Entzauberte Märchen Nr.11 Kothäppchen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Manche Märchen waren in ihrer Ursprungsschüssel, öhm Ursprungsfassung  so unappetittlich, dass der Märchentante beim Erzählen fast der Mieder platzte.

Eines davon war Kothäppchen, das sich als junges Ding, wie sie es damals war, vom aufregend wilden Wolf hinters Gebüsch locken ließ und nach dem Glockenläuten in ihrem Vesperkorb nur noch ellenlange Schachtelsatzfäden und einige dampfende Kotbällchen der Karnickel vorfand, die sich im Schutze der weithin hörbaren Brunft angeschlichen und all die Köstlichkeiten aufgefressen hatten, die sie der bettlahmen Großmutter bringen sollte.

"Poppen kann der Wolf wie`s Tier," dachte sie danach wohlig erschöpft und erhitzt, "nur die Zähne könnte er sich mal putzen!"

Eigentlich merkte sie den Mundraub erst, als sich die Großmutter schon die Hälfte der seltsamen Kügelchen aus ihrem Korb einverleibt hatte und so grässlich aus dem zahnlosen Maul stank, dass die Maid glaubte,  auch diese hätte den Wolf geküsst.

Wie auch immer, die Großmutter überlebte dank der einwandfrei nachweisbar biologisch veganen Herkunft der biologisch abbaubaren Köttel ohne Geschmacksverstärker und Kotzervierungsmittel diesen Anschlag auf ihre,  im übrigen schon ziemlich tauben Geschmacksnerven ohne Folgeschäden. Ihren Spitznamen konnte das Mädel recht einfach wieder ändern, da die Aussprache der ihr nun von jedem Wegesrand daherlästernden Langohren sowieso hasenschartenmäßig unverständlich war und im Übrigen die Farbe ihres weithin sichtbaren Käppchens ein Übriges tat.

Den Wolf traf sie danach immer wieder, doch sie spann die ellenlangen Schachtelsätze zu feinster Zahnseide und brachte ihrem tierisch wilden Geliebten ein Tübchen vom Bader Blenda Met aus Zahnlando mit. Die Portokosten sparte sie, da sie die Paste mit in den Schuhkarton packen ließ.

So rochen alsbald Wolf und Großmutter wieder frisch und unverbraucht und bald schon fragte sich das Rötkäppchen, wie sie nun gerufen wurde, ob das wohl Wackersteine seien, die da in ihrem runden  Bäuchlein kollerten?

 

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Entzauberte Märchen Nr.10 Heinzelnervchen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heinzelnervchen

 

 

Wieder einmal wachte der Schneider zu Kölle des Nachts um vier Uhr beim Geläute der Domglocken auf, spähte in sein Atelier und alle Aufträge der kommenden Woche waren schon fast piccobello fertig genäht. Manche sogar schon gebügelt.

Gähnend stand er in der Türe seiner Werkstatt und verharrte dort minutenlang. Wenn seine Beinmuskeln einen Befehl bekämen, führten sie ihn sofort aus. Doch da kam Nichts. Kein Befehl keine Bitte, kein allerleisester Impuls. Es war, als ob Scham oder Schmerz ihn von einer Sekunde zur anderen lahmgelegt hätten. Kraftlos und leer fühlte er sich.

Doch ein Mangel an Kraft war es nicht. Eher im Gegenteil. Seit Monaten hatte er sie zurückhalten müssen. Könnte man sie in ein Gefäß füllen, würde der Weinkeller des Bischofs mit all seinen Riesenfässern nicht genügen, all seine ruhenden Kräfte aufzunehmen. Seit Monaten brauchte er keinen Strich und keinen Stich mehr zu tun in seiner Schneiderei.

 

Schuld daran waren diese Heinzelmännchen. Sie schnitten und nähten und bügelten die ganze Nacht hindurch. Warum sie das taten, wusste er nicht. Wenn er fragte, schauten sie nicht einmal auf; sie stachen einfach weiter mit der Nadel in das Gewebe und taten so, als sei er gar nicht da.

 

Bodenlose Langeweile beherrschte nun seine Tage. Das Einzige, was ihm zu tun übrig blieb, war das Annehmen der Aufträge und das Einkaufen der Stoffbahnen und Knöpfe, Zwirn und Futter.

Doch das war schnell erledigt und danach blieb ihm nur das Vortäuschen wichtiger Außentermine, um nicht täglich von seiner geschwätzigen Frau zum Kartoffelschälen und Leintüchermangeln gerufen zu werden. Es war ein Elend. Er,  der er mit einer Engelsgeduld bis spät in die Nacht geduldig Stich für Stich an einem Hochzeitskleide für den nächsten Tag sitzen konnte,  der seinen Beruf schon immer mit Hingabe und Liebe ausführte, verwandelte sich langsam in ein antriebsloses Nichts.

 

Anfangs schien es die Erfüllung aller Wunschträume, schien die Verheißung von Reichtum und Wohlleben zu sein. Die kleinen Helfer brauchten Nichts , außer ihre Ruhe und genügend Material, damit sie die bestellten Kleider aufs sorgfältigste anfertigten. Sie wollten keinen Lohn, keine Nahrung. Er musste sie nie, wie vormals seine nicht immer fleißigen Gesellen und Lehrbuben, mit Zuckerbrot und Peitsche antreiben. Es schien das Paradies.

Wie gesagt, die ersten Tage nur, doch dann wurden sie von Woche zu Woche mehr zur Plage. Zumindest für ihn. Denn seine Frau hatte für seine neuerlichen Gemütsschwankungen kein Verständnis. Sie träumte schon von einem größeren und komfortableren Haus in vornehmerer Gegend.

 

Als endlich der Befehl kam, waren es nicht die Beine, es waren Zeigefinger und Daumen der rechten Hand, die sich um das Rädchen legten und die Flamme so schnell höher drehten, dass er es sich nicht mehr anders überlegen konnte.

 

Wenn jetzt noch seine Frau ihre schamlose Drohung wahr machte und mit dem Stoffhändler durchbrannte, könnte er Ludmilla, die Magd....

 

In diesem Falle wäre er schon Morgen wieder ein ganz neuer Mensch!

 

 

 

 

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Entzauberte Märchen Nr.9 Frau Holle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frau Holle

 

Die Frau, die den gnädigen Mantel des Schweigens über mißlungene Nächte ohne Liebreiz legt, war schon zu alten Zeiten Frau Holle. Still und friedlich wird es, wenn sie die Decken ausschüttelt. Jungfräulich wirkt die Welt, wenn sie den Schnee wie zarte Watte übers Land legt. Und kalt. Kalt in den Herzen und zwischen den Gebeinen der Eheleut. Stumm und kalt.

 

Schuld daran ist jedoch nicht sie. Früher genauso wenig wie heute.

Schuld sind auch nicht die Eheleut in ihrer Schmach. Nicht die weinenden Kinder, die ihnen die wenigen Nächte der ehelichen Lust solange unterbrechen, bis sie selbst diese seltenen Gelegenheiten ungenutzt verstreichen lassen. Schuld ist Niemand.

 

Der stirnrunzelnde Leser liest richtig. Niemand.

Aloisia Luise Niemandibularis-Brechreiz zu Woolworth Heumagen.

Kurzform: Niemand!

 

Und das kam so: Als eines Tages eine selbstgefällige Mutter ihre fleißige und überaus reizvolle Tochter an des Metzgers Sohn verheiratete, um ihrer zweiten, wie sie eingebildeten, doch weit weniger herzigen und schönen Tochter die Partie mit dem Sohn des Stadtkämmerers zu sichern, rechnete sie nicht damit, dass die holde, scheinbar unvorteilhaft bedachte Jungfrau mit dem Metzgersohn durchaus mehr als zufrieden war.

Denn diese Beiden hatten sich schon geraume Zeit allabendlich unter dem Hollerbusch hinter dem Stall getroffen und heiße Küsse ausgetauscht. Der Metzgersohn küsste nämlich ohne H und wie ein junger Gott! Nie hätten sie es sich zu träumen gewagt, dass die ehrgeizige Mutter einer ihrer Töchter die Heirat mit einem einfachen Dorffleischer erlauben würde.

 

Ihre Freude und Lust kannte keine Grenzen und sie liebten sich so heftig in der Hochzeitsnacht, dass die Federbetten platzten und der Hollerbusch, unter dem sie sich einst nur scheu küssen durften, nun unter ihrem Schlafgemach lag und am Morgen nach der Vermählung mit weißen flauschigen Federn überzogen war. Manche sagen, dass ein Teil Federn rot gewesen sei. Doch das lag wohl nur daran, dass des Metzgersohnes Mutter die Federn schon vor Sonnenaufgang aus dem Blutwursttrog wischte, der am Brunnen neben dem Hollerbusch lehnte, bevor sie diesen mit frischem Wasser auswusch.

Wahr ist, dass die glückliche Maid von ihrem jungen Manne in solch unglaubliche Fleischeslust getragen wurde, dass ihr Hören und Sehen verging und ihr danach war, als ob sie gerade aus den tiefsten Tiefen eines Brunnens aufgetaucht war. Für sie und ihren neugebackenen Mann jedesmal aufs Neue ein Jungbrunnen wie er im Buche steht.

 

Doch für ihre Schwester, die nur zwei Häuser weiter missmutig und schroff ihre Kammerzofe zurecht wies, wenn diese die strohigen Haare ihrer Herrschaft Knoten für Knoten lösen musste, war das Glück der Schwester ein wachsendes Ungemach. Vom rüpelhaften Sohn des Kämmerers im Schlafgemach zugunsten einer Mätresse verschmäht, wusste sie sich keinen Rat und stürzte sich eines trüben Herbstmorgens in den Brunnen und ward nie wieder unter den Lebenden gesehen.

