wird, sich an das richtige Passwort zu erinnern, ist nicht schwer nach zu vollziehen.

 

Heute kann man die richtige, wie auch leider falsche Pin sogar beim ersten Mal abspeichern.

 

Dann haben es andere Alis einfacher, mit zu hören, wenn ihnen danach ist. Oder wir fluchen jedes Mal, wenn wir unseren Schatz besuchen wollen, weil der elekronische Portier uns falsch anmeldet.

 

"Du kummsch hier net rein" meinter dann und wir müssen hintenrum rein. Manche stehen da sogar drauf, aber das gehört hier nicht her und unterläge sowieso der freiwilligen Selbstkontrolle 18.

 

Wie bei dem alten Ali beginnt die unangenehmere Arbeit nach den ersten gehobenen Reichtümern.

 

Ob neidischer Bruder, die Nachbarn, das Finanzamt, die Staatsanwaltschaft, die Konkurrenz oder die Gauner, die es vor uns gehortet hatten - plötzlich geben sich alle die Klinke in die Hand, tun auffällig freundschaftlich aber wollen uns so schnell als möglich ans teure Leder.

 

Wer das überlebt, monetär, geistig, emotional und körperlich hat es höchstwahrschweinlich so schlau angestellt wie einst Uns-Ali. Er hat die Klappe gehalten und den Schatz nur in kleinen Dosen genossen. Das ist die Hauptregel beim Genuss einer jeden Droge, so man länger davon profitieren will.

 

Wenn nötig, müssen Lecks mit etwas Raffinesse beseitigt und verräterischen Zeichen so vermehrt, dass sie umgehend zu falschen Fährten werden. Tricky ist mega-in, brachial nur der besser zu vermeidende Notnagel für wirklich Arme. Der Makel daran ist, dass dann alle mit dem Finger auf einen zeigen. Und es womöglich nachmachen. Das verdirbt nachhaltig das Geschäft.

 

So checken es heute erfolgreiche Piraten, fiskusflüchtige Unternehmer, Lottogewinner und Softwareentwickler. Auch die haben ihre Ese,l die ihnen die Schäfchen folgsam ins Trockene tragen. Gut versteckt unter natürlich mühsam zusammengeklaubtem Holz. Das dürfen diese dann großzügigerweise behalten. Die schweren Säcke sind natürlich nur für die schweren Säcke.

 

Wenn die Gefahr vorüber ist, alle Konkurrenten und Neider und viel schlimmere, weil vorherige Räuber des Schatzes aus dem Weg geräumt sind, wird gespendet und gesponsort, dass es rufschützende Ehrentitel nur so hagelt.

 

Zu Ali Baba´s Zeiten war es recht einfach, den guten Armen vom bösen Reichen zu unterscheiden.

 

Es war wie David gegen Goliath und Robin Hood gleichzeitig.

 

Heute robinhoodet Jeder börsenmaklig bis es crasht!

Goliatse klonen sich klein, damit sie zu spät entdeckt werden und Davidaner besorgen sich vor dem Kampf Jagdflugzeuge und klitzekleine Bomben mit riesengroßer Zerstörungswut, damit böhze Goliatse Angst bekommen und den anderen Nachbarn überfallen.

 

Wer da wem zu Recht den Schatz klaut, ist mittlerweile ziemlich undurchsichtig.

 

Um bei Anderen und bei sich selbst dahinter blicken zu können, bedürfte es mittlerweile eines neueren wirksamen: "Seelsam öffne dich!"

 

 

 

 

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Enzauberte Märchen Nr.19 1001 Nacht - Von der offenen Wahrheit Gefahr und ihrer märchenhaften Begegnung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es war einmal, ist noch und wird immer sein.

Die Sehnsucht, die Macht und die Trickkiste, deren Deckel diejenigen öffnen dürfen, die sich an ihre Macht nicht mehr erinnern.

Davon erzählt uns die Mär aus "Tausend und einer Nacht", die streng genommen "Eine Nacht vor Tausenden" genannt werden müsste. Nicht in dem drohenden Elendssinne der heutigen Eheleut, sondern in dem hoffnungsvollen Sinne der gelungenen Bändigung der Bestie, die in allen von uns schlummert. Der Bestie, die nur dann lüstern wütet, wenn niemand das in ihr sieht und anspricht, was sie im Laufe der Jahrmillionen hinter dem Staudamm von gutem Willen und Angst allzuoft zum Platzen brachte. Sei es in Gestalt von Naturkatastrophen, kriegstreibenden Despoten, grausamen Gefängniswärtern in Religion und Bildung, Vergewaltigern von Fleisch und Seele, makelvollen Börsencrashern oder weißwestigen Bombenlegern, seien sie nun stationär mit Namen Kraftwerk oder in umdeklarierten Holzkisten auf dem Weg in ein zukünftiges einträgliches Kriegsgebiet. Wiewohl kein Sämling etwas von dem giftigen Mutterkorne ahnt, das ihn verdirbt, kein junger Hund ohne Zaun und Kette seines Herrn später den Briefträger anfallen würde.

Wie dem auch sei: Zum Platzen gab, gibt und wird es in unserer Welt immer mehr als genug geben.

Der Wert der Märchen, die Frau Mann erzählt, ist demnach daran zu bemessen, wie sie geeignet sind, sinnquälendes Morden zu beenden. So er dabei der Platzhirsch bleiben darf, folgt er ihren Worten und Gesten willig.

 

Jener sagenumwobene Prinz auf seiner Insel musste eine furchtbare Entdeckung machen. Seine Frau holte sich bei den weniger degenerierten Sklaven das, was er ihr nicht mehr zu geben imstande war. Und wie jeder anständige Bauer seinem altgedienten Pferd das Gnadenbrot gewährt und sich geflissentlich ein neues zulegt, damit er mit ihm das Feld aufbrechen kann und so sein täglich Brot sichere, so sucht jede gesunde Frau sich zur Erfüllung grundlegender Bedürfnisse eben einen neuen Sklaven, gerade um ihrem beruflich so eingespannten und pflichtbewussten Manne weiterhin ein gutgelauntes gesundes Eheweib zu geben, ohne das er seiner Pflicht in den seltesten Fällen gerecht werden könnte. In heutigem Fachjargon nennte Mensch dies Win-Win-Situation, was allerdings nicht im Geringsten etwas mit Karl May oder dessen edlen Wilden Winnetou zu hat. Dies jedoch erkannten unser Herrscher und auch sein Bruder nicht. Selbst dann nicht, als sie selbst durch ihren Beischlaf einer so im Geiste Gefangenen zur Freiheit verhalfen. Heute würde Mensch diesen Geist sinnigerweise Zuhälter und seine Gefangene Prostituierte nennen. Prost wohl deshalb, weil Mann sich im allgemeinen Mut antrinken muss, bevor er dieser seine Aufwartung und ihr beischlaffen kann.

Sowohl die lange Leitung, auf der die beiden Herrscher stehen, wie auch die hanebüchenen Schlüsse, die sie aus ihren Erfahrungen ziehen, haben wir Männer durch alle Zeiten hindurch gerettet und sitzen diesen falschen Pferden sicher auch morgen noch begeistert auf. Hauptsache gut gesattelt.

 

So kam es wie es kommen musste, heute kommt und morgen - aber lassen wir das.

Das Szenario: Mann, eifersüchtig lässt Frau beschatten, verdrängt, dass er selbst fremdgeht und zerstört, so er Macht hat, die Existenz seiner Exfrau und deren Geliebten. Er bleibt eine Weile solo. Er ernährt sich je nach Ausstrahlung und Status leidlich bis eichhörnchenmühsam bevorzugt von dem, was über den Zaun wächst. Natürlich nur, wenn der Nachbar nicht zuhause ist und umgeht so die Gefahr einer neuerlichen Enttäuschung. So weit so mies, doch altbekannt.

Nun folgt eines meiner zwei boshaften Lieblingsworte, deren da bis und obwohl wären.

Bis.

Bis Sheherazade die Ewige, ewig mütterlich gerissene Kindfrau mit ausgeprägt sozialem Gewissen aus gutem Hause, den guten Jungen in ihm erkennt und ihn geduldig resozialisiert. Das kann allerdings Jahre dauern.

Mann höre und staune, wodurch sie Dieses zuallererst schafft: Durch ihre Verweigerung!

Lasse das Hundchen hinter einer Wurst am Stock herrennen, am Besten im Wettbewerb mit anderen. Lass es manchmal näherkommen, nach der Wurst schnuppern, meist vergeblich schnappen und du kannst darauf wetten, dass es für dich gewinnbringend die letzten Reserven herausholt.

Mal ganz ehrlich.

Wir Männer sind doch, gelinde gesagt, selten blöde Hunde (aber dann richtig).

Das funktioniert so gut, dass Frau behaupten darf, Mann sei berechenbar. Im Westen muss Mensch Schloss nur durch Ranch ersetzen. Setz er dem Mann einen Hut auf , bei Frau bleibt das Lächeln, der scheu nach unten gerichtete Blick im rechten Moment. Auch Pferde zum Daraufsetzen finden sich dort zu Haufe.

 

Sheherazade, die aufopferungswillige Tochter des Wesirs macht das Einzige, was in solch einer Situation richtig ist und damit eigentlich immer, denn Männer sind auch nur Menschen und Menschen stolpern gerne immer und immer wieder über die gleichen Schlaglöcher - sie erzählt ihm die Märchen, die er anscheinend gerne hören will. So entführt sie ihn, ohne dass er es merkt, aus seinem mickrigen Alltagselend im Büro, weg vom Fußball in der Glotze, geschickt mit traumwandlerischer Sicherheit hinter die furchtbar gähnenden Leere ihres Kleider- respektive Schuhschrankes, in der er seinem Jungengemüt entsprechend gefährliche, doch nichtsdestotrotz lehrreiche Abenteuer erleben darf, während er in Mami`s sicherem Schosse ruht.

Danach schläft er müde ein und Frau muss einmal weniger Migräne vortäuschen oder seine unübertreffliche Herrlichkeit mit Inbrunst zuckend bestöhnen, um für den nächsten Tag das gröbste Unheil von der Welt abzuwenden.

Obwohl dies schwer nach Betrug riecht und es seit Jahrtausenden schon die Vögel von den Dächern pfeifen, hat diese Form der fraulichen Einflussnahme jedoch solch wohltuenden Einfluss auf den Gang der Geschichte, dass sie zwar mit Scheuklappen, doch recht gerne akzeptiert wird. Auf alle Fälle lieber, als das ehrliche Abwenden und eigenverantwortliche Selbstversorgen mit Lebens-Lust. Bei beiderlei Geschlecht.

Die Nightmare-Exemplare weiblicher Art und mannigfaltiger Ausprägung findet Mensch, so er der Wahrheit nicht abhold ist, vorzugsweise in abendländischen Märchen nach grimmschen und anderschen Gusto, mit dem neben der Flasche obengenannte wehrlose Keimlinge heute noch auf ihr Mutterkorn-Macho oder Hexenküchenbesen-Dasein schonend vorbereitet werden

 

Aufmerksame Leser werden bemerken, dass neben dem augenscheinlichen Hauptstrang des Märchens etliche weitere zu entdecken sind. Da deren pädophil demagogische, kurz pädagogische Wirkung bei deren Bewusstwerdung jedoch significkant nachlässt, werde ich nichts von dem entschuldenden Nutzen befehsausführender Stellvertreter wie Wesiren, sowie der druckmindernden Wirkung der Erfindung von Feinden und deren medienwirksame und konsequente Verfolgung, Bekämpfung und Opferung erzählen. Auch die ärmliche Potenz steigernde Wirkung von Jungfrauen, deren Wirkung seit Jahrtausenden bei machtimpotenten Magnaten nicht nachlässt. Deren postpotentielle Verstärkung durch rituelle Fesselung und Auspeitschung derselben sei hier besser verschwiegen. Dieses auszuschlachten, ist die Domäne der Vulgärpresse.

 

Wie auch sonst in allen Zeiten und Welten wird die versteckte Wahrheit besser vertragen und leichter verdaut wie das allzu Offensichtliche. Was bleibt dem nackten Weibe so auch Anderes übrig, als seine jungfräuliche Wahrheit hinter wohlklingenden Märchen zu verstecken. So wäre denn das wirkliche Motto von 1001 Nacht: Selber schuld, du Narr!

 

Vor der Variante "Narren aller Länder vereinigt euch!" soll hier allerdings deutlichst gewarnt werden.

 

Märchen, auch von den liederlichsten Weibern erzählte, haben immerhin noch Geist und Charme. Vereinigte Männer neigen dann doch allzu deutlich zu vernichtungsfrohen Befehsstrukturen und nährstoffarmen Hierarchien, deren Genuss in den allerwenigsten Fällen menschheitszuträglich sind. In Deutschland NachgewiesenermaSSen.

 

 

 

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Entzauberte Märchen Nr.18 Räuber Hotzenplotz - Von Guttenzwerg und Bärluskohni -Syndrom

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Räuber Hotzenplotz ( Von Guttenzwerg und Bärluskohni -Syndrom )

oder "Von Gaddafi zu Gaffvieh zu Stimmvieh"

 

ist ein Märchen, das sehr schön die Verwirrung und Verwicklungen des Kasperltheaters vor Wahlsonntagen zeigt. Ob die Kandidaten nun Hotzenplotz, Glotzenrotz, Votzenschlotz oder Motzenkotz heißen, sie gehören eigentlich alle eingesperrt. Sie beklauen nicht nur seit Jahrhunderten die Großmutter und entziehen sich erfolgreich der Strafverfolgung, sie lassen ihre Gegner sogar in die eigene Falle laufen. Welcher Politiker würde sich nicht über solch eine günstige Gelegenheit freuen? Wie blöd müsste er sein, um sich diese entgehen zu lassen?

 

Gerade weil vor Wahlsonntagen die Kasperls und Seppls, die Großmütter und Gretels nicht wissen, was und wo sie auf- und ankreuzen sollen, können die Nachfolger der Hottentotten, Hotzenglotzens, Holperdinger, Hotzenplotzer oder wie die Gangster auch heißen, falsche Fährten legen und ungeschoren mit ihren Gaunereien davonkommen. Der ein oder andere legt auch schon einmal die Justizorgane an die Kette, täuscht den Blick der Wahrsagerinstitute und Wirtschaftsweisen von heute und verdünnisiert sich unauffällig trotz der Kristalkugelersatz-Untersuchungsausschüsse unverfroren und schimpflich glimpflich.

Die Gimpel! Da kann die Witwe Schlotterbeck noch so schlottern und der Zwickel, der Zwackel, das Krokodil (nicht der Dackel) mit dem Gebiss klappern, solange sie wollen. Die Polithotzen schaffen es sogar im wahren Leben wie auch im Märchen, allen Unkenrufen zum Trotz und Dank Lottofee (ohne Gewehr) selbst die Bürger von Buxtehude von ihrer Unschuld zu überzeugen.

Als die Doofen büßen nicht etwa die Wirtschafts- und Bankenzauberer, ob diese heute nun Kapitäne, Generäle oder Staatssekretäre genannt werden. Den Wachtmeister Dimpfelmosers sind die Hände gebunden und die Hundsfotten verschwinden ganz und ganz schnell mit und/oder seltener ohne Salär von der Bühne.

Auf alle Fälle stellt sich auch hier am Ende wieder einmal heraus, dass man dem Bösen nur eine Chance geben muss, dann erkennt er dass es sinnvoll ist, dem Gangstertum abzuschwören, etwas Zeit ins Land gehen zu lassen und bei späteren Wahlen wieder geläutert und mit weißer Weste auf die Bühne zurückzukehren.

Happy End trotz Räuberkomödie. So liebt es das beutelentleerte Volk. Schon immer und immer wieder. 

Welcher Schuft wollte ihnen auch ihr Kasperltheater wegnehmen wollen!

 

 

 

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Entzauberte Märchen Nr. 17 Bremer Stadtmusikanten - tierlieb

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Bremer Stadtmusikanten

 

Was heute "DeutschlandSuchtDenSuperstar" ist, waren früher die Bremer Stadtmusikanten.

 

Früher gaben sie nur einfacher zu, dass sie Esel und Gockel waren oder sich benahmen wie Hund und Katz. Heute findet Mensch die letzteren Beiden bevorzugt auch bei Glotzenrichterin Salesch oder Flatschirmrichter Hold. Dort keifen sie sich den ganzen langen Nachmittag gegenseitig aufs Haarsträubendste statt Harmonische an und würden sich sicherlich gegenseitig die Augen auskratzen, wenn sie der holde Esel oder der Gockel von Staatsanwalt nur ließen. Warum sie das nicht tun, versteht sowieso niemand. Es wäre doch genau das, was das Volk hinter Glas ( Gitterkäfighaltung entsprach nicht mehr zeitkonformer , artgerechter Haltung) sich sehnlichst wünscht.

 

So wie auch schon früher in den Arenen.

 

Oder eben wie in DSDS. Dort Iiiiieeeehaaaht der Esel zwar ungleich schlimmer, doch die Zuschauer finden das schön obzön und die kleineren Tierchen lassen sich ängstlich, doch willig das Fell über beide Ohren ziehen. Selbst das ist schon seit Menschengedenken so. Die großen Tiere gehen mit den kleineren um, wie Männer mit ihren Präservativen. Erst den Großen markieren und benutzen, vollrotzen, wenns beliebt, meist schon recht schnell und am Schluss beschmutzt, benutzt fallen lassen. Deshalb nennt man das heute auch Wegwerfgesellschaft.

 

Natürlich haben sie dabei nur die allerbesten Absichten. Ab und an wird das beliebteste Tierchen in der Arena hinterher kräftig ausgenommen, ausgestopft und dem anderen Stimmvieh als Vorbild hingestellt. So wie heute in Bremen eben Esel, Hund, Katze und Hahn in Bronze gegossen herumstehen und so gar nicht beweisen können, dass sie nie singen konnten und auch nie singen würden. Schon gar nicht zusammen. Noch weniger im Fernsehen.

 

Eigentlich ist die ganze Chose gesanglich wie menschlich eine Riesenverarsche.

 

Denn schon damals mussten die Menschlein den vermeintlichen Riesen tierisch oft in den Allerwertestetn kriechen. Sie haben ihnen vermutlich lieber vorher Zucker hineingeblasen, damit es nicht allzu schlimm stinkt, bis die großen Tiere Verstopfung davon bekamen und für eine Weile fasten mussten.

 

Dann konnten sie die Kleinen wenigstens nicht mehr zum Fressen gern haben. Oder so tun, als ob.

 

 

Damit nicht auffällt, wie hinternhältig ekelhaft diese Masche ist, heißt es ja auch nicht Kot und Spiele sondern Brot und Spiele. Da sind die kleinen und großen Arschlöcher rundum versichert und wenigstens wohlgenährt. Warum und wozu sollten sie da auch noch singen können.

 

Ob in Bremen oder anderswo.

 

Wenn man das mit dem Singen weglässt, und den Stall in Container verwandelt, schaut der große Bruder gelangweilt zu. Von dort zu Karaoke (kommt nicht von ko) und Camchat ist es nicht mehr weit. Da richten sich die Beteiligten schön selbst. So merkt das Stimmvieh zu guter Letzt dann gar nicht mehr, dass es aussortiert wurde und sich nur noch gegenseitig auf den Geist geht. Gefickt eingeschädelt!

 

So haben von der ursprünglich sozialkritisch gemeinten Geschichte, wieder einmal Alle etwas gelernt und die nötigen Abwehrstrategien entwickelt. So bleibt Oben Oben und Unten braucht nicht die steilen Treppen hochsteigen, bloß um in der dünnen Höhenluft schwindlig zu werden und benommen wieder abzustürzen. Jeder weiß, wo er hingehört, sieht dass er nicht der einzig Doofe ist und spart schon einmal auf den nächst größeren Bildschirm. Denn ganz ohne Schirm gegen das, was täglich von oben auf uns herabregnet und Bild-Dung kommen wir Underdogs, Catwomen, Cocktailschlotzer und Eselsohren sowieso nicht aus.