 

Das kam daher, dass gerade am vorigen Abend Freifrau Aloisia "Fielnam" Niemand ihre Brille vergessen hatte und die leeren Säcke der vom Metzger zu schlachtenden Hühner statt in ihren Handkarren in den Brunnentrog warf und ohne ihre Augengläser nicht mehr wiederfand. So versank die von ihrer Mutter zum luxuriösen Unglück Gezwungene beim Sturz unter das Sackleinen. Sie wurde erst gefunden, als im Sommer der Wasserspiegel so weit sank, dass der Metzgermeister die seltene Chance nutze, um mit einer Holzleiter hinab zu steigen, um den Brunnengrund von Unrat zu befreien.

 

Da Frau Niemand nicht einer Bluttat bezichtigt werden wollte, die sie nicht begangen hatte, verwob sie die bekannten Tatsachen mit den umhergeisternden Gerüchten um die beiden Schwestern und hieß ihren Schreiber, dies nieder zu schreiben. Zum Beweis fügte sie Bilder des federüberzogenen Hollerbusches samt dem darüberliegenden Fenster hinzu. Schon bald wurde die erstaunliche Geschichte von den Minnesängern, den Papagallos und Sensationsreportern dieser Zeit, in alle Thronsäle des Kontinents getragen und fand so - Niemand sei Dank - Eingang in die reiche Märchenwelt unserer Vorfahren.

 

 

 

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Entzauberte Märchen Nr.8 Der Wolf und die sieben Geißlein

 

 

Der geile Wolf und die sechs und ein Geißlein

 

 

Es war einmal eine blöde Ziege, die diktatorisch über ein Kinderheim tief im Gebirge herrschte. Eigentlich war es ursprünglich einmal ein Kinderheim gewesen, doch die Mädchen waren allesamt schon einiges über den Jahren, in denen nicht nur ihre Triebe munter zu sprießen beginnen und sie zwischen melancholischem Puppenspiel oder jugendlichem Großkotz wechselten wie die Regierungen heutzutage ihre Minister. Zuweilen, wenn die Alte aus dem Hause ward, denn sie musste des Öfteren omanöse, dringende Geschäfte erledigen, versammelten sich die Mädels am PC der verhassten Aufseherin und loggten und lockten sich in das Netz ein, um dort in Erfahrung zu bringen, was die Alte ihnen von der großen weiten Welt vorenthielt.

Anfangs noch waren es Kochrezepte und Bilder des Prachtrammlers vom Gammelbauern aus Poppenhausen, der in jenem Jahr, den Zuchtoscar der Kleintiergilde gewann, doch irgendwann landeten sie in einem Chatroom einer größeren Kupplerseite. Weibohweib konnten sie da prächtige junge Böcke sehen. Mit und ohne Bart und/oder Schwanz, geschoren oder natur, wie es das Herz eines jeden Zickleins höher schlagen lässt.

Und eines Tages, die Blöde Ziege war wieder einmal auf einer ihrer immens wichtigen Sauftouren durch die Nachbardörfer, und ihr Auftauchen war frühestens nach dem Wochenende zu erwarten,

schrieb ihnen ein Prachtkerl mit Nicknamen Geiler Wolf und bot ihnen großzügigste und liebenswürdigste Hilfe in allen Lebenslagen und Stellungen dar, so dass sie vor Schreck erst einmal den Computer ausschalteten und zur reinigenden Sühne das Haus aufs Vorbildlichste bis in den letzten Winkel putzen. Nur den Bildschirm ließen sie staubig wie er war, denn dies hätte der Aufseherin wohl seltsam gedünkt, so man den Dreck erst sehen konnte, wenn Bilder ihn erhellten.

Doch wie der geneigte Leser leicht erraten kann, ließ der Anblick des geilen Wolfes die Zicklein nicht mehr los und eine jede von ihnen schwelgte und litt des Nachts schon vor dem Traume an furcht- und bar eregenden Phantasien. Wenn erst einmal die Biene summt, sind die Blüten nicht mehr weit, hätte dazu schmunzelnd Pater Runzloff Bigott gepredigt und ihnen dabei dabei augenzwinkernd mit dem Mittelfinger gedroht.

Es kam also das nächste Wochenende und der gewohnte Ausflug der Blöden Ziege zum Gailthaler Almfickerl.

Kaum war die Alte nach ihren halbherzigen Ermahnungen, bloß kein Mannsbild in ihre keuschen Hallen zu lassen, aus dem Hause, stürzten die Mädels an die Mattscheibe und holten sich das Bild des schmucken Bockes vor die ungeduldigen Äugelein. Wie jubelten sie, dass er ihnen ihre Flucht nicht übelgenommen hatte und ihnen Tag für Tag neue, immer verwegenere Zeilen schrieb. Als er ihnen ankündigte, dass er am folgenden Wochenende zu ihnen auf Besuch kommen würde und ihnen genaueste Anweisungen gab, wie sie sich auf seine Erscheinen vor zu bereiten hätten, meckerten sie aufgeregt und ängstlich durcheinander und flohen alsbald in ihre bewährte allzuweibliche Möglichkeit die Sicherheit des Alltags wieder her zu stellen: Putzen.

Diesmal rieben sie sogar die Gürtelrose und den horizontalen Silberstreif der Alten so blitzblank, dass es eine wahre Pracht und Freude war.

Ihre Bewacherin wähnte sich darob ihrer überragenden Erzieherfähigkeiten noch sicherer und ging am darauffolgenden Samstag wieder über den Berg um sich im nächsten Tale besteigen zu lassen.

Wie schon aus dem volkstümlichen, stark veränderten Märchen bekannt, erlangte der Wolf nun freudigen Einlass und die Orgie hätte neben einem lustvollen Verlauf auch ein süßes Ende nehmen können, wäre eines der Zicklein nicht prüder gewesen, denn die anderen Sechse. Es hätte nicht dem Treiben von Neid, Eifersucht und Scham zerfressen aus dem Uhrenschrank heraus zusehen müssen, wie die anderen lustig mit- und übereinander her hüpften. In ihm stritten Unsicherheit und Gier in solchem Maße, dass es fast einem Pulverfasse gleichkam. Es konnte sich während des ganzen Treibens nicht von der Stelle rühren.

 

Deshalb verriet es auch die anderen bei der Alten, als diese am folgenden Abend zurückkam. Diese tobte, nannte die armen Zicklein undankbare Schlampen, die ihre Ehre so schändlich durch den Schmutz zögen, sie vor aller Welt erniedrigten und fiel schlussendlich vor lauter Entrüstung hintüber in den Brunnentrog, wo sie wegs ihrer eigenen schweren Sünden, die wie Steine in ihrem Unterleib drückten, zur Erleichterung Aller auch sogleich unterging und jämmerlich ersoff.

 

Jedoch erkannten die Ziegen die Not der jungen Verräterin und verziehen ihr. Der geile und unterdessen immer noch putzmuntere Wolf versprach, mit ihr besonders zart und vorsichtig in die Gefilde der Lust vorzudringen und sie wars so erleichtert, dass sie bald schon mit in die Freudentänze der anderen einfiel. Manche Zungen behaupten, dass sie so ausgelassen gewesen seien, dass sogar das Rumpelheinzchen zu ihnen stieß und lustig mit ihnen bis zum Morgengrauen ums Feuer stob.

 

In der allseits bekannten Fassung des Märchens ist der Einfluss mehrerer plagiatsvorwurfsvoll, katholoner Frauenverbände für den aufgeklärten Bock von heute nicht unschwer zu erkennen, steht doch hier wieder einmal die Mißgunst und verschämte Doppelmoral der "Zu kurz Gekommenen" dem sittlichen Ansinnen speichelleckend Pate. Könnten sie damit zufrieden sein, wenigstens ab und an und kurz zu kommen, müssten sie dem Rest der Erdbevölkerung nicht immer wieder moralinsauer ins Leben pfuschen.

 

 

 

 

 

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Entzauberte Märchen Nr.7 Rapunzel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ruckzuckola oder die wahre Geschichte von Rapunzel Tranfunzel

 

Rapunzel, die Tranfunzel, die wegen ihres Drogenkonsums jahrelang im Wehrturm ihres Vaters, des Grafen Peterle von Rucola verbringen musste, war ein willenloses Ding. So stahl sie sich allzuoft aus ihrer Kaminate im elterlichen Schloss, um sich mit dem Dorftrottel Bon Schur, den Sohn des Schafhirten in Kräuterweibleins Garten zu treffen und sich von der Alten, die aus dem fernen Gallien aus dem ehrwürdigen Geschlechte derer von Cana- Bisou stammte, die Kräuterkunde nahebringen zu lassen und im faltenfreien Rollen von allerhochwohlfeinstem Rauchgras zu üben; dem Päpern, das heute übrigens bekifflich( besufflich, begrifflich ) für eine ganz andere Disziplin herhalten muss. An und für sich hatte ihr Vater nichts dagegen einzuwenden, denn er begrüsste es, dass sein träges Töchterlein Rosamund Shilum Erika Marie endlich überhaupt irgendein Interesse zeigte. Im Gegensatz zur bekannten Version des Märchens, in dessen Handlung wieder einmal gefinitief außer dem Rechtschreibung des ganzem krassen Scheissendrack von dem bösem Hexen - stopp - Moduswechsel - start - , in dem wiedereinmal / wieder einmal / wieder ein Mal eine Hexe für die Unzulänglichkeiten des Menschen im Allgemeinen und speziell derer von Adel herhalten muss - im Gegensatz dazu war Rosushi Lummerle, wie sie von ihren Freunden genannt wurde, wirklich ein stinkefaules Mädchenzimmer.

So geschah es eines nebligen Morgens, dessen undurchdringlicher Nebel aber nur im Kopfe der Prinzessin verbürgt ist, dass sie zum wiederholten Male völlig verschlafen und ungekämmt in des Vaters Thronsaal einlief und in ihrem Tran, statt den Vater auf die gräfliche Wange, den Bischof aufs Hinterteil küsste. Dieser war gerade im Begriffe gewesen, ihrem Vater zu zeigen, dass er bereit und Willens sei, überall, selbst im Staube des Thrones nach Gott zu suchen. Wegs der fehlenden Buchsen unter dem Rocke und der täglich selbstverordneten Selbstzucht geschuldeten hochroten Farbe des so befreiten Hinterteils, verwechselte sie dieses mit den schamgeröteten Wangen ihres Vaters. Der geistliche Würdenträger geriet ob dieser hauchzarten doch unerhörten Berührung so aus dem Häuschen, dass er sich mit glänzenden Augen dem Grafen erbot, Rosamund sofort und dringend in seinem Konvent den nötigen Schliff zu verpassen. So gebat es des Anstands und um seines Blutes Kind dem lüsternen Händen des Bischofs zu entreissen, dass der Graf sein missraten Kind standesgemäß bestrafe.

Gesagt, getan. Er befahl der Maid, ihr Kleid zu raffen und solange im Wehrturm zu verbleiben, bis sie zur Strafe all die zweihundertfünfundachzig Stufen bis zum Kämmerchen aufs glänzendste geschrubbt habe. Die Türe an dessen Fuße ließ er mit dicken Bohlen vernageln, auf dass sie nicht wieder in Kräuterweibleins Garten davonstahl. Am ersten Tage nutze die Maid nach dem anstrengenden Aufstieg die Zeit, um sich ihren Rausch auszuschlafen. Es ist ein alter Zopf, dass es nicht ihre Haare waren, die sie herabließ, sondern ein altes zerschlissenes Hanfseil. Der Verfasser muss gestehen, dass dieses allerdings aufs Verblüffenste ihren verfilzten Haaren glich und es so kein Wunder sei, dass die Nachwelt es zum allseits bekannten Symol herauf stilisierte.

Der Ruf: Rappel dich auf, lass dein Haar herunter! wurde zu: Rapunzel lass dein Haar herunter.

Dass es etwas mit der heute verbreiteten Abart des Minnesangs Rap zu tun hätte, ist trotz der verfilzten Haarpracht der dazu aufs niedlichste hüpfenden Barden eher zu bezweifeln.

Anfangs gedacht, den Putzeimer herab zu lassen, um frisches Wasser herauf zu ziehen, verfiel sie rasch auf die Idee, dieses auch für ihren Nachschub an Rauchgras zu nutzen. Je mehr sie dieses tat, desto weniger Wasser kam in besagten Eimer oben an.

Und so wurde sie bald vergessen.

Als die Dornen den Turm schon fast bis zu ihrem Fenster emporgeklettert waren, ließ der Graf diese von Bon, der inzwischen vom Bock zum herrschaftlichen Gärtner aufgestiegen war, mit scharfer Klinge entfernen, das Töchterlein herausholen und waschen und sie dann mit Graf Koks von Crackingen vermählen. Damit die liebe Seele Ruh hat! Dieser war von der Sachkenntnis seiner Braut so angetan, dass er sogleich befahl einen Garten und eines dieser neumodischen Glashäuser zu bauen. Die Qualität der so erzeugten Rauchgräser überzeugte so, dass selbst Boten von Herrschern aus dem Morgenlande kamen, um die Gärten zu besichtigen. Selbst die Kiffhäuser machten ihnen des öfteren ihre Aufwartung und sie wurden von Ernte zu Ernte reicher.

Der Barde, der zur Zeit des berosdornten Turmes am Hofe des Grafen weilte, ist im Übrigen der Urheber eines Minnesangs, der in späteren Jahren zum Märchen von Dornröschen wurde.

Doch das ist schon wieder eine neue Mär.

 

 

 

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Entzauberte Märchen Nr.6 Ascherbuddel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Entzauberte Märchen Nr.6 Ascherbuddel

Lang bevor die Gebrüder Grimm mit den Geschwistern Klitschko und der Kellyfamily die Abende bei Wein, Weib und Gesang verbrachten, gab es schon ein Märchen nahmens Maschenhuddel. Es handelte von der Maid, die die Laufmasche, sowie gleich dazu den Steg erfand und so die Stammmutter von Heidis Klumpfussens Trippelsoap wurde. Doch das ist trotz des Trippelns eine andere Geschichte.

Auch von Laschenknuddel, der Hure aus Bottrop mit den flinken Fingern, die ihre Freier nicht nur äußerst geschickt von dem akuten Überdruck im vorderen Teil ihrer Beinkleider erlöste, sondern auch vom Druck des dicken Geldbeutels auf den abwärts ziehenden Strang des Nervus Ischiasus nervii aua, ist hier mitnichten die Schreibe.

 

Aschenputtel, die stets als Vorweibsbild genommen wird, wenn es darum geht, unter vielen Fehlern, den zu finden, der am meisten Spass macht und die Seele nährt, hat sich und ihre Geschichte sozusagen selbst erfunden. Wie schon erwähnt, waren die Märchenerzähler es eines Tages leid, die unendlichen Geschichten von Ringen, deren braven Hütern und immer einen Schritt zu spät kommenden Jägern zu erzählen. Im Laufe der unzähligen Flaschen und Buddeln, wie die Nordlichter unter ihnen auf einem Treffen die meist aus Glas bestehenden Behältnisse, gefüllt mit Flüssigphantasie und Schlundfeuer nannten, ergab es sich, dass Brad Pittbull, der Erfinder des Märchens von der Titanic, erklärte, dass es kein Wunder sei, dass fast nur Frauen und Kinder in der Erzählerzunft Zelte erschienen. Diese andauerne, aufs widerlichts hinterrücks verbrämte Ringdrohung musste die Männer ja in andere Arenen wie Fußballstadien oder Boxringe treiben. Beim Boxen war es die männliche Version des Rings und keine versteckte Moralpredigt der Weibsleut. Sozusagen ein gelungener Boxenstopp.

 

Es folgte eine lange Diskussion, unter anderem auch mit der Wirtin, die seit Lebzeiten die Ascher der Männer leeren musste und die leeren Buddeln gegen volle wechseln durfte. Sie widersprach den anwesenden Herren aufs Heftigste und drohte sie zukünftig des Hauses zu verweisen, wenn sie weiterhin solchen Stuss von sich gäben und sich allabendlich, statt sich in die Grube zu entleeren, in die Kräuterrabatten zu kotzen und zu pissen. Schließlich waren es die Brüder Grimm, die im übrigen als einzigste des Schreibens mächtig waren, die sie beruhigten und ihr versprachen, zwar ein ringfreies aber nichtsdestotrotz frauenfreundliches Märchen zu schreiben.

Ihr zu Ehren nannten sie dieses Ascherbuddel, was auch schon lange ihr heimlicher Kosename für die resolute Wirtin war. Daraus ergaben sich einige sprachliche Abwandlungen, bis sich vor nicht allzulanger Zeit der Name Aschenputtel herauskristallisiert hat, unter dem die Geschichte auch uns und unseren Kindern heute bekannt ist.

 

Das Leitsymbol war schnell gefunden, denn selbst der betrunkenste Mann erinnert sich an das, was Frau nie genug haben kann und sie reihenweise in Begeisterung zu versetzen vermag: Schuhe! Das Drama war genauso schnell gefunden: Der fehlende Schuh!

Die Missgunst der Frauen untereinander, die im Verbund gegen die Männer zwar schnell verschwistert, jedoch sich untereinander im Allgemeinen spinnefeind und intrigös, ward durch den unpassenden Schuh, das Schönseinwollen auf "Teuflin komm raus" auch unter Schmerzen und Blut aufs trefflichste eingeflochten und durch die jungfräuliche Seelenreinheit der Magd geschickt abgemildert. So konnte sich ein jedes Weibsbild leicht in ihr finden und Alles ansonsten weibliche, das ihr zu Schaden gereichen konnte, den anderen Frauen zuschreiben. Der Prinz und die Hochzeit, so wurde einstimmig beschlossen, sollte dem Weibervolk belassen werden.

 

Dass die Rechnung der Erzähler aufging bewies die Reaktion der Wirtin, die sich sehr wohl in den Beschreibungen der missachteten Kreatur fand, jedoch die Ironie des dahinter versteckten Frauenbildes nicht bemerkte. Im Gegentum: Sie war so begeistert ob des ihr gewidmeten Märchens, dass die Runde ab da an zeitlebens die jeweils erste und letzte Runde bei ihren Treffen im Wirtshaus frei hatte.

Auch die Männer kamen nun wieder in größerer Anzahl zu den Märchenerzählern, da sie die dem Manne aus zugegeben feigem aber durchaus nötigen Selbstschutz seit Jahrtausenden innewohnende versteckte Ironie dem Weibe gegenüber instinktiv erkannten. Nur Taub(e)sein war hifreich, wenn Prinzesschen den Prinz im Manne nicht zu erkennen vermag.

 

So mag das Hauptthema im Vordergrunde die Schwierigkeit sein, den allzu seltenen Prinzen unter all den Fröschen zu finden und ihn vor den unzähligen Konkurentinnen raffiniert zu erobern. Doch dahinter steht der moralische Zeigefinger, der von jedem Weibe verlangt, ein sittsam Leben zu führen, bescheiden und rein, damit der zukünftige Gemahl, der dann in jedem Falle Prinz sein darf, sein Wohlgefallen an ihr habe. Er erlöst sie aus ihrem Elend und führtet sie aus trauriger Demut und Asche zum Glück. Die Buddel (Puttel) kommt früher oder später, so er den vorköniglichen Status verliert, wieder ins Spiel. Versprochen!

 

 

 

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Entzauberte Märchen Nr. 5 Rumpelstilzch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Entzauberte Märchen Nr. 5 Rumpelstilzch

 

 

Es war einmal ein Bauernmädchen, das hatte Augen wie Mandelkern, Knödel wie ein Pornostar und bediente im - Gott hab ihn selig - Wienerwald München Abend für Abend die geistige Elite der bayrischen Maßstemmer.