 

 

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Entzauberte Märchen Nr.16 Schneeweißchen und Rosenrot

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schneeweißchen und Rosenrot

 

 

 

 

Etwelche und Etwaige, einettige Zwillinge aus Etlingua Bravis und nicht etwa wie sonst aus Siam, kraulten ihren Bären gerne. Ihre liebe Mutter hätte eigentlich auch nichts dagegen einzuwenden, wenn die Mädelz danach nicht immer so reaktionsträge wären. Unerquicklich war auch das Gewinsel der Beiden, bis sie allabendlich endlich mit der Kitzlerei fertig waren. Eigentlich wollten sie damit Schneeweißchen und Rosenrot nacheifern, denn das Märchen hatte ihnen immer besonders gut gefallen und der Bär im Schlafzimmer ihrer Mutter, genannt Vater, der vor Jahren in den Krieg gezogen und nicht wiedergekommen war, hatte die Mutter genauso schön zum Fiepen und Jauchzen gebracht, wie sie sich bei ihrem abendlichen Bärenkraulen im jeweils eigenen Zimmer. Doch am Tage mochten sie sich so sehr, dass kein Mann der Welt sie jemals auseinander bringen sollte. Das Leben ohne einander stellten sie sich so schröcklöch vor, dass sie jedem Freier erklärten, der an der Türe ihrer Hütte anklopfte, dass er sie nur zusammen zur Frau nehmen könne. Da Freier in der Regel - Rosenrot huldigte der Göttin immer schon ein paar Tage eher denn Schneeweißchen - solchermaßen Überraschungseffekte, insbesondere von schönen und charakterstarken Weibsbildern nicht eben mögen - um nicht zu sagen, so feige sind, dass sie sie fürchten - flüchteten die ersten dreihundertfünfundsechzig Männer und kehrten nie wieder.

Den beiden mit sich zufriedenen Jungfrauen konnte dies nur recht sein. Was sollten sie auch mit solchen Exemplaren männlicher Erbärmlichkeit anfangen können. Man bedenke doch nur, dass gestandene Mannsbilder, die schon hektoliterweise Blut auf Quadratkilometern Schlachtfeld gesehen hatten, vor einigen wenigen Tropfen Frauenblut die Flucht ergreifen.

Fast wären sie mit ihrer Taktik doch noch gehörig auf die Schnauze gefallen, als sie der zipfelmützige Griesgram Schnegglepirscher aus dem Zwergenforst nebenan freien wollte. Sie hatten diesem schon aus etlichen, etwaigen, etwelchen und  etweden Peinlichkeiten geholfen und kannten ihn, seit sie selbständig die Röcke lüpfen und pinkeln konnten. Er dachte sie mit bunten Klunkern und Geschmeide zu beeindrucken und erbot sich, als er ihre glänzenden Augen sah, sie beide allsbald zu ehelichen.

Fast wären sie darauf hineingefallen.

Doch der Geiz des Zwerges war so bekannt - landein- und landauswärts,  und er stank an diesem Tag wie der Bär - allerdings seit Monaten ungewaschen, dass sie sich zwar an Kothäppchens Tipp mit Blend Ameds Zahnpaste erinnerten, doch sich nicht vorstellen konnten, wie dadurch Jauche in Weihwasser verwandelt werden solle. So musste er zu guter Letzt auf die erhoffte doppelte Trophäe verzichten.

Kurzum, sie kraulten dann doch lieber ihre eigenen Bären weiter.

Dass irgendwann ein siamesisches Brüderpaar vorbeikam , das außer einem Bärenhunger auch noch seeehr geschickte Hände zum Kraulen und andere standhafte Extremitäten zur Erfüllung tierischer Gelüste mitbrachte, wird der geneigte Leser oder die ähnlich positionierte Leserin sicherlich für die beiden Mädchen hoffen. Allerdings ist mir darunter nichts Hinlängliches bekannt.

 

 

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Entzauberte Märchen Nr.15 König Drosselbart - Schein bares

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

König Drosselbart

 

Brüder, wieder einmal muss ich von einer Geschichte berichten, die sich anders zugetragen hat, vielleicht noch viel Andersen als ich sie voll inGrimm heute in den Büchern vorzufinden pflege.

Dass Weibsbilder, je mehr sie von der Natur mit harmonischen Proportionen in Visage und Figur bevorzugt worden, dies in ihrer Jugend um so weniger zu ihrem Vorteil gereichen lassen, um einen ihnen wirklich freundlich gesinnten Gatten an Land zu ziehen, ist hinlänglich bekannt. Meist ist da, wie sonst auch das Ross edler, denn sein Reiter. Bei den Männern, meinte ich. Und damit auch bei den zumeist verzogenen Prinzessinnen. So verzogen, dass ihnen vor lauter Trotz und Elend, ob der zumeist nur auf ihr Erbteil und die Brüste schielenden Bewerbern, der Tiefgang des einen Einzigen für sie von Gott Sonderangefertigten übersahen und ihn mit all den anderen Schwachmaten zum Teufel schickten.

 

Davon und von deren Läuterung berichten die grimmigen Gebrüder, deren Sammlerfleiß wir fast all die moralinsüßsauren Märchen verdanken, die wir heute kennen. Doch dass es eine Strafe sein soll, auf der Seite eines einfachen Mannes zu leben, zeugt früher wie heute von einem noch größeren Hochmuth, als ihn alle Prinzessinnen aller Märchen je zur Schau trugen. Was allerdings das Allerschlimmste ist, was uns die heutige Fassung des Märchens zu verkaufen versucht, ist, dass Mann wie auch im wahren Leben glaubt, er hätte Frau erobert oder gar restlos überzeugt.

Da müssen noch viel mehr Krüge zu Bruch gehen, Elephantenherden auf Zehenspitzen im Tütü balletieren, bis dies aus dem Stand der absoluten Zufälligkeiten zur eventuell anzunehmenden Realität avancieren könnte. Eher schreibe ich kurze Sätze, als dass die Ehemannzipation sich im realen Leben durchsetzt.

 

Ergo simulo est (Ich "spiele" also bin ich) 

oder

Circumveni vidi vici (Ich schmeichelte ihm,  sah und siegte - ob ich kam, tat nichts zur Sache)

 

 

Diese ewigen Weisheiten beschreiben seit jeher am treffendsten die inneren Machtverhältnisse zwischen halbwegs gesittetem Mann und Frau. Für den Mann, der gesellschaftlich schon immer den Schein zu wahren hatte, ergab es sich so, dass er dies bis heute noch auf einem Bankkonto am sichersten kann. So bekommt das Wort schein-bar auch seine tiefere Bedeutung. Jenseits aller politischen und religiösen Systeme hat es sich für Frau bewährt, den Lohn des Mannes, seine Scheine bar auf die Kralle zu bekommen.

 

Was geschah also wirklich?

Das launische Prinzesschen erkannte sehr wohl die Omnipotenz des königlichen Doppelkinns, dessen ausgeprägte Form sie zu der despektierlichen Äußerung hinriss, die dem Mann seinen Doppelspitznamen bescherte.

Doch wie ihren Wert so steigern, dass der Kerl auch noch in der Ehe seine unangenehmeren Düfte außerhalb des Schlafzimmers verströmt? Wie ihn glauben machen, dass er der ultimative Prinzessinnenflüsterer sei? Dass selbst ein so störrisches Wesen wie sie zum willfährigen Weibe würde, ohne seinen Argwohn zu erregen? Schließlich wollte sie nicht diejenige sein, derentwegen die Mannsbilder bemerkten, dass Frau ihnen gern, aber eben nur den Schein ließ. Den einen Einzigen. Damit sie in Schuhläden und Versandkatalogen, bei Schönheitschirurgen und in Beautyfarmen die anderen Scheine ausgeben können, ohne dass der Trottel Lunte riecht.

 

Schön und gut, bei solch schlauen Exemplar musste Frau natürlich noch etwas vorsichtiger agieren und die Rolle so spielen, dass er nach überaus echt gemeinten Tränen und Wendungen von seiner Überlegenheit völlig überzeugt war. Auch diese Herausforderung meisterte sie perfekt, wie man hinlänglich weiß. Jahrhunderte von Lesern nickten millionenfach anerkennend den Kopf, wenn der Pfundskerl dem ungezogenen Maderl zeigte, was wirklich wichtig in der Welt ist. Ohne zu ahnen.

Das königliche Frauenzimmer hat sich so ihren Prinzen und den dazu gehörigen begehbaren Schuhschrank wirklich verdient.

 

Wie die meisten Mädels. Wenn Mann es bemerken will!

 

 

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Entzauberte Märchen Nr.14 Das tapfere Schneiderlein / ein Top für ihn - ein Flop für die Menschheit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das tapfere Schneiderlein

 

Nachdem des Königs neue Kleider natürlich von einem anderen Schneider angefertigt worden waren, dessen Schwager jemand kannte, dessen Tochter ihr Freund schon einmal des Rittmeisters Rock von innen... aber lassen wir das. Der Nadellecker, dessen Laune schon geraume Zeit beängstigend getrübt war, da der Krieg die Kassen der Adligen geleert hatte und diese notgedrungen ihre alten Kleider auftrugen, saß düster sinnierend auf seinem Nadelkissen und fakirte so vor sich hin. Was sollte er in diesen elenden Tagen auch Anderes tun.

 

Summsummsumm - Summmm - Summm - Summm - Summsummsumm schwirrte es um ihn herum. Da der dösende Stoffbahnschnibbler weder Ahnung von Morsezeichen noch jemals etwas von einem internationalen Notsignal gehört hatte, verzog er nach einer Weile das Gesicht und schlug die um ihn herum surrenden Flugobjekte mit einem Schlag seiner Elle aus der Luft. Sieben schwere Raumkreuzer der intergalaktischen Flotte Muckefucks des Dreizehnten, Oberlurch in der Galaxie der zuckenden Ursuppe, Goldfroschträger und erlaichter Langzungenpriester, waren auf der Stelle fluguntüchtig. Mikrorisse in der Panoramascheibe, durch die in tödlicher Konzentration die Ausdünstungen des furchtbar ungewaschenen und rückständigen Humanoiden einströmten, taten ihr Übriges. Hätte der Schneider etwas davon geahnt, hieße es heute nicht Sieben sondern "Dreitausendachthundertfünfundsiebzig auf einen Schlag".

 

Da jetzt wenigstens etwas geschehen war, das die Eintönigkeit seiner Tage unterbrach, begannen sich ein paar Synapsen im Hirn des Fadenquälers zu regen und er dachte: "Schau einmal an! Nähen kann ich ganz manierlich, Doch bringt es mir nichts ein. Da hilft auch wildes Umsichschlagen nichts!" Also ließ er die achte Fliege, die jetzt wütend um ihn herumflog, und die er ums Verrecken nicht mit seiner Elle traf, vor sich hinsummen und kratze sich hinter dem Ohr. Sein Blick senkte sich auf die Tischplatte. "Sieben sind auch genug, das soll mir erst einmal Einer nachmachen!"

 

" Statt hier herum zu sitzen und auf sowieso nie eintreffende Kundschaft zu warten, kann ich auch in die weite Welt ziehen und Allen, die es hören wollen, von meiner Geschicklichkeit berichten. Wenn bislang in meinem Leben Andere den Ton angaben, so werde ich jetzt mein Schicksal in die Hand nehmen und selbst zum Angeber werden!"

 

Gesagt, getan. Der Leser kennt den weiteren Verlauf der Geschichte, an dessen Ende der Handwerksbursche eine Prinzessin sein Eigen nennt.

Pustekuchen. Auch hier wie auf dem Gürtel scheint der Trug.

Denn des Schneiders Fehler war es, die achte Fliege nicht zu treffen.

 

Denn das unversehrte Flaggschiff seiner Matjestät Froschmich von Mucklebfuck Langzung hatte sich der noch funktionsfähigen, unkaputtbaren Atommeiler der havarierten Raumkreuzer bemächtigt und war so wieder  in der Lage die unselige Schlägertype mittels Hyperlilliputstrahl zu schrumpfen und dieser, auf passende Größe gebracht, einen bionischen Zungenscanner anzulegen. Da sie anfangs keinerlei synaptische Aktivitäten vorfanden, erhöhten sie die Stromstärke der Sonden Stück für Stück nach der Formel

P = U · I = R · I2 = U2 ⁄ R

oder so.

 

Während der Probant wild mit den Schenkeln zuckte, verschafften sie sich Zugang zu seinen verwegensten Gedankengängen und Träumen. Diese haben letztendlich Eingang in die überlieferte Fassung des abenteuerlichen Märchens gefunden. Auch und gerade, um nicht zu sagen: nicht zuletzt, weil es den Genetopsychingenieuren der Schiffsbesatzung von deren weitsichtigen Kommandanten Lurchi Saugnapfus Muckeunterfuck Leckmac so befohlen wurde.Schicksalsträchtig. Oder wie die fliegenschiffigen Besucher es nennen würden:Ruckzuckzungzruck!

 

Die Bilder und Aktivitäten, die die Außerirdischen in der Hirnrinde des Schneiderleins vorfanden, ließen sie zur begründeten Ansicht kommen, dass der vermeintliche Angriff zwar ein Versehen und die zu untersuchende Spezies auf dem dritten Planeten des Sonnensystems im Großkotzigen Laichhaufen in all ihrem andererseits zur Schau gestellten Prunk ein Flop auf ganzer Linie war.

 

Intelligenz - Fehlanzeige!

Wahrnehmungskompetenzen - Fehlanzeige!

Atmosphärische Präsenz - gegen Null!

Zu erwartender Benefiz bei einer intensivierten Kontaktaufnahme - Siebe wären ergiebiger!

 

 

So verließen die Vertreter der interstellaren Raumflotte ernüchtert und voller Trauer um die sinnlose Opferung von dreitausendachthundertfünfundsiebzig Froschmännern den Planeten, das Sonnensysten und das Gebilde, das wir heute Milchstraße nennen. Allerdings nicht ohne den anderen Völkern der Galaxie einen Warnhinweis zu hinterlassen.

Dieser bestand darin, dass sie dem Humanoiden mit der Elle ein paar in die Irre führenden Ahnungen ins System implantierten, die deren Größenwahn bis heute stabil hält, jedoch die zu erreichende Intelligenz so begrenzt, dass allerhöchstens technisch völlig unausgereifte Atomkraftwerke an der Spitze ihrer technologischen Entwicklung stehen können. Die so in ein paar Jahrhunderten stetig anwachsende Strahlung des Planeten, würde jedes Volk früh genug warnen, bevor sie in ihr Unglück flögen.

 

Das tapfere Schneiderlein mag wirklich durch Entschlossenheit sein Glück gemacht haben.

Doch tat es dies nur in Unkenntnis der Tatsache, dass es so am Besten dazu diente, einer Unzahl von unschuldigen Wesen im Universum die völlig unnötige Gefahr der menschlichen Dummheit zu ersparen.

 

 

 

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Entzauberte Märchen Nr.13 Die Prinzessin auf der Erbse - eine verhängnisvolle Farce

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Prinzessin auf der Erbse - eine verhängnisvolle Farce

 

Jeder, der dieses Märchen kennt, kennt auch eine solche Prinzessin. Es scheint, dass viele Frauen diesen Schwachsinn für bare Münze genommen haben. Nun wundern sie sich, wenn ihre Männer keine Lust haben, sich von Fröschen in Prinzen zu verwandeln. Doch Frösche beiseite. Frösche mögen keine Erbsen. So spielt einem das Schicksal mit, wenn man allzu gutgläubig ist und dazu noch blind vor Lieb und Trieb.

Ersteres den Frauen und Zweites den potenzsTRotzenden Prinzgemahlen. Wobei hier die Betonung auf Trotz liegt. Eventuell nach einigen unerträglichen Jahren sogar nur noch Rotz.

 

Dann sitzen diese nur noch auf ihren vier Buchstaben und haben alles vergessen, was sie ehemals zum strahlenden Prinzen machte. Hier liegt nun die Betonung auf Ehe, und durch die vermaledeite Erbse, auf die sie ihrer bösen Königin nun täglich gehen, kommt noch der Buchstabe W dazu.

W wie Weh - wie Wehe.

Wehemals glücklich verliebt.

 

Solchermaßen sich das Glück abgeschminkt, wächst umgekehrt poportional - ja hier fehlt das rrrrrr- das Mann damals beim Anblick schon alleine dieses Körperteils an seine Abstammung vom Jäger mit Keule erinnerte - wächst also poportional zur Dicke der Farbschichten, die den Abglanz der Jugend solang als nur möglich erhalten sollten. Es könnte ja noch ein junger Prinz - sie wissen schon ... Andere steigern ihre Sensdebillität, indem sie das Erbsenphänomen durch stetig neue, noch bequemere Schuhe samt stetig wachsenden Schränken zu kultivieren zu versuchen. Deren Männer müssen dann irgendwann ein neues Haus darum bauen, da die Stadtwohnung dafür zu klein wird. Wen wundert noch, das diese nach vollbrachtem Tagwerk nur noch erschöpft in ihrem Fernsehsessel fallen.

 

An alledem Schuld war also nur diese blödsinnige Königin, die ihrem Sohn mittels einer Erbse die eigentlich überdurchschnittlich guten Chancen eines Prinzen auf ein einigermaßen angenehmes Weib verbaut hat. Nicht nur ihm, sondern Generationen von Fröschen und Prinzen, sowie deren späteren Gemahlinnen.

 

Beziehungsblöde - ja hier passt das Wort wie der obengenannte sprichwörtliche Schuh aufs Hühnerauge - die Märchenonkels und Tanten, die diesen verheerenden Stuss weitererzählt haben.

Doch Hoffnung naht. Verdorbene Worte können gewandelt werden, vorausgesetzt dass Gemahl und Gemahlin sie wahrlich ernst nehmen:

 

Gemahl innen.

Dies Wort, so unscheinbar es daherkommt, hat - oh Jubilee und luv- die erlösenden Aspekte in sich vereint. So Frau sie denn zu deuten vermag.

 

 

- Gemahl -

 

So mahl die Erbs

auf dass dein Prachtarsch samtig ruhe.

Dein Lächeln nach dem finalen Hecheln

erhält den Prinzgemahlen dir in Ewigkeit!

 

 

- innen -

 

Innen sei dein Schicksalshang an Wort und Klang.

Innen sei dein Blick 

dass ein Mahl,

der Erbswurst Brei

mit Freudenträn nun angerührt

von Hinnen jagt

der Ehe wehe hartes Einerlei

Gemahl

Gemahlinnen

in Schrank und Schuh

vormals gehörnt

nun angetörnt

und selbst Geweih

schreit lächelnd weiter

an Ehe weh

vorbei

seid heiter

nun und frei!

 

 

 

 

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Entzauberte Märchen Nr.12 Schneewittchen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schneewittchen

Eines trüben Morgens in der Katschurei im Tal der goldenen Hundepeitsche ging Schneewittchen schleppend der Latrine entgegen, um den übervollen und stinkenden Pisspott der Zwerge möglichst unfallfrei zu leeren. Sie fluchte aufs Gotterbärmlichste, als sie sich den großen Zeh an einem Stein stieß und drei blutrote Tropfen färbten den Schnee an dieser Stelle blutrot.

"Können diese Schw...ihre... nicht selbst..." der tatsächliche Wortlaut der Äußerungen der jungen Frau kann hier mangels passender hässlicher Schriftzeichen und der Gefahr des Selbstentzündens der Schreibunterlage nicht wiedergegeben werden. Der Leser möge dies entschuldigen.

Auf alle Fälle hatte Schneewittchen bei dieser Tätigkeit die Nase wortwörtlich gestrichen voll. Ihr Name, der ihr wegen ihrer vornehmen Blässe und den glutroten Lippen bei ihrer Ankunft von der Chefgeisha gegeben wurde, hing ihr mittlerweile auch zum Halse heraus.

Alles dies erduldete sie nur, da sie glaubte, ihrem Vater mehr als Gehorsam schuldig zu sein. Schließlich war sie seit dem Tode ihrer Mutter sein einziger Trost, seine Kirschblüte, wie er sie in Momenten der Rührung zärtlich nannte. Doch diese Momente waren rar. Je länger der Tod  zurück lag, desto rarer wurden sie. Als Aufsichtsratsvorsitzender einer großen Automobilfirma mit Filialen in der ganzen Welt war ihr Vater von früh bis spät mit wichtigsten Entscheidungen belastet und konnte seiner Tochter und ihrer Erziehung leider nicht die gebotene Aufmerksamkeit schenken. So beschied er, dass seine geliebte Kirschblüte in der renommiertesten Schule für Geishas zur sittsam gehüteten Frucht heranreifen sollte.

 

So weit so schlecht.

 

Obwohl.

 

Auch wenn die Obergeisha auf die schöne Novizin eifersüchtig war und sie nur die niedrigsten Arbeiten verrichten ließ, hatte dies etwas Gutes. Denn sie wurde trotz der häufiger werdenen Anfragen der männlichen Gäste des Hauses, die Schneewittchen wegen ihrer kleingeistigen Triebhaftigkeit "ihre Zwerge" nannte, nicht zu deren Bedürfnisbefriedigung herangezogen.