Nicht dass sie ihre Arbeit ungern gemacht hätte, doch der fesche Koch Heinz verlor ob ihrer Schönheit immer wieder die Kontrolle über seinen Kochlöffel. Mindestens dreimal die Woche drängte es ihn und deshalb er sie, mit ihm in die Rumpelkammer zu gehen, um zu schauen, wo der Babbes den Moschd herholt. Da München und Meenz zwar den gleichen Anfangsbuchstaben besitzen, aber ansonsten sich nicht einmal die Buchstaben in ihrer Aussprache im Entferntesten ähnelten, war es schon zu spät, wenn das Mädel bemerkte, dass das Rumpelstilzchen wieder einmal Einlass begehrte. Allerdings war ihr der Tanz nicht unangenehm, machte er ihr gar flammendrote Fleckerl auf die ansonsten blassen Wangen und ließ ein Riesenfeuer in ihrer Mitten toben und züngeln.

So blieb es nicht aus, dass ihr Vater eines Morgens die Augenbrauen fragend hob, da ihr das Frühstücksei stante pede wieder aus dem hübschen Gesichte fiel. Groß ward ihre Not, der Kopf wurd fast so feurigrot als in Rumpelstilzchens Kammer beim heißen Tanze.

Doch flugs fiel ihr die rettend Ausred ein. Nicht dass sie den Samen in ihrem Leib leugnete. Nein, sie dichtete ihn dem von allen gefürchteten Amtsrat Alois Pimperlhuber an, der meist die Schenke des Nachts als Letzter verließ und den sie des öfteren schon, vom Wirt geschickt, bis vor dessen Stadthaus gestützt hatte. Trunken war er eigentlich ein angenehmer Geselle, immer einen Schwank auf den Lippen, doch tagsüber Doktor Penibel in Person. Rechthaberisch und jähzornig noch dazu. Ohn jedwed fachlich begründet Elementarkenntnis irgendeines Paragraphen ritt er so Zeit seines Lebens den Bürgern der ansonsten humorigen Stadt so auf dem Nervenkleide herum, wie es sein garstig Eheweib daheim mit ihm wohl zu exerzieren beliebte. Da konnte es sein, dass sogar seine eigene Verwandtschaft zu Kreuze kriechen musste, um bei einer von ihm vermuteten Verfehlung, nicht aufs Drakonischte bestraft zu werden.

Ihn zum Schwiegersohne zu haben, was in Anbetracht des Zustandes seiner Tochter unumgänglich schien, war so ein abscheulicher Ausblick in die Zukunft, dass dem Vater nur ein entsetztes "verdammte Hundekacke"entfuhr und er hocherfreut war, als das verzweifelte Töchterlein vorschlug, nicht den alternden Geistesalbino zu ehelichen, sondern den unter dem Kleide heranwachsenden Balg dem etwas liederlichen, doch immerhin feschen und jüngeren Koch Heinz unterzuschieben.

Gesagt, getan. Der erleichterte Vater gewährte ihr Dank ihres ihn ungemein entlastenden Vorschlages eine durchaus ansehnliche Mitgift, und ihr Rumpeheinzchen stieß sie des Nachts weiterhin so oft gen Feuer, dass ihre Wangen bis weit nach der Empfängnis ihrer sieben Kinder immer und immer wieder begeistert rot wurden. So ward aus Angst vor einer unerwünschten Bierdeckelverwandschaft aus erwartet Not dank ihres Geistesblitzes doch letztendlich ansehnlich Lebensfreud geworden.

Dass sie ihren Kindern des Abends: Ach wie gut, dass niemand weiß , dass ich Rumpelstilzchen heiß" vorsang, bleibt wohl auf ewig eines der meistgeliebtesten Gerüchte, die je in Umlauf gesetzt wurden.

 

 

 

 

 

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Entzauberte Märchen Nr.4 Max und Moritz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es waren da noch Max und Moritz.

Eigentlch waren die gar nicht so böse und ungezogen. Sie waren auch keine Brüder.

Nein.

Sie waren schwul.

Damals gab es so etwas wie ein Coming Out noch nicht. Außerdem konnten die Zwei zu der Zeit sowieso kein Englisch.

Sie wären also die ersten gewesen.

Dass sie diese ganzen Streiche gespielt haben, liegt einfach daran, dass alle Welt sie ausgelacht hatte, nachdem sie eines Tages händchenhaltend durch Wanne Eikel liefen. Dass das Männer auch tun, hatten sie zuvor in Lehrer Lämpels Bibliothek gesehen. Es waren arabische Männer gewesen , die wie selbstverständlich Hand in Hand durch einen Basar schlenderten.

 

In den Tagen danach grinsten erst alle blöde, wenn sie sie sahen. Tuschelten, wenn sie zusammen an einer Häuserecke standen. Oder sie riefen ihnen gar zotige Sprüche hinterher.

Lehrer Lämpel, der ihnen bislang allzu gerne übers feine Haar gestrichen hatte, wenn er neben ihrem Pult stand und ihnen über die Schulter schaute, rührte sie seit dem Tage nicht mehr an und gab ihnen regelmäßig schlechtere Noten als ihren Klassenkameraden.

Witwe Bolte, die ihnen bislang auf dem Schulweg immer etwas Süßes zugesteckt hatte, weil sie ihr ab und an halfen, da ihr der Mann im Hause doch sehr fehlte - Witwe Bolde verschloss Haus und Hof, ja sogar die Fensterläden waren dicht, wenn sie nun von der Schule nach Hause liefen und an ihrem Grundstück vorbei kamen.

Sonntags war es ihre Aufgabe frisches Brot und Wecken beim Bäcker zu holen. Dieser ließ sie nun warten, bis alle anderen gegangen waren und oft mussten sie deshalb unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen, wo sie der schmerzende Stock des Vaters erwartete.

Wen wundert es, dass diese Beiden für ihre Mitmenschen immer weniger zu erreichen waren? Wer gönnte ihnen da nicht die einzige Möglichkeit, noch etwas Spaß zu haben? Wer würde nicht auf Rachegedanken kommen?

 

Das unrühmliche Ende ist übrigens wie in vielen Fällen dem Wunschdenken ihrer ungnädigen Mitmenschen entsprungen und entbehrt jeglicher Grundlage.

 

Als sich niemand mehr mit ihnen abgeben wollte, starteten sie die allseits bekannte Aktion Streiche und packten dann ihr Bündel, um nach Amerika auszuwandern.

Dort wurden sie bei der Einreise von dem Zollbeamten Christopher Street seeehr genau kriminaltechnisch untersucht und siedelten sich danach mit seiner Hilfe in New York an. Unbestätigten Gerüchten zufolge trafen sie dort auch Gay Pride und Mardi Gras und eröffneten in einem Hinterhof die erste Schwulenbar der Vereinigten Staaten.

 

 

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Entzauberte Märchen Nr.3 Hänsel und Gretel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Entzauberte Märchen Nr.3 Hänsel und Gretel

Hänsel und Gretel

 

Es war einmal eine Zahnarztpraxis, damals genannt Schmiede, die hatte in letzter Zeit kaum noch Pferde zu beschlagen, da sich diese mitsamt ihren Besitzern im Kriege befanden.

 

Nicht einmal mehr Zähne mussten gezogen werden, weil sie den daheim gebliebenen Menschen entweder schon restlos entfallen waren oder aber gerade erst durchgebrochen und so schneeweiß, dass sich kein Schmied mit seinen rußigen Händen daran vergreifen wollte.

Da begab es sich, dass reisende Marketinger, die jedwede Abwesenheit der gebildeten und mißtrauischen Lehnsherren gerne nutzten, um in brachliegenden Gärten zu wohlfeil zu äsen, auch hier Halt machten.

 

"Oh Schmied," gingen sie dem verzweifelten Manne um den Bart, "wir sehen, dass schwere Zeiten hinter dir liegen und womöglich noch schwerere vor Dir. Lass uns dir helfen. Du hast da ein Landstück, mitten im dunklen Walde, dort wo der Holzfäller die stolzen Eichen zu fällen pflegt. Überschreibe es uns und wir werden dort einen Süßwarenladen errichten, eine Knusperhäuschen-Filiale vom Feinsten. Wir versprechen Dir: Danach wirst Du immer genug Arbeit haben. Die ersten Kunden werden die Kinder des Holzfällers sein und sie werden es auch sein, die die Kunde in alle Winkel des Reiches tragen werden. Von köstlich Spezereien, wie sie sonst nur Könige zu schnabulieren bekommen. Und - dies wird dir auf Lebenszeit ein gutes Auskommen bescheren - sie werden recht bald schon erzählen von dem vorzüglichen Schmied, der so schnell die schmerzhaften Qualen faulender Zähne von ihnen genommen hat.

Schlag ein Schmied, und wir stellen dazu noch deine Großmutter als Verkäuferin ein!"

 

Aus den Querelen zwischen der Großmutter des Schmieds und den nicht gerade vorzüglich erzogenen Kindern des Holzfällers entwickelte sich alsbald das Märchen von Hänsel und Gretel.

 

Einzig gesichert an der ganzen Geschichte ist, dass Zuckerbäcker und Zahnärzte noch heute vortrefflich voneinander profitieren.

 

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Der Froschkönig Entzauberte Märchen 2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Irgendwann hatten die Prinzen, diese lästige Knutscherei satt. Wenn sie die heiraten dürften, die sie gerne küssen wollten, hätten sie nicht zu dieser Maßnahme gegriffen. Doch es waren immer die verzogenen Prinzesschen, noch dazu die ältesten und grotten....(da schweigt des Prinzen Höflichkeit), die die greisen Könige dringend unter die Haube bringen mussten. Staatsraison und so. Nix Rosinen rauspicken. Nee, nee! Greuelknäuel!