 

Sogar einen Keuschheitsgürtel hatte "Scharfblättrige Gladiole" ihr zeitweise angelegt, da sie Angst hatte, das Mädchen könne, erst einmal auf den Geschmack gekommen, es in den Künsten der Lust so weit bringen, dass sie ihr alsbald schon den Rang ablaufen könne. Zumindest machte ihr der Riesige Spiegel in ihrem bade dies glauben und befürchten.

 

Denn der ungnädige Spiegel zeigte ihr seit dem Eintreffen der gerade erblühenden Jungfrau immer deutlicher den Tribut, den ihre 45 Lenze Tag für Tag mehr einforderten. Zu ihrer Rechtfertigung sagte sie sich und den Zwergen, dass sie die Pflichten, die einer Geisha in ihrem Hause obliegten, der unbefleckten Jugend des Mädchens noch nicht zumuten könne. Dafür sei Schneewittchen auch viel zu weichherzig und wohlerzogen. Domina sei einfach nicht das, was diesem Mädchen entsprach- Zumindest der Priesterzwerg stimmte ihr in diesem Punkte voll zu und erbot sich dem blutjungen Ding bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Der Polizeipräsidentenzwerg sowie der Richterzwerg fanden, dass es allmählich an der Zeit wäre, der Knospe die Fertigkeiten zu vermitteln, die sie sicher rasch zur vollen Blüte heranwachsen ließen.Auch der Metzgerinnungsmeisterzwerg und der prominente Superstarzwerg bemerkten die Eifersucht der Älteren und rieten ihr, das Mädchen doch mit besonderer Freundlichkeit auszubilden, sie am Anfang zu schonen und nur als Assistentin hinzu zu ziehen, damit sie ihr in Herzlichkeit verbunden sei und ihr auf diese Weise niemals zur ernsthaften Konkurrentin heranwüchse. Die Obergeisha solle es sich nicht versagen die junge Frau zu den Sitzung mit ihnen mit zu bringen. Bürgermeisterzwerg und Autohauszwerg meinten, dass es nie zu früh sei, die Köstlichkeiten der Liebe zu kosten. Allerdings hätte Letzterer der Maid nie und nimmer beigewohnt oder sie einen der üblichen Dienste an sich verrichten lassen, denn ihr Vater war sein oberster Dienstherr und solchermaßen Vertraulichkeit mit dessen Tochter schickte sich nicht für einen Untergebenen.

 

So kam sie trotz dieser Umstände um die schlimmsten Erfahrungen herum. Auch der Glassarg, wie die Chefin das Zimmer mit der durchsichtigen, nach unten verspiegelten Decke nannte, blieb ihr erspart. Zumindest von innen unten. Denn sie musste die aufs widerlichst verschmutzte Bodenfläche des Raumes darüber jeden Morgen zusammen mit Prinz Sidolin schrubben und polieren, bis auch der letzte Streifen verschwunden war und die Scheibe wie ihre Augen beim Anblick des jungen Mannes glänzten. Sido Linux Sennheiser war wie Schneewittchen von seinem Vater hierher in die Le(e)hre geschickt worden. Als Sohn von steinreichen Eltern hatte er seit seiner Geburt nie etwas selbst tun müssen. Lakaien und Geishas hatten ihm jeden Wunsch von den Lippen abgelesen. So war es kein Wunder , dass er zur Sorge seiner Eltern keinerlei Anstalten unternahm, auf die Bequemlichkeit des elterlichen Palastes zu verzichten und auch nur einen Zeh in die kalte und grausame Welt da draußen zu setzen, als es Zeit wurde, sich um die eigene Zukunft zu kümmern.

 

Wie auch immer - jetzt war er jeden Morgen glücklich, die eingetrockneten Überreste der lüsternen Zwerge zu entfernen, wenn er nur seiner Kirschblüte nahe sein durfte.

Dass die Beiden nach kürzester Zeit eine Möglichkeit gefunden hatten, ihre Zusammenarbeit nach der Fron im gläsernen Geishatempel auf angenehm weicherem Untergrund fortzusetzen, wird den verständigen Leser nicht erstaunen.

 

Da beide zwar jung doch wissbegierig, aufmerksame Schüler und Beobachter waren, ergab es sich, dass sie die Kunst der Liebe aufs Sorgsamste und Häufigste miteinander übten und ihre Fähigkeiten alsbald zu wahrlich göttlicher Meisterschaft entwickelten. Zumindest fühlte es sich für sie immer wieder aufs Neue so an. Mehr wollten sie auch nicht. Außerdem mussten sie danach keine Unmengen von gefüllten Gummihüllen aufsammeln, sondern konnten erschöpft und glücklich aneinander geschmiegt einschlafen.

 

Ob sie irgendwann geheiratet, Kinder gezeugt und großgezogen, sie wie ihre Eltern zu Fremden in die Le(e)hre geschickt haben, ist dem Verfasser nicht bekannt. Allerdings neigt er zu der freudigeren Vorstellung, dass das glückliche Paar ihren Erziehungspflichten etwas früher denn ihre Eltern und dasselbst nachgekommen sind.

 

 

 

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Entzauberte Märchen Nr.11 Kothäppchen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Manche Märchen waren in ihrer Ursprungsschüssel, öhm Ursprungsfassung  so unappetittlich, dass der Märchentante beim Erzählen fast der Mieder platzte.

Eines davon war Kothäppchen, das sich als junges Ding, wie sie es damals war, vom aufregend wilden Wolf hinters Gebüsch locken ließ und nach dem Glockenläuten in ihrem Vesperkorb nur noch ellenlange Schachtelsatzfäden und einige dampfende Kotbällchen der Karnickel vorfand, die sich im Schutze der weithin hörbaren Brunft angeschlichen und all die Köstlichkeiten aufgefressen hatten, die sie der bettlahmen Großmutter bringen sollte.

"Poppen kann der Wolf wie`s Tier," dachte sie danach wohlig erschöpft und erhitzt, "nur die Zähne könnte er sich mal putzen!"

Eigentlich merkte sie den Mundraub erst, als sich die Großmutter schon die Hälfte der seltsamen Kügelchen aus ihrem Korb einverleibt hatte und so grässlich aus dem zahnlosen Maul stank, dass die Maid glaubte,  auch diese hätte den Wolf geküsst.

Wie auch immer, die Großmutter überlebte dank der einwandfrei nachweisbar biologisch veganen Herkunft der biologisch abbaubaren Köttel ohne Geschmacksverstärker und Kotzervierungsmittel diesen Anschlag auf ihre,  im übrigen schon ziemlich tauben Geschmacksnerven ohne Folgeschäden. Ihren Spitznamen konnte das Mädel recht einfach wieder ändern, da die Aussprache der ihr nun von jedem Wegesrand daherlästernden Langohren sowieso hasenschartenmäßig unverständlich war und im Übrigen die Farbe ihres weithin sichtbaren Käppchens ein Übriges tat.

Den Wolf traf sie danach immer wieder, doch sie spann die ellenlangen Schachtelsätze zu feinster Zahnseide und brachte ihrem tierisch wilden Geliebten ein Tübchen vom Bader Blenda Met aus Zahnlando mit. Die Portokosten sparte sie, da sie die Paste mit in den Schuhkarton packen ließ.

So rochen alsbald Wolf und Großmutter wieder frisch und unverbraucht und bald schon fragte sich das Rötkäppchen, wie sie nun gerufen wurde, ob das wohl Wackersteine seien, die da in ihrem runden  Bäuchlein kollerten?

 

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Entzauberte Märchen Nr.10 Heinzelnervchen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heinzelnervchen

 

 

Wieder einmal wachte der Schneider zu Kölle des Nachts um vier Uhr beim Geläute der Domglocken auf, spähte in sein Atelier und alle Aufträge der kommenden Woche waren schon fast piccobello fertig genäht. Manche sogar schon gebügelt.

Gähnend stand er in der Türe seiner Werkstatt und verharrte dort minutenlang. Wenn seine Beinmuskeln einen Befehl bekämen, führten sie ihn sofort aus. Doch da kam Nichts. Kein Befehl keine Bitte, kein allerleisester Impuls. Es war, als ob Scham oder Schmerz ihn von einer Sekunde zur anderen lahmgelegt hätten. Kraftlos und leer fühlte er sich.

Doch ein Mangel an Kraft war es nicht. Eher im Gegenteil. Seit Monaten hatte er sie zurückhalten müssen. Könnte man sie in ein Gefäß füllen, würde der Weinkeller des Bischofs mit all seinen Riesenfässern nicht genügen, all seine ruhenden Kräfte aufzunehmen. Seit Monaten brauchte er keinen Strich und keinen Stich mehr zu tun in seiner Schneiderei.

 

Schuld daran waren diese Heinzelmännchen. Sie schnitten und nähten und bügelten die ganze Nacht hindurch. Warum sie das taten, wusste er nicht. Wenn er fragte, schauten sie nicht einmal auf; sie stachen einfach weiter mit der Nadel in das Gewebe und taten so, als sei er gar nicht da.

 

Bodenlose Langeweile beherrschte nun seine Tage. Das Einzige, was ihm zu tun übrig blieb, war das Annehmen der Aufträge und das Einkaufen der Stoffbahnen und Knöpfe, Zwirn und Futter.

Doch das war schnell erledigt und danach blieb ihm nur das Vortäuschen wichtiger Außentermine, um nicht täglich von seiner geschwätzigen Frau zum Kartoffelschälen und Leintüchermangeln gerufen zu werden. Es war ein Elend. Er,  der er mit einer Engelsgeduld bis spät in die Nacht geduldig Stich für Stich an einem Hochzeitskleide für den nächsten Tag sitzen konnte,  der seinen Beruf schon immer mit Hingabe und Liebe ausführte, verwandelte sich langsam in ein antriebsloses Nichts.

 

Anfangs schien es die Erfüllung aller Wunschträume, schien die Verheißung von Reichtum und Wohlleben zu sein. Die kleinen Helfer brauchten Nichts , außer ihre Ruhe und genügend Material, damit sie die bestellten Kleider aufs sorgfältigste anfertigten. Sie wollten keinen Lohn, keine Nahrung. Er musste sie nie, wie vormals seine nicht immer fleißigen Gesellen und Lehrbuben, mit Zuckerbrot und Peitsche antreiben. Es schien das Paradies.