Also erfanden sie das erfolgreichste Gerücht aller Zeiten:

Den verwunschenen Prinzenfrosch.

Seither sind sie weitesgehend verschont und können mitlerweile sogar ein Model oder die süße Kammerzofe ihrer Mutter küssen. Manchmal sogar heiraten. Oder gar glücklich werden, was für einen Kronprinzen gar nicht so einfach ist. Vielleicht heißt er ja deshalb Kronprinz, weil er ohne das regelmäßige Entfernen (lassen) von Kronkorken nicht mehr repräservativen ( oder wie das nochmal heißt) mag ...

 

Die Moral von der Geschicht: Frösche küssen lohnt sich nicht!

 

 

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Entzauberte Märchen 1

 

 

Wie immer, wenn die hohen Herrschaften Geldnöte oder Langeweile bekommen, lassen sie sich etwas einfallen, das ihrem Leben wieder Würze und dem ihrer Untertanen meist nur teilweise Vergnügen, all zu oft zu kurz zum Stärken ein Lächeln entlockt und es darüber hinaus recht bald auf gequältem Gesichte eingefrieren lässt.

Das Meisterstück lieferte in dieser Hinsicht ein Graf, dessen Wappentier ein schwarzer Stiefel war, aus dem üppig besamte Garben ragten und dazwischen roter Mohn und blaue Kornblumen wuchsen. Seine aufwendige Lebensweise war nur durch äußerste Sparsamkeit und den schier übermenschlichen Fleiß seiner treuen Untertanen zu halten.

Trotz der schon übermäßigen Beanspruchung seiner Bürger und Bauern überlegt er, wie er nach dem Tode seines Oheims, in dessen größeres Schloss umziehen und es wieder aufs Prächtigste herrichten könne, ohne die Unlust seiner Untertanen zu eregen. Denn diese hatten schon mehrere magere Jahre hinter sich, in denen das Korn knapp und die Obstbäume fast leer blieben, so dass es gerade noch zum Überleben reichte. Zu allem Übel wurde das Land heuer von einer Mäuseplage heimgesucht, wie sie die Bauern noch nie erlebt hatten. Sie drohten die gesamte Ernte des Landes auf zu fressen und es war guter Rat teuer, denn noch einen harten und kargen Winter würden viele der ausgemergelten Alten und Kinder nicht mehr überstehen.

Eines Morgens, nach einer allzu feucht fröhlichen nächtlichen Orgie, als ihm der Schädel noch vom Wein zu platzen drohte, dass selbst das Trippeln der Mäuse wie Donnerhall hinter seinen geröteten Augen dröhnte, drehten sich seine Gedanken nur um Eines: Weiterschlafen!

Wie durch dicke Watte hindurch kamen jedoch immer öfter und drängender unwillkommene menschliche Laute, die einer seiner jungen Maitressen gehören musste.

"Katerle, komm zu Dir, der Hofmarschall hat einen ..."

Es musste Mauseemoiselle Anja von Bourbon sein, das pralle Luder, das da versuchte durch den Nebel durch zu kommen.

Doch der Kater verhinderte es, dass das Mäuschen....

Schlagartig wurde der Graf wach. Nun wusste er was zu tun war.

Flugs sandte er in alle Nachbarländer sämtliche Kutschen des Reiches und ließ seine Abgesandten alle Katzen erwerben, derer sie nur habhaft werden konnten.

Bald schon strebten Hunderte von Kutschen dem Schloss entgegen und ließen an jedem Feld, an jedem Rain einen großen Korb Katzen aus dem Schlag, die sich nach den mageren Tagen der Reise sofort daran machten, alle Mäuse zu fressen, die sich aus ihren Löchern an die Oberfläche trauten.

Die Ernte ward gerettet und der gestiefelte Kater, wie ihn seine Bürger ob seiner Hilfe nun dankbar nannten, richtete sich prächtig in seinem neuen Domizil ein.

Madmäuschen Anja wurde in einem rauschenden Fest geehelicht, und sie hätten glücklich bis an ihr Lebensende und den ganzen Schmus, hätte es da nicht in Bälde ein neuerliches noch schlimmeres Ungemach gegeben.

Als nämlich alle Mäuse vertilgt waren und die sich wegs der anfangs so reich gedeckten Tafel wie die Karnickel vermehrenden Katzen nichts mehr auf den Feldern zu fressen fanden, verwilderten sie zusehends und suchten ihr Heil in der Jagd nach Hühnern und Hasen, fraßen auch alle Vögel, die sie erwischen konnten und raubten jedes erreichbare Nest bis aufs letzte Ei aus.

In den folgenden Jahren hörte man im Land des Grafen keinen Vogel mehr zwitschern, kein Häslein hoppelte mehr übers Stoppelfeld und mangels Eiern kam auch nirgendwo mehr ein Sonntagskuchen auf den Tisch. Zu allem Elend gesellten sich ob der mangelnden Nagezähne und Schnäbel eine Larven- und Ungezieferflut dazu und diese machte sich über Kornfelder und Gärten her.

Was so schon vermieden schien, kehrte mit unvorstellbarer Grausamkeit zurück.

 

Deshalb werden die Bürger dieses Landes noch heute furchtbar zornig, wenn sie die Mär vom gestiefelten Kater hören und haben sie darob aus allen Märchenbüchern getilgt.

 

Merke: Die schönsten Ideen taugen nichts, sind sie der Trunkenheit entsprungen.

 

 

 

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Kraftorte und Tiere

 

Hinführung und Plädoyer


Wir sind keine Indianer. Nicht Winnetou, nicht Nscho-Tschi.

Ich würde mich nicht wundern, wenn beim Lesen des Titels ein Fragezeichen in ihrem Blick sichtbar wurde. In unserer Welt haben nur noch Wenige einen aktuellen und lebendigen Bezug zur wilden Natur und so etwas wie Kraftorten. Diese Menschen sind uns in der Regel sogar ziemlich suspekt. Sie werden von den meisten von uns in die Schublade gesteckt, in der Menschen, die mit Engeln reden und Sektenanhänger stecken.
Unser modernes Leben bietet zu Erfahrungen mit Krafttieren und Orten auch kaum noch Berührungspunkte. Das ist einerseits schade, bietet jedoch gerade deshalb Chancen, die wir nutzen sollten, um den Kontakt nicht ganz zu verlieren. Der Wert von Dingen und Wesen steigt, wenn der Abstand dazu größer wird als erwünscht. So wie der Wert fällt, wenn sie zu viel werden oder zu nah kommen. Auf Abstand erzeugen sie Sehnsüchte und Wünsche, zu nah wecken sie entweder Überdruss oder gar Ängste und Abwehr. Die Worte Nähe und Abstand sind aufgrund der emotionalen Verknüpfungen in unserer Neurologie oft gleichzusetzen mit den Gegensatzpaaren Klein und Groß, Stark und Schwach, sowie entweder mit Freundlich oder Gefährlich.


Um sich dem Thema sinnvoll zu nähern, es aus der Esoterik-Ecke zu ziehen, braucht es zuerst eine Begriffsbestimmung der Begriffe Kraftort und Krafttier.
Kraftorte werden die Allermeisten nach kurzem Überlegen irgendwo in der Ecke Fitnesscenter oder Feng Shui vermuten. Bei den Tieren werden zuerst es die Vorfahren unserer Haustiere sein, die wir uns vor Augen führen. Kurz danach fällt uns vielleicht die Amsel ein, die immer im Gebüsch neben dem Haus herumhüpft oder die Tauben in der Stadt. Als nächstes erinnern wir uns wahrscheinlich an die Spatzenschwärme, die im Sommer von Busch zu Busch lärmen, oder ein flinkes Eichhörnchen im Park, das in Windeseile spiralig auf dem nächsten Baumwipfel klettert. Einige werden auch Pelzmäntel vor Augen haben. Auch wenn das Tier darin nicht mehr der ursprüngliche Besitzer ist.


Richtige Wildtiere kennen wir in der Regel nur noch aus Dokumentationen im Fernsehen und Filmen oder von Zoobesuchen. Wer Glück hatte, dem haben die Eltern Tiergeschichten vorgelesen. Wilde Tiere, im Sinne von freilebend, tauchen hier in Mitteleuropa kaum mehr im Alltag auf . Nur Menschen, die sich oft in der Natur oder in der Stadt abseits der normalen Wege und Zeiten bewegen, kommen mit ihnen in lebendigen Kontakt.
Das zu ändern, ist eine der Absichten dieser Zeilen. Denn gerade in der heutigen Welt braucht es das Besinnen auf unsere innere und äußere Natur und das Wiedererstarken der Fähigkeiten, die damit verbunden sind.
(Die Geschichten meiner Vorschreiber legen davon ein beredtes Zeugnis ab. Deren Verfasser hätten obige Zeilen ruhig überspringen können.)

Auch wenn die Bedingungen für eine solche Annäherung nicht die Besten zu sein scheinen, können wir uns im Moment entspannt zurück lehnen, denn zumindest das Wilde in uns hat sich lediglich zurückgezogen und kann jederzeit wieder in unser Blickfeld gerückt werden. Nicht wie üblich, nur wenn wir wütend werden. Denn da verwechseln wir Wildheit mit Kontrollverlust. Das Wilde braucht volle Kontrolle über all seine Sinne und Kräfte, um den Instinkt nutzen zu können.

Was die Kraftorte angeht, gilt Ähnliches wie bei den Tieren. Auch sie rücken nur deshalb in den Hintergrund, weil die Mehrheit ihnen wenig bis gar keine Bedeutung mehr für ihr Leben zuspricht.
Bedeutung erfordert entweder persönliche Erfahrung oder mit Erlebtem verknüpftes Wissen.