Wie gesagt, die ersten Tage nur, doch dann wurden sie von Woche zu Woche mehr zur Plage. Zumindest für ihn. Denn seine Frau hatte für seine neuerlichen Gemütsschwankungen kein Verständnis. Sie träumte schon von einem größeren und komfortableren Haus in vornehmerer Gegend.

 

Als endlich der Befehl kam, waren es nicht die Beine, es waren Zeigefinger und Daumen der rechten Hand, die sich um das Rädchen legten und die Flamme so schnell höher drehten, dass er es sich nicht mehr anders überlegen konnte.

 

Wenn jetzt noch seine Frau ihre schamlose Drohung wahr machte und mit dem Stoffhändler durchbrannte, könnte er Ludmilla, die Magd....

 

In diesem Falle wäre er schon Morgen wieder ein ganz neuer Mensch!

 

 

 

 

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Entzauberte Märchen Nr.9 Frau Holle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frau Holle

 

Die Frau, die den gnädigen Mantel des Schweigens über mißlungene Nächte ohne Liebreiz legt, war schon zu alten Zeiten Frau Holle. Still und friedlich wird es, wenn sie die Decken ausschüttelt. Jungfräulich wirkt die Welt, wenn sie den Schnee wie zarte Watte übers Land legt. Und kalt. Kalt in den Herzen und zwischen den Gebeinen der Eheleut. Stumm und kalt.

 

Schuld daran ist jedoch nicht sie. Früher genauso wenig wie heute.

Schuld sind auch nicht die Eheleut in ihrer Schmach. Nicht die weinenden Kinder, die ihnen die wenigen Nächte der ehelichen Lust solange unterbrechen, bis sie selbst diese seltenen Gelegenheiten ungenutzt verstreichen lassen. Schuld ist Niemand.

 

Der stirnrunzelnde Leser liest richtig. Niemand.

Aloisia Luise Niemandibularis-Brechreiz zu Woolworth Heumagen.

Kurzform: Niemand!

 

Und das kam so: Als eines Tages eine selbstgefällige Mutter ihre fleißige und überaus reizvolle Tochter an des Metzgers Sohn verheiratete, um ihrer zweiten, wie sie eingebildeten, doch weit weniger herzigen und schönen Tochter die Partie mit dem Sohn des Stadtkämmerers zu sichern, rechnete sie nicht damit, dass die holde, scheinbar unvorteilhaft bedachte Jungfrau mit dem Metzgersohn durchaus mehr als zufrieden war.

Denn diese Beiden hatten sich schon geraume Zeit allabendlich unter dem Hollerbusch hinter dem Stall getroffen und heiße Küsse ausgetauscht. Der Metzgersohn küsste nämlich ohne H und wie ein junger Gott! Nie hätten sie es sich zu träumen gewagt, dass die ehrgeizige Mutter einer ihrer Töchter die Heirat mit einem einfachen Dorffleischer erlauben würde.

 

Ihre Freude und Lust kannte keine Grenzen und sie liebten sich so heftig in der Hochzeitsnacht, dass die Federbetten platzten und der Hollerbusch, unter dem sie sich einst nur scheu küssen durften, nun unter ihrem Schlafgemach lag und am Morgen nach der Vermählung mit weißen flauschigen Federn überzogen war. Manche sagen, dass ein Teil Federn rot gewesen sei. Doch das lag wohl nur daran, dass des Metzgersohnes Mutter die Federn schon vor Sonnenaufgang aus dem Blutwursttrog wischte, der am Brunnen neben dem Hollerbusch lehnte, bevor sie diesen mit frischem Wasser auswusch.

Wahr ist, dass die glückliche Maid von ihrem jungen Manne in solch unglaubliche Fleischeslust getragen wurde, dass ihr Hören und Sehen verging und ihr danach war, als ob sie gerade aus den tiefsten Tiefen eines Brunnens aufgetaucht war. Für sie und ihren neugebackenen Mann jedesmal aufs Neue ein Jungbrunnen wie er im Buche steht.

 

Doch für ihre Schwester, die nur zwei Häuser weiter missmutig und schroff ihre Kammerzofe zurecht wies, wenn diese die strohigen Haare ihrer Herrschaft Knoten für Knoten lösen musste, war das Glück der Schwester ein wachsendes Ungemach. Vom rüpelhaften Sohn des Kämmerers im Schlafgemach zugunsten einer Mätresse verschmäht, wusste sie sich keinen Rat und stürzte sich eines trüben Herbstmorgens in den Brunnen und ward nie wieder unter den Lebenden gesehen.

 

Das kam daher, dass gerade am vorigen Abend Freifrau Aloisia "Fielnam" Niemand ihre Brille vergessen hatte und die leeren Säcke der vom Metzger zu schlachtenden Hühner statt in ihren Handkarren in den Brunnentrog warf und ohne ihre Augengläser nicht mehr wiederfand. So versank die von ihrer Mutter zum luxuriösen Unglück Gezwungene beim Sturz unter das Sackleinen. Sie wurde erst gefunden, als im Sommer der Wasserspiegel so weit sank, dass der Metzgermeister die seltene Chance nutze, um mit einer Holzleiter hinab zu steigen, um den Brunnengrund von Unrat zu befreien.

 

Da Frau Niemand nicht einer Bluttat bezichtigt werden wollte, die sie nicht begangen hatte, verwob sie die bekannten Tatsachen mit den umhergeisternden Gerüchten um die beiden Schwestern und hieß ihren Schreiber, dies nieder zu schreiben. Zum Beweis fügte sie Bilder des federüberzogenen Hollerbusches samt dem darüberliegenden Fenster hinzu. Schon bald wurde die erstaunliche Geschichte von den Minnesängern, den Papagallos und Sensationsreportern dieser Zeit, in alle Thronsäle des Kontinents getragen und fand so - Niemand sei Dank - Eingang in die reiche Märchenwelt unserer Vorfahren.

 

 

 

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Entzauberte Märchen Nr.8 Der Wolf und die sieben Geißlein

 

 

Der geile Wolf und die sechs und ein Geißlein

 

 

Es war einmal eine blöde Ziege, die diktatorisch über ein Kinderheim tief im Gebirge herrschte. Eigentlich war es ursprünglich einmal ein Kinderheim gewesen, doch die Mädchen waren allesamt schon einiges über den Jahren, in denen nicht nur ihre Triebe munter zu sprießen beginnen und sie zwischen melancholischem Puppenspiel oder jugendlichem Großkotz wechselten wie die Regierungen heutzutage ihre Minister. Zuweilen, wenn die Alte aus dem Hause ward, denn sie musste des Öfteren omanöse, dringende Geschäfte erledigen, versammelten sich die Mädels am PC der verhassten Aufseherin und loggten und lockten sich in das Netz ein, um dort in Erfahrung zu bringen, was die Alte ihnen von der großen weiten Welt vorenthielt.

Anfangs noch waren es Kochrezepte und Bilder des Prachtrammlers vom Gammelbauern aus Poppenhausen, der in jenem Jahr, den Zuchtoscar der Kleintiergilde gewann, doch irgendwann landeten sie in einem Chatroom einer größeren Kupplerseite. Weibohweib konnten sie da prächtige junge Böcke sehen. Mit und ohne Bart und/oder Schwanz, geschoren oder natur, wie es das Herz eines jeden Zickleins höher schlagen lässt.

Und eines Tages, die Blöde Ziege war wieder einmal auf einer ihrer immens wichtigen Sauftouren durch die Nachbardörfer, und ihr Auftauchen war frühestens nach dem Wochenende zu erwarten,

schrieb ihnen ein Prachtkerl mit Nicknamen Geiler Wolf und bot ihnen großzügigste und liebenswürdigste Hilfe in allen Lebenslagen und Stellungen dar, so dass sie vor Schreck erst einmal den Computer ausschalteten und zur reinigenden Sühne das Haus aufs Vorbildlichste bis in den letzten Winkel putzen. Nur den Bildschirm ließen sie staubig wie er war, denn dies hätte der Aufseherin wohl seltsam gedünkt, so man den Dreck erst sehen konnte, wenn Bilder ihn erhellten.

Doch wie der geneigte Leser leicht erraten kann, ließ der Anblick des geilen Wolfes die Zicklein nicht mehr los und eine jede von ihnen schwelgte und litt des Nachts schon vor dem Traume an furcht- und bar eregenden Phantasien. Wenn erst einmal die Biene summt, sind die Blüten nicht mehr weit, hätte dazu schmunzelnd Pater Runzloff Bigott gepredigt und ihnen dabei dabei augenzwinkernd mit dem Mittelfinger gedroht.

Es kam also das nächste Wochenende und der gewohnte Ausflug der Blöden Ziege zum Gailthaler Almfickerl.

Kaum war die Alte nach ihren halbherzigen Ermahnungen, bloß kein Mannsbild in ihre keuschen Hallen zu lassen, aus dem Hause, stürzten die Mädels an die Mattscheibe und holten sich das Bild des schmucken Bockes vor die ungeduldigen Äugelein. Wie jubelten sie, dass er ihnen ihre Flucht nicht übelgenommen hatte und ihnen Tag für Tag neue, immer verwegenere Zeilen schrieb. Als er ihnen ankündigte, dass er am folgenden Wochenende zu ihnen auf Besuch kommen würde und ihnen genaueste Anweisungen gab, wie sie sich auf seine Erscheinen vor zu bereiten hätten, meckerten sie aufgeregt und ängstlich durcheinander und flohen alsbald in ihre bewährte allzuweibliche Möglichkeit die Sicherheit des Alltags wieder her zu stellen: Putzen.

Diesmal rieben sie sogar die Gürtelrose und den horizontalen Silberstreif der Alten so blitzblank, dass es eine wahre Pracht und Freude war.

Ihre Bewacherin wähnte sich darob ihrer überragenden Erzieherfähigkeiten noch sicherer und ging am darauffolgenden Samstag wieder über den Berg um sich im nächsten Tale besteigen zu lassen.

Wie schon aus dem volkstümlichen, stark veränderten Märchen bekannt, erlangte der Wolf nun freudigen Einlass und die Orgie hätte neben einem lustvollen Verlauf auch ein süßes Ende nehmen können, wäre eines der Zicklein nicht prüder gewesen, denn die anderen Sechse. Es hätte nicht dem Treiben von Neid, Eifersucht und Scham zerfressen aus dem Uhrenschrank heraus zusehen müssen, wie die anderen lustig mit- und übereinander her hüpften. In ihm stritten Unsicherheit und Gier in solchem Maße, dass es fast einem Pulverfasse gleichkam. Es konnte sich während des ganzen Treibens nicht von der Stelle rühren.

 

Deshalb verriet es auch die anderen bei der Alten, als diese am folgenden Abend zurückkam. Diese tobte, nannte die armen Zicklein undankbare Schlampen, die ihre Ehre so schändlich durch den Schmutz zögen, sie vor aller Welt erniedrigten und fiel schlussendlich vor lauter Entrüstung hintüber in den Brunnentrog, wo sie wegs ihrer eigenen schweren Sünden, die wie Steine in ihrem Unterleib drückten, zur Erleichterung Aller auch sogleich unterging und jämmerlich ersoff.

 

Jedoch erkannten die Ziegen die Not der jungen Verräterin und verziehen ihr. Der geile und unterdessen immer noch putzmuntere Wolf versprach, mit ihr besonders zart und vorsichtig in die Gefilde der Lust vorzudringen und sie wars so erleichtert, dass sie bald schon mit in die Freudentänze der anderen einfiel. Manche Zungen behaupten, dass sie so ausgelassen gewesen seien, dass sogar das Rumpelheinzchen zu ihnen stieß und lustig mit ihnen bis zum Morgengrauen ums Feuer stob.

 

In der allseits bekannten Fassung des Märchens ist der Einfluss mehrerer plagiatsvorwurfsvoll, katholoner Frauenverbände für den aufgeklärten Bock von heute nicht unschwer zu erkennen, steht doch hier wieder einmal die Mißgunst und verschämte Doppelmoral der "Zu kurz Gekommenen" dem sittlichen Ansinnen speichelleckend Pate. Könnten sie damit zufrieden sein, wenigstens ab und an und kurz zu kommen, müssten sie dem Rest der Erdbevölkerung nicht immer wieder moralinsauer ins Leben pfuschen.

 

 

 

 

 

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Entzauberte Märchen Nr.7 Rapunzel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ruckzuckola oder die wahre Geschichte von Rapunzel Tranfunzel

 

Rapunzel, die Tranfunzel, die wegen ihres Drogenkonsums jahrelang im Wehrturm ihres Vaters, des Grafen Peterle von Rucola verbringen musste, war ein willenloses Ding. So stahl sie sich allzuoft aus ihrer Kaminate im elterlichen Schloss, um sich mit dem Dorftrottel Bon Schur, den Sohn des Schafhirten in Kräuterweibleins Garten zu treffen und sich von der Alten, die aus dem fernen Gallien aus dem ehrwürdigen Geschlechte derer von Cana- Bisou stammte, die Kräuterkunde nahebringen zu lassen und im faltenfreien Rollen von allerhochwohlfeinstem Rauchgras zu üben; dem Päpern, das heute übrigens bekifflich( besufflich, begrifflich ) für eine ganz andere Disziplin herhalten muss. An und für sich hatte ihr Vater nichts dagegen einzuwenden, denn er begrüsste es, dass sein träges Töchterlein Rosamund Shilum Erika Marie endlich überhaupt irgendein Interesse zeigte. Im Gegensatz zur bekannten Version des Märchens, in dessen Handlung wieder einmal gefinitief außer dem Rechtschreibung des ganzem krassen Scheissendrack von dem bösem Hexen - stopp - Moduswechsel - start - , in dem wiedereinmal / wieder einmal / wieder ein Mal eine Hexe für die Unzulänglichkeiten des Menschen im Allgemeinen und speziell derer von Adel herhalten muss - im Gegensatz dazu war Rosushi Lummerle, wie sie von ihren Freunden genannt wurde, wirklich ein stinkefaules Mädchenzimmer.

So geschah es eines nebligen Morgens, dessen undurchdringlicher Nebel aber nur im Kopfe der Prinzessin verbürgt ist, dass sie zum wiederholten Male völlig verschlafen und ungekämmt in des Vaters Thronsaal einlief und in ihrem Tran, statt den Vater auf die gräfliche Wange, den Bischof aufs Hinterteil küsste. Dieser war gerade im Begriffe gewesen, ihrem Vater zu zeigen, dass er bereit und Willens sei, überall, selbst im Staube des Thrones nach Gott zu suchen. Wegs der fehlenden Buchsen unter dem Rocke und der täglich selbstverordneten Selbstzucht geschuldeten hochroten Farbe des so befreiten Hinterteils, verwechselte sie dieses mit den schamgeröteten Wangen ihres Vaters. Der geistliche Würdenträger geriet ob dieser hauchzarten doch unerhörten Berührung so aus dem Häuschen, dass er sich mit glänzenden Augen dem Grafen erbot, Rosamund sofort und dringend in seinem Konvent den nötigen Schliff zu verpassen. So gebat es des Anstands und um seines Blutes Kind dem lüsternen Händen des Bischofs zu entreissen, dass der Graf sein missraten Kind standesgemäß bestrafe.

Gesagt, getan. Er befahl der Maid, ihr Kleid zu raffen und solange im Wehrturm zu verbleiben, bis sie zur Strafe all die zweihundertfünfundachzig Stufen bis zum Kämmerchen aufs glänzendste geschrubbt habe. Die Türe an dessen Fuße ließ er mit dicken Bohlen vernageln, auf dass sie nicht wieder in Kräuterweibleins Garten davonstahl. Am ersten Tage nutze die Maid nach dem anstrengenden Aufstieg die Zeit, um sich ihren Rausch auszuschlafen. Es ist ein alter Zopf, dass es nicht ihre Haare waren, die sie herabließ, sondern ein altes zerschlissenes Hanfseil. Der Verfasser muss gestehen, dass dieses allerdings aufs Verblüffenste ihren verfilzten Haaren glich und es so kein Wunder sei, dass die Nachwelt es zum allseits bekannten Symol herauf stilisierte.

Der Ruf: Rappel dich auf, lass dein Haar herunter! wurde zu: Rapunzel lass dein Haar herunter.

Dass es etwas mit der heute verbreiteten Abart des Minnesangs Rap zu tun hätte, ist trotz der verfilzten Haarpracht der dazu aufs niedlichste hüpfenden Barden eher zu bezweifeln.

Anfangs gedacht, den Putzeimer herab zu lassen, um frisches Wasser herauf zu ziehen, verfiel sie rasch auf die Idee, dieses auch für ihren Nachschub an Rauchgras zu nutzen. Je mehr sie dieses tat, desto weniger Wasser kam in besagten Eimer oben an.

Und so wurde sie bald vergessen.

Als die Dornen den Turm schon fast bis zu ihrem Fenster emporgeklettert waren, ließ der Graf diese von Bon, der inzwischen vom Bock zum herrschaftlichen Gärtner aufgestiegen war, mit scharfer Klinge entfernen, das Töchterlein herausholen und waschen und sie dann mit Graf Koks von Crackingen vermählen. Damit die liebe Seele Ruh hat! Dieser war von der Sachkenntnis seiner Braut so angetan, dass er sogleich befahl einen Garten und eines dieser neumodischen Glashäuser zu bauen. Die Qualität der so erzeugten Rauchgräser überzeugte so, dass selbst Boten von Herrschern aus dem Morgenlande kamen, um die Gärten zu besichtigen. Selbst die Kiffhäuser machten ihnen des öfteren ihre Aufwartung und sie wurden von Ernte zu Ernte reicher.

Der Barde, der zur Zeit des berosdornten Turmes am Hofe des Grafen weilte, ist im Übrigen der Urheber eines Minnesangs, der in späteren Jahren zum Märchen von Dornröschen wurde.

Doch das ist schon wieder eine neue Mär.

 

 

 

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Entzauberte Märchen Nr.6 Ascherbuddel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Entzauberte Märchen Nr.6 Ascherbuddel

Lang bevor die Gebrüder Grimm mit den Geschwistern Klitschko und der Kellyfamily die Abende bei Wein, Weib und Gesang verbrachten, gab es schon ein Märchen nahmens Maschenhuddel. Es handelte von der Maid, die die Laufmasche, sowie gleich dazu den Steg erfand und so die Stammmutter von Heidis Klumpfussens Trippelsoap wurde. Doch das ist trotz des Trippelns eine andere Geschichte.

Auch von Laschenknuddel, der Hure aus Bottrop mit den flinken Fingern, die ihre Freier nicht nur äußerst geschickt von dem akuten Überdruck im vorderen Teil ihrer Beinkleider erlöste, sondern auch vom Druck des dicken Geldbeutels auf den abwärts ziehenden Strang des Nervus Ischiasus nervii aua, ist hier mitnichten die Schreibe.

 

Aschenputtel, die stets als Vorweibsbild genommen wird, wenn es darum geht, unter vielen Fehlern, den zu finden, der am meisten Spass macht und die Seele nährt, hat sich und ihre Geschichte sozusagen selbst erfunden. Wie schon erwähnt, waren die Märchenerzähler es eines Tages leid, die unendlichen Geschichten von Ringen, deren braven Hütern und immer einen Schritt zu spät kommenden Jägern zu erzählen. Im Laufe der unzähligen Flaschen und Buddeln, wie die Nordlichter unter ihnen auf einem Treffen die meist aus Glas bestehenden Behältnisse, gefüllt mit Flüssigphantasie und Schlundfeuer nannten, ergab es sich, dass Brad Pittbull, der Erfinder des Märchens von der Titanic, erklärte, dass es kein Wunder sei, dass fast nur Frauen und Kinder in der Erzählerzunft Zelte erschienen. Diese andauerne, aufs widerlichts hinterrücks verbrämte Ringdrohung musste die Männer ja in andere Arenen wie Fußballstadien oder Boxringe treiben. Beim Boxen war es die männliche Version des Rings und keine versteckte Moralpredigt der Weibsleut. Sozusagen ein gelungener Boxenstopp.

 

Es folgte eine lange Diskussion, unter anderem auch mit der Wirtin, die seit Lebzeiten die Ascher der Männer leeren musste und die leeren Buddeln gegen volle wechseln durfte. Sie widersprach den anwesenden Herren aufs Heftigste und drohte sie zukünftig des Hauses zu verweisen, wenn sie weiterhin solchen Stuss von sich gäben und sich allabendlich, statt sich in die Grube zu entleeren, in die Kräuterrabatten zu kotzen und zu pissen. Schließlich waren es die Brüder Grimm, die im übrigen als einzigste des Schreibens mächtig waren, die sie beruhigten und ihr versprachen, zwar ein ringfreies aber nichtsdestotrotz frauenfreundliches Märchen zu schreiben.