 

 

 

Zugänge und Hintergründe

Zu den Kraftorten ist der sinnliche und gedankliche Zugang deshalb noch schwieriger. Hier wird dem heutigen Normalsterblichen nur mehr symbolisch ein Bezug ermöglicht. Wir ahnen die Kraft von Orten über moderne Mythen in Fantasygeschichten, durch religiöse Orte wie Kirchen und Tempel oder fernöstliche Disziplinen wie Feng Shui. Die Geschichten flimmern in der Regel an uns vorüber und führen wegen der Exotik höchstens zu einer kurzen Diskussion mit Freunden über den Sinn des Lebens und unsere über die Jahre verlorenen Ideale.
In Kirchen und Tempeln wird gebetet, meist im Sinne von Bitten um Erleichterung. Es wird weniger auf den Einfluss geachtet, den der Ort auf uns hat. Das Verständnis von FengShui endet in der Regel leider mit dem Zimmerbrunnen im Eck für erhofften Reichtum. Der Ort des Interesses ist in diesen Fällen oft der leere Geldbeutel und beschränkt sich auf dessen erhoffte Füllung.


Kraftspendend, wie der Name Kraftort erhoffen lässt, wirken diese Orte in der Regel nur noch selten. Es fehlen die lebendigen Bezüge zu unserem Erleben.
Ein Kraftort im ursprünglichen Sinne ist ein Ort, dessen Bedeutung so aufgeladen ist, dass es Wesen, die sich in diesem Bewusstsein dort aufhalten, einfacher als anderswo gelingt, an ihnen innenliegende Fähigkeiten anzuknüpfen und diese im Idealfall mit nach Draußen ins normale Leben zu nehmen. Kirchen oder Tempel erhielten diese Bedeutung durch den Grund ihrer Erbauung und die Gedanken und Gefühle derjenigen, die sich dort mit ihren Sorgen, Ängsten und Hoffnungen aufgehalten haben. Das Nämliche gilt für die Tingplätze unserer Vorfahren oder z.B. Berge oder Wege, denen eine Vielzahl Menschen in ursprünglicheren Kulturkreisen heute noch Bedeutung beimessen.


Wie auch bei den Wildtieren ist es bei den Kraftorten, die bei unserer Wahrnehmung aufgewertete Bedeutung, die den Unterschied macht.
Einerseits gibt die Anzahl der Wahrnehmungen den Ausschlag (bei den Tieren) und andererseits die emotionale, also qualitative Bedeutung (bei den Orten, ob wir gewinnbringend ( mit unserem wilden Inneren) Kontakt aufnehmen und kommunizieren können. Zuwenig Aufmerksamkeit ist immer verbunden mit Rückzug und Vergessen. Ignoranz führt zu Entwertung und zum schleichenden Erlöschen der Verbindungen. Es ist hier wie bei allen anderen Beziehungen, die wir pflegen oder vernachlässigen.
Man könnte diesen Zustand durchaus als sinnliche Armut oder im Großen betrachtet sogar als partielle gesellschaftliche Demenz bezeichnen. Denn unser Unterbewusstsein braucht zum gesunden Funktionieren, zum sinnvollen Verarbeiten aller Reize aus der Umwelt ursprüngliche, positiv gefärbte Zuordnungen, die Zugang zu natürlichen Ressourcen (Fähigkeiten,Stärken,Talente) schaffen. Fehlen diese Anknüpfpunkte, sind menschliche Werte nicht mehr sinnlich hinterlegt und werden schwerer nachvollziehbar. Reaktionen und Leben werden unberechenbarer im Sinn von unsicherer. Die daraus resultierende Schutzmaßnahmen verstärken den Abkoppelungseffekt und entfernen uns von unserer ursprünglichen Natur und von unseren Mitwesen.

Tiere, denen wir für ihre Taten in der Regel keine moralischen Verfehlungen vorwerfen, sondern deren positive Eigenschaften wie Stärke, Eleganz, Reaktionsschnelligkeit, Treue, Zielstrebigkeit wir leichter hervorheben und bewundern können, sind hervorragend für eine Rückbesinnung auf natürliches Empfinden und Verhalten geeignet. Die meditative Fixierung auf deren vorteilhafte und schuldfreie Fähigkeiten ermöglicht unserem Geist, sich solange mit den störenden ¨Wenn und Aber- "Bewertungen herauszuhalten, bis das Unterbewusstsein die nötigen Verbindungen geschaffen hat, um mit den nun zugänglicher Resourcen neue Lösungen auszuprobieren und zu etablieren. Auch wenn und gerade weil wir diese Ressourcen nur deshalb dem Tier zuschreiben konnten, weil wir sie irgendwo in unserer Vergangenheit schon erlebt haben. Aktivieren lässt sich nur, was in uns schon vorhanden ist.
Die sichere leicht gelangweilt wirkende Ruhe des auf dem Felsen liegenden Löwen, in den wir uns etwa hineinversetzen, kann uns nur in den Sinn kommen, wenn wir so etwas schon in uns haben. Entweder als eigene, selbst entwickelte Fähigkeit oder erinnert, weil beim Beobachten Anderer beeindruckt.
Werden wir aufgefordert uns als König zu fühlen, fällt uns das meist wegen der Unzulänglichkeiten in unserem Leben schwer. Versetzen wir uns hingegen in den Löwen auf dem sonnenbeschienenen Felsen, der über sein Rudel wacht und weit über die Ebene blicken kann, stellt sich schnell ein königliches Gefühl ein.
Auch bei Kraftorten gilt dieser Zusammenhang. Ein Tingplatz schafft Verbindung zu überstandenen Krisen und der Fähigkeit, weitreichende Entscheidungen zu treffen. Er ist auch zutiefst verbunden mit der Akzeptanz von Schwierigkeiten und Verlusten. Und er erinnert daran, dass gemeinsames Leid besser zu ertragen und zusammen erarbeitetes Glück noch befriedigender ist. Die Kirche war für die Bauersfrau von früher verbunden mit einigen wenigen Stunden ohne Arbeit, in sauberer Kleidung und mit Hilfe des rhythmischen Betens des Rosenkranzes der kostbaren Fähigkeit, für einige Zeit alle Mühsal und Sorgen hinter sich zu lassen. Hinter dicken Mauern und Türen, die den Alltag solange nach Draußen verbannten, bis das Gebet beendet und die Bäuerin nun wieder mit etwas mehr Ruhe und Glauben daran, dass die Zukunft zu schaffen ist, in Küche, Stall und aufs Feld zurückkehrte.
Für manch älteren Menschen heute ist der Garten solch ein Kraftort. Nimmt man diesen Menschen die Möglichkeit, sich dort (immer wieder) zu finden, kann man die fehlende Wirkung dieses Ortes und der Verknüpfungen, die der Mensch dazu aufgebaut hat, bald an seiner schwindenden Gesundheit und geistigen Verfassung ablesen.


Auch ein Arbeitsplatz kann nach dieser Definition ein Kraftort sein.


Ob allerdings durch die Bildschirme und Tastaturen, die außer visuellen und spärlichen taktilen Reizen wenig sinnliche Anknüpfpunkte bieten, Menschen langfristig qualitativ gleichwertige innere und äußere Ressourcen erschließen können, wage ich zu bezweifeln. Hier ist zwar durchaus Aufmerksamkeit gefragt, jedoch eher quantitativ und in schnellem Wechsel. Diese eher schwachen Reize auf unser Sensorium sind wenig geeignet, um nachhaltig Wirkung zu erzielen. Es fehlen mit Geruch, Tonfall, adäquaten taktilen Reizen wie Schmerz und Lust, sowie Geschmack Elemente der neuronal erfassten Wirklichkeit, die uns länger nachvollziehbar beeindrucken. Bildschirmblut löst eben bei den wenigsten Menschen noch Alarm aus. Außer es geht um Kinder, Hunde oder Katzen. Das führt in der Regel zu wütenden Dislikes in Bildschirmkommentaren. Aber das ist ein anderes Thema.

Beide, Krafttiere wie Kraftorte brauchen gerichtete Wahrnehmung. Erst der positive Wert, den wir dem Wahrgenommenem beimessen, macht Tiere und Kraftorte zu wirksamen Aspekten unserer Wirklichkeit.
Wie schon weiter oben erwähnt, liegt gerade in der heutigen Distanz zur äußeren Welt die Chance Ungewöhnliches leichter zu akzeptieren und damit neue Denk- und Fühlmuster zu ermöglichen.


Tier darf das!


Auch und gerade das Tierische. Triebe verlieren in im Kontext der kontemplativen Übertragung auf das Tier die gefährliche Nähe zu Schuld und zu Bösem. Mensch kann sich deshalb leichter auf die stärkenden Eigenschaften des Tieres fokussieren und diese in seine Bewertungen und Handlungen einbeziehen.

Ort kann per Definition nicht schuld sein. Ort ist passiv und dient als Speicher oder Leinwand der Taten, zu denen Menschen Gefühle haben. Ort kann höchstens diese Gefühle verstärken oder abmildern. Gefühle, die Mensch bei sich selbst kennt und wegen der Schuldunfähigkeit von Orten nicht durch Projektion los wird. Er muss sich ihnen dort selbst stellen oder gehen. Durch die oben genannten Assoziationen, die traditionell mit Kraftorten verknüpft sind, fällt dieses Sich-Stellen an Kraftorten leichter und die für eine bessere Lösung notwendigen Ressourcen können hier eher entdeckt und nach infolgter Integration genutzt werden.


Wenn nun in Selbsfindungs- oder esoterischen Ratgebern vom Kontakt mit Krafttieren und der Wirkung von Kraftorten geschrieben wird, lassen sie sich nicht abschrecken, sondern denken an die gerade erfahrenen Hintergründe. Lassen sie sich ruhig auf die Ebene innerer stärkender Verknüpfungen ein. Sie geben bisher unentdeckten oder gar ungewollten Anteilen ihrer Persönlichkeit damit die Möglichkeit, endlich auf annehmbare Weise in ihr Bewusstsein zu treten. Gerade wenn sie diese zuvor aus guten Gründen nicht nach Außen ließen, bekommen sie so endlich die Chance, deren positive Seiten zu würdigen und mit ihnen über eventuell bedrohliche Aspekte zu verhandeln.

 

 

 

Die Arbeit mit Krafttieren und Orten

Praktisch kann so eine Arbeit mit Krafttieren und/oder Orten folgendermaßen aussehen:

 

  • Sie denken an ein Tier, das sie besonders beeindruckt oder aber abstößt.

Oder an eines, das ihnen die letzte Zeit auffallend oft begegnet.
Haben sie ein konkretes Thema, bei dem sie weiterkommen möchten, fragen sie sich, welche Eigenschaften des Tieres ihnen dabei helfen könnten. Oder wo diese bisher einen Erfolg verhinderten. Entweder sie geben dem Tier für die Dauer des Austausches eine Stimme oder sie nehmen einfach wahr, was der Kontakt mit ihnen macht. Manche profitieren davon, das schwer zu Fassende zu verstärken, indem sie das Vage spontan aussprechen. Meist wird es dadurch erst sichtbar und weitere Sinneseindrücke gesellen sich dazu. Durch die Beteiligung der Sinne wird das Erlebte erst integrier- und erinnerbar.
Ein weiterer vielleicht nützlicher Hinweis ist, dass wir meist sehr gut geübt sind, uns selbst zu boykottieren. Selbstboykott ist eine wirkungsvolle Sicherung für unsere Schutzmechanismen. Je intelligenter und selbstbewusster, desto eher haben wir solche Muster angelegt. Ist dies der Fall könnte das erste, sich zeigende Tier eines sein, das uns bei diesem Selbstboykott helfen möchte. Die direkte Frage nach dessen positiver Absicht, wird in diesem Falle der erste Schritt, diesen Selbstboykott zu überwinden.


Zum Glück ist es meist logisch, wann und warum uns der Kontakt zu einem Krafttier hilft. Unser Unterbewusstsein kann nur logisch.


Habe ich zum Beispiel den Überblick über mein Leben verloren, wird mir die unendliche Ruhe der Riesenschildkröte im tiefen Meer wenig nutzen. Vielleicht sollte ich dann Kontakt zu einem für mich passenden Tier mit Flug- oder Kletterfähigkeit aufnehmen. Auch Fledermäuse wären für diesen Fall sicher nicht die geeignete Wahl, auch wenn sie beeindruckende Eigenschaften haben. Erkennen sie das, können sie nach einem für ihr Anliegen geeigneteren Tier Ausschau halten. Ein Beispiel wäre der oben genannte Löwe auf dem Felsen. Oder wenn sie durch den scharfen Blick des Vogels oder einen stolzen Steinbocks vom erklommenen Gipfel wieder den nötigen Überblick haben, können sie vielleicht danach in die ihnen innenliegende tiefe Seelenruhe der Riesenschildkröte eintauchen. Oder sie erkennen von Oben, dass der Ort, an dem sie mit ihrem Fledermausradar jagen, so gar nicht für sie geeignet ist. Dann könnte sie das dazu bringen, sich beruflich neu zu orientieren oder umzuziehen.

 

  • Sie gehen an einem Ort (virtuell oder real), der thematisch in ihrem Verständnis die Ressourcen abdeckt, die sie zur Lösung eines Problems oder der Bewältigung einer Herausforderung benötigen. Dieser Ort kann in ihnen oder außerhalb liegen.

Ist der Ort im Außen, wirkt er um so verstärkender für ihren Prozess, je mehr und je stärker dort Menschen genau diesen Prozess durchlaufen haben und um so deutlicher, je näher er dem real erlebbaren Original ist. Eine richtige Quelle ist zum Beispiel einem Zimmerbrunnen oder einem realen wie virtuellen Bild um ein Vielfaches überlegen. Der Weg zu diesem Ort gehört oft schon zum Prozess dazu. Auf dem Berg genießen sie den Ausblick umso intensiver, wenn sie den Aufstieg noch in den Beinen haben. Sie haben sich es schließlich verdient. Selbst die Rastplätze und Ausblicke neben dem Weg können zu kleinen Kraftorten werden, wenn sie den Weg achtsam mit dem Filter ihrer Absicht gehen.


Innere oder visualisierte Orte sind dann am wirkungsvollsten, wenn sie entweder direkt in ihrem Körper sind oder mit ihm spürbar verbunden. Angenommen, sie haben gerade viel zu verdauen, könnte das innere Bild eine Höhle oder ein Tunnel sein, die ihren Magen oder Darm repräsentieren. Diese Bilder wären höchstwahrscheinlich eine gute Wahl, um dort das Verdauen der schmerzlichen Situation zu unterstützen. Haben sie Kopfschmerzen könnte z.B. das Bild eines Druckkochtopfes ihnen helfen zu erkennen, dass sie mal Dampf ablassen sollten. Wenn sie an diesem vorsichtig den Druck ablassen, ist die Gefahr des Platzens meist auch in ihrem Leben gebannt, weil ihr Unterbewusstsein auf diese Weise die Aufforderung versteht, einen Weg zu finden, den Druck auf ungefährliche Weise zu senken.


Ein schmerzhafter Körperteil kann zum Kraftort werden, wenn sie es schaffen, ihre Aufmerksamkeit dort zu halten. Verbinden sie dies mit der Frage, was wohl hinter dem Schmerz steckt und wohin sie dieser führen will, können erstaunliche Einsichten auftauchen. Da hinter körperlichen und emotionalen Problemen meist die Unfähigkeit steckt, etwas nach Außen zu kommunizieren, können auch Augen oder Hände und Füße zu Kraftorten werden, über die kommuniziert werden kann. Ob daraus nur ein Fußaufstampfen oder am Ende ein Tanz wird; ob sich ihre Hände als Teile ihrer Persönlichkeit langsam annähern, bevor sie sich die Hände reichen können; ob sie mit ihren Blick klären indem sie ihre Augen Blitze schleudern lassen oder ob Tränen sie wieder strahlen lassen, wird ganz darauf ankommen, was sich für sie richtig anfühlt.

Haben sie erst einmal angefangen, sind der ersten Ahnung gefolgt, wird ihr Unterbewusstsein ihnen immer einfacher den Weg weisen, bzw. die passenden Bilder und stimmigen Gefühle ins Bewusstsein kommen lassen.

 

Die am wenigsten beachteten Kraftorte im Außen befinden sich in unserer unmittelbaren Umgebung. Sei es der Stuhl, auf dem wir uns gut konzentrieren können oder ganz wach werden, weil wir dort schon oft geschrieben, mit unserem Partner oder Freunden gute Gespräche geführt haben oder der so steht, dass ihr Blick im Frühling zum Baum mit dem Vogelnest geht. Auch die Toilette ist für viele nach dem Loslassen des Verdauten der Ort der guten Ideen. Oder das frisch bezogene Bett mit diesem besonderen Duft. Es hüllt uns augenblicklich in völliges Wohlbefinden ein.

 

  • Wenn wir einmal erkannt haben, dass wir es selbst waren, die schon viele Plätze in unserer Umgebung aufgeladen haben, kommt irgendwann der Augenblick, in dem wir beginnen können, uns neue persönliche Kraftplätze zu kreieren. Ein sicheres Zeichen dafür, das uns dies gelingt, sind deutliche Veränderungen unserer Emotionen und sinnlichen Wahrnehmungen, sobald wir uns dorthin begeben.


Dass es wünschenswert ist, diese Veränderungen positiv zu gestalten, versteht sich von selbst. Dass wir es dürfen, wissen die Wenigsten. Sobald wir dies bemerken und es uns erlauben, befreien wir damit die Kommunikation mit unserem Unterbewusstsein und öffnen uns damit endlich für unser ganzes Potenzial. So befreien wir auch unsere brachliegende Kreativität und den kreatürlichen Instinkt. Der Meisterschaft nähern wir uns, wenn wir beginnen, negativ geladene umzuwidmen.

 

  • Sie schaffen sich mit Bewegung oder Ruhe Bedingungen, die sie bei sich selbst als förderlich kennen.

Ich selbst brauche zum mich einstimmen und anfängliches fokussieren Ruhe, wenn möglich in der Natur (der Weg dorthin schafft auch schon Abstand und je nach Weg hat man sich den Erfolg redlich verdient).
Im Prozess selbst hilft mir Bewegung. Radfahren auf einem unbefahrenen, relativ geradlinigen Feldweg oder querfeldein Laufen Richtung Bergspitze wie oben angedeutet, waren bisher meine überzeugendsten Erfahrungen. Hier ist Ort nicht als stationären Punkt sondern als Weg oder Raum zu verstehen.
Ein klares Ziel kann förderlich sein, muss aber nicht. Manchmal, wenn beim Prozess Widerstände auftreten, liegt es daran, dass Unterbewusstsein oder Seele entweder einen schonenderen Umweg kennen, das Ziel als zu vage oder gar schädigend erkennen oder dass ganz einfach noch ein paar Zwischenschritte notwendig sind. Praktisch heißt das, dass wir nicht verbissen vorgehen sollen ( was im Übrigen sowieso nicht funktioniert), sondern spielerisch dem folgen, was unser Unterbewusstsein uns als Material liefert.