Ihr zu Ehren nannten sie dieses Ascherbuddel, was auch schon lange ihr heimlicher Kosename für die resolute Wirtin war. Daraus ergaben sich einige sprachliche Abwandlungen, bis sich vor nicht allzulanger Zeit der Name Aschenputtel herauskristallisiert hat, unter dem die Geschichte auch uns und unseren Kindern heute bekannt ist.

 

Das Leitsymbol war schnell gefunden, denn selbst der betrunkenste Mann erinnert sich an das, was Frau nie genug haben kann und sie reihenweise in Begeisterung zu versetzen vermag: Schuhe! Das Drama war genauso schnell gefunden: Der fehlende Schuh!

Die Missgunst der Frauen untereinander, die im Verbund gegen die Männer zwar schnell verschwistert, jedoch sich untereinander im Allgemeinen spinnefeind und intrigös, ward durch den unpassenden Schuh, das Schönseinwollen auf "Teuflin komm raus" auch unter Schmerzen und Blut aufs trefflichste eingeflochten und durch die jungfräuliche Seelenreinheit der Magd geschickt abgemildert. So konnte sich ein jedes Weibsbild leicht in ihr finden und Alles ansonsten weibliche, das ihr zu Schaden gereichen konnte, den anderen Frauen zuschreiben. Der Prinz und die Hochzeit, so wurde einstimmig beschlossen, sollte dem Weibervolk belassen werden.

 

Dass die Rechnung der Erzähler aufging bewies die Reaktion der Wirtin, die sich sehr wohl in den Beschreibungen der missachteten Kreatur fand, jedoch die Ironie des dahinter versteckten Frauenbildes nicht bemerkte. Im Gegentum: Sie war so begeistert ob des ihr gewidmeten Märchens, dass die Runde ab da an zeitlebens die jeweils erste und letzte Runde bei ihren Treffen im Wirtshaus frei hatte.

Auch die Männer kamen nun wieder in größerer Anzahl zu den Märchenerzählern, da sie die dem Manne aus zugegeben feigem aber durchaus nötigen Selbstschutz seit Jahrtausenden innewohnende versteckte Ironie dem Weibe gegenüber instinktiv erkannten. Nur Taub(e)sein war hifreich, wenn Prinzesschen den Prinz im Manne nicht zu erkennen vermag.

 

So mag das Hauptthema im Vordergrunde die Schwierigkeit sein, den allzu seltenen Prinzen unter all den Fröschen zu finden und ihn vor den unzähligen Konkurentinnen raffiniert zu erobern. Doch dahinter steht der moralische Zeigefinger, der von jedem Weibe verlangt, ein sittsam Leben zu führen, bescheiden und rein, damit der zukünftige Gemahl, der dann in jedem Falle Prinz sein darf, sein Wohlgefallen an ihr habe. Er erlöst sie aus ihrem Elend und führtet sie aus trauriger Demut und Asche zum Glück. Die Buddel (Puttel) kommt früher oder später, so er den vorköniglichen Status verliert, wieder ins Spiel. Versprochen!

 

 

 

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Entzauberte Märchen Nr. 5 Rumpelstilzch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Entzauberte Märchen Nr. 5 Rumpelstilzch

 

 

Es war einmal ein Bauernmädchen, das hatte Augen wie Mandelkern, Knödel wie ein Pornostar und bediente im - Gott hab ihn selig - Wienerwald München Abend für Abend die geistige Elite der bayrischen Maßstemmer.

Nicht dass sie ihre Arbeit ungern gemacht hätte, doch der fesche Koch Heinz verlor ob ihrer Schönheit immer wieder die Kontrolle über seinen Kochlöffel. Mindestens dreimal die Woche drängte es ihn und deshalb er sie, mit ihm in die Rumpelkammer zu gehen, um zu schauen, wo der Babbes den Moschd herholt. Da München und Meenz zwar den gleichen Anfangsbuchstaben besitzen, aber ansonsten sich nicht einmal die Buchstaben in ihrer Aussprache im Entferntesten ähnelten, war es schon zu spät, wenn das Mädel bemerkte, dass das Rumpelstilzchen wieder einmal Einlass begehrte. Allerdings war ihr der Tanz nicht unangenehm, machte er ihr gar flammendrote Fleckerl auf die ansonsten blassen Wangen und ließ ein Riesenfeuer in ihrer Mitten toben und züngeln.

So blieb es nicht aus, dass ihr Vater eines Morgens die Augenbrauen fragend hob, da ihr das Frühstücksei stante pede wieder aus dem hübschen Gesichte fiel. Groß ward ihre Not, der Kopf wurd fast so feurigrot als in Rumpelstilzchens Kammer beim heißen Tanze.

Doch flugs fiel ihr die rettend Ausred ein. Nicht dass sie den Samen in ihrem Leib leugnete. Nein, sie dichtete ihn dem von allen gefürchteten Amtsrat Alois Pimperlhuber an, der meist die Schenke des Nachts als Letzter verließ und den sie des öfteren schon, vom Wirt geschickt, bis vor dessen Stadthaus gestützt hatte. Trunken war er eigentlich ein angenehmer Geselle, immer einen Schwank auf den Lippen, doch tagsüber Doktor Penibel in Person. Rechthaberisch und jähzornig noch dazu. Ohn jedwed fachlich begründet Elementarkenntnis irgendeines Paragraphen ritt er so Zeit seines Lebens den Bürgern der ansonsten humorigen Stadt so auf dem Nervenkleide herum, wie es sein garstig Eheweib daheim mit ihm wohl zu exerzieren beliebte. Da konnte es sein, dass sogar seine eigene Verwandtschaft zu Kreuze kriechen musste, um bei einer von ihm vermuteten Verfehlung, nicht aufs Drakonischte bestraft zu werden.

Ihn zum Schwiegersohne zu haben, was in Anbetracht des Zustandes seiner Tochter unumgänglich schien, war so ein abscheulicher Ausblick in die Zukunft, dass dem Vater nur ein entsetztes "verdammte Hundekacke"entfuhr und er hocherfreut war, als das verzweifelte Töchterlein vorschlug, nicht den alternden Geistesalbino zu ehelichen, sondern den unter dem Kleide heranwachsenden Balg dem etwas liederlichen, doch immerhin feschen und jüngeren Koch Heinz unterzuschieben.

Gesagt, getan. Der erleichterte Vater gewährte ihr Dank ihres ihn ungemein entlastenden Vorschlages eine durchaus ansehnliche Mitgift, und ihr Rumpeheinzchen stieß sie des Nachts weiterhin so oft gen Feuer, dass ihre Wangen bis weit nach der Empfängnis ihrer sieben Kinder immer und immer wieder begeistert rot wurden. So ward aus Angst vor einer unerwünschten Bierdeckelverwandschaft aus erwartet Not dank ihres Geistesblitzes doch letztendlich ansehnlich Lebensfreud geworden.

Dass sie ihren Kindern des Abends: Ach wie gut, dass niemand weiß , dass ich Rumpelstilzchen heiß" vorsang, bleibt wohl auf ewig eines der meistgeliebtesten Gerüchte, die je in Umlauf gesetzt wurden.

 

 

 

 

 

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Entzauberte Märchen Nr.4 Max und Moritz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es waren da noch Max und Moritz.

Eigentlch waren die gar nicht so böse und ungezogen. Sie waren auch keine Brüder.

Nein.

Sie waren schwul.

Damals gab es so etwas wie ein Coming Out noch nicht. Außerdem konnten die Zwei zu der Zeit sowieso kein Englisch.

Sie wären also die ersten gewesen.

Dass sie diese ganzen Streiche gespielt haben, liegt einfach daran, dass alle Welt sie ausgelacht hatte, nachdem sie eines Tages händchenhaltend durch Wanne Eikel liefen. Dass das Männer auch tun, hatten sie zuvor in Lehrer Lämpels Bibliothek gesehen. Es waren arabische Männer gewesen , die wie selbstverständlich Hand in Hand durch einen Basar schlenderten.

 

In den Tagen danach grinsten erst alle blöde, wenn sie sie sahen. Tuschelten, wenn sie zusammen an einer Häuserecke standen. Oder sie riefen ihnen gar zotige Sprüche hinterher.

Lehrer Lämpel, der ihnen bislang allzu gerne übers feine Haar gestrichen hatte, wenn er neben ihrem Pult stand und ihnen über die Schulter schaute, rührte sie seit dem Tage nicht mehr an und gab ihnen regelmäßig schlechtere Noten als ihren Klassenkameraden.

Witwe Bolte, die ihnen bislang auf dem Schulweg immer etwas Süßes zugesteckt hatte, weil sie ihr ab und an halfen, da ihr der Mann im Hause doch sehr fehlte - Witwe Bolde verschloss Haus und Hof, ja sogar die Fensterläden waren dicht, wenn sie nun von der Schule nach Hause liefen und an ihrem Grundstück vorbei kamen.

Sonntags war es ihre Aufgabe frisches Brot und Wecken beim Bäcker zu holen. Dieser ließ sie nun warten, bis alle anderen gegangen waren und oft mussten sie deshalb unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen, wo sie der schmerzende Stock des Vaters erwartete.

Wen wundert es, dass diese Beiden für ihre Mitmenschen immer weniger zu erreichen waren? Wer gönnte ihnen da nicht die einzige Möglichkeit, noch etwas Spaß zu haben? Wer würde nicht auf Rachegedanken kommen?

 

Das unrühmliche Ende ist übrigens wie in vielen Fällen dem Wunschdenken ihrer ungnädigen Mitmenschen entsprungen und entbehrt jeglicher Grundlage.

 

Als sich niemand mehr mit ihnen abgeben wollte, starteten sie die allseits bekannte Aktion Streiche und packten dann ihr Bündel, um nach Amerika auszuwandern.

Dort wurden sie bei der Einreise von dem Zollbeamten Christopher Street seeehr genau kriminaltechnisch untersucht und siedelten sich danach mit seiner Hilfe in New York an. Unbestätigten Gerüchten zufolge trafen sie dort auch Gay Pride und Mardi Gras und eröffneten in einem Hinterhof die erste Schwulenbar der Vereinigten Staaten.

 

 

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