 

 

 

 

Widerstände und Hemmungen

Unsere auf Schutz angelegten Muster lassen sich nur dann überzeugen, dass sie uns gewandelt noch besser schützen können, wenn wir Gewohntes unterbrechen. Das liegt daran, dass unser Bewusstsein in den allermeisten Situationen, in denen uns Gefahr droht, viel zu langsam arbeitet.Schnell erforderliche Sicherheit entsteht dadurch, dass in Gefahrensituationen automatisierte Muster ablaufen, die wir nicht durch gegensätzliche Überlegungen stören dürfen. Deshalb treten wir trotz Diskussion mit unserem Beifahrer um den nächsten Halt beim Einkaufen früh und stark genug auf die Bremse, wenn der ¨Depp¨ vor uns es nicht mehr über die gelbe Ampel schafft. Das ist die positive Seite der Fähigkeit zum Musteranlegen. Die unangenehmen Seiten zeigen sich, wenn wir zum Beispiel genau wissen, wie wir in einem Beziehungsstreit nicht reagieren dürfen, weil wir das unangenehme Ergebnis schon zu oft erlebt haben und gegen unseren Willen und wider besseres Wissen doch wieder genau so reagieren.
Hier braucht es die oben erwähnte Unterbrechung, um das Ablaufen schädigender Muster zu stoppen und im Kontakt mit unserem Unterbewusstsein neue sichere Muster zu kreieren. Da unser Unterbewusstsein, das neben Emotionen (gespürte und mit Bedeutung versehene Körperreaktionen) auch unsere sämtlichen Körperfunktionen steuert, nicht mittels Wortlogik arbeitet, sondern Wirklichkeit und Bedeutung anhand von Wahrnehmungsklustern (Mosaike aus Sinnesreizen) erzeugt, können auch nur über sinnlich erfahrbare Prozesse Änderungen auf dieser Ebene erreicht werden. Nach eben einer (genauso sinnlich erfahrbaren) Unterbrechung unserer Alltagsmuster und Überzeugungen.


Unterbrechungen erzeugen wir durch Erstaunen, Schmerz, Lust, Schock und Erschütterung. Sie bewirken eine Überlastung und damit eine kurze Pause, in der unser Unterbewusstsein nicht auf vorhandene Lösungen zurückgreifen kann und deshalb gezwungen ist, neue Wege zu suchen.
Mit Angst erzeugte oder verbundene Unterbrechungen, neigen dazu die erstbesten angebotenen Lösungswege anzunehmen, damit der Schutz alsbald wieder gewährleistet werden kann. Diese sind schon deshalb nicht anzustreben, weil solche emotional aufgeladenen Schutzprogramme wenig variabel und so gut wie nicht zu stoppen sind. Je öfter sie ausgelöst werden, desto geringer wird der benötigte Auslösereiz. Die Energiemenge für eine erwünschte Unterbrechung steigt damit auch und kommt so schnell in angstauslösende Bereiche. So entstehen Kreisläufe, aus denen schwer raus zukommen ist.
Positive, das heißt variabel nutzbare Unterbrechungen werden durch Erstaunen und positiven Schock (Unerwartetes, Unbekanntes, Bezugswechsel, Witz) und durch als sicher empfundene Lust (neues Vertrauen) möglich gemacht. Hier führt das höhere Energie(Emotions)level durch als sicher empfundene Rahmenbedingungen dazu, dass in aller Ruhe und Konzentration neue Muster gesucht und auf Kompatibilität mit unseren Erfahrungen getestet werden können.


Die Arbeit mit Kraftorten und Tieren wie oben beschrieben erleichtern solche Erfahrungen und sind deshalb und wegen der Nutzung von inneren Erfahrungen in sinnlichem Kontext besonders geeignet, tiefgreifende und langfristig gesundheitsfördernde Veränderungen zu ermöglichen.
Doch ist es hilfreich, mit einfacheren Aufgaben zu beginnen und schwerere Prozesse, die von tiefen Traumata herrühren erst zu beginnen, wenn sie mit dieser Methode schon mehrfach erfolgreich waren. Der oben erwähnte Selbstboykott nutzt sonst allzu gerne seine Chance und verführt sie zum im Hintergrund geplanten und schmerzhaften Misserfolg. Es ist anzuraten, bei der Arbeit mit Traumata eine mit dieser Arbeit vertraute Person als "Bergführer" hinzuzuziehen.


Lassen sie die Wertungslogik unserer Zivilisation zugunsten solcher Bezugsänderungen und sinnlicher Erfahrungen kurz außer Acht, werden sie bald merken, dass auch die Arbeit des Unterbewussten und scheinbar esoterische oder spirituelle Erfahrungen durchaus über eine schlüssige Logik verfügen. Denn sie zeigen innere Wirklichkeiten, die sich an unseren Erfahrungen mit der Welt und unseren Bedeutungen orientieren müssen. Wer sich Kontemplationsmethoden  und andere Reinigungsrituale ursprünglicher Gemeinschaften und Religionen genauer anschaut, wird dort zu Hauf oben beschriebene Zusammenhänge finden. In der Regel kann man behaupten, dass je kleiner diese Gemeinschaften sind, desto sinnenbetonter und damit wirkungsvoller ihre Rituale sind. Im Umkehrschluss ist es nicht verwunderlich, dass in Massengesellschaften die Wirkungen von Ritualen nur noch stark werden, wenn sie spontan aus Bedürfnissen neu entstehen oder durch angststeigernde Bedeutungszuordnungen gepuscht werden.
Auch hier kann die Praxis der inneren Rücksprache mittels Kraftorten und -Tieren zu Persönlichkeiten mit ruhigerer und größerer Differenzierungsfähigkeit führen und ermöglicht so langfristige und lebensförderliche Prozesse in ihren Gemeinschaften.

 


Um wieder zum Anfang und der dort geäußerten Absicht zurückzukehren:
Eine neben den erwähnten psychologischen Wirkungen erstaunliche Nebenwirkung der vorgeschlagenen Praxis ist, dass sie höchstwahrscheinlich plötzlich wieder mehr Tiere wahrnehmen. Vielleicht, weil sie das Wilde in ihren Inneren nicht mehr fürchten, sonder mit ihm kommunizieren.
Vernunft und Triebe werden so von Gegnern zu Verbündeten. Instinkt wird wieder zur Fähigkeit, die der Berechnung ausgleichendes Gegengewicht sein darf.


So meiden uns die Tiere nicht mehr als Gefahr, sondern erkennen uns als mitfühlende Wesen.


Auch die Aufmerksamkeit für schöne Orte und die Gestaltung derer, seien sie im Kleinen in ihrer näheren Umgebung oder draußen in der Welt kann sprunghaft zunehmen. Auch hier werden sich Innen und Außen befruchten und ihr Leben mit Schönheit und Lebendigkeit bereichern.
Wenn diese neue Verbundenheit mit unserer Natur um sich greift und die daraus gewonnenen Erkenntnisse Menschen auch in ihrer Arbeit inspirieren, wird sich die wohltuende Wirkung auch auf Gemeinschaften auswirken. So wird die Rückbesinnung auf Kraftorte und wilde Tiere ein Beitrag zu einer besseren Welt.

 


Gäbe es sie, würden uns Winnetou und Nscho-Tschi sicher begeistert zustimmen.

 

 

 

 

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Der Augenblick des Mutes  (Mut 4) Es ist sinnvoll, mit dem ersten Teil ganz unten zu Lesen zu beginnen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Augenblick des Mutes

 

Hast Du dich schon einmal gewundert, dass dein Gegenüber dich gar nicht angeschaut hat, als es dir etwas erzählt hat? 

Meistens hast du es dann nach einem Ereignis in seiner Vergangenheit gefragt. 

Um sich besser erinnern zu können, schaut dasjenige an dir vorbei, wenn es aufgefordert wird, etwas aus der Erinnerung wieder wachzurufen. Wenn man genau hinschaut, könnte man meinen, derjenige schaut direkt in die Situation, auf eine Leinwand oder sogar in weite Ferne. 

Das liegt daran, dass dein Gegenüber das dann tatsächlich tut. Es ist ihm nicht bewusst, aber wenn Du es darauf hinweist und gleich darauf fragst, ob es die Situation eher in Schwarzweiß oder Farbe sieht, wird es dich irritiert anschauen aber meist spontan antworten.

Suchen wir nach Erinnerungen und finden sie, projizieren wir sie tatsächlich wieder auf die Netzhaut und fokussieren unsere Augen, als wären wir in der Situation oder beurteilten sie von Außen als Beobachter.

Das ist der Beweis dafür, dass wir Menschen (auch Tiere) visualisieren können und die Grundlage aller Therapien und Meditationsformen die Visualisierungen nutzen.

Du selbst kannst dies nutzen, um hemmende Situationen in deiner Wahrnehmung so zu beeinflussen, dass sie in Zukunft erträglicher oder gar zu einer motivierenden Quelle werden.

Hast Du diese Fokussierung erst einmal bei Anderen wahrgenommen, wirst Du es bald auch bei Dir bemerken, wenn Du eine Begebenheit aus deiner Vergangenheit erzählst. Du wirst feststellen, dass du angenehme Erinnerungen immer in der gleichen Blickrichtung findest. Die unangenehmen tauchen in der Regel diametral dazu auf. Das Gehirn lagert ähnliche Erinnerungen sozusagen immer in der gleichen Ecke ab. So hat es bei der Suche weniger Arbeit. An welchem Platz Menschen ihre Erinnerungen projizieren, ist allerdings individuell verschieden.  

Für den Anfang langt es dass Du weißt, dass Menschen projizieren und es eine Weile bei Anderen und bei Dir beobachtest.

Es wird interessant sein, zu bemerken, dass es unterschiedliche Richtungen und Entfernungen gibt. Dass manche Erinnerungen eine Begrenzung haben, andere wie Sensorround daherkommen. In einigen siehst Du aus den eigenen Augen, in anderen siehst Du dich von Außen. Du wirst merken, dass der Satz, dass Dir etwas nahe geht, nicht aus der Luft gegriffen ist, sondern durchaus Sinn ergibt. Zu etwas auf Distanz gehen ergibt auch Sinn, wenn Du bemerkst, dass Dinge, die länger zurück liegen oder dich aus anderen Gründen nicht mehr so stark emotional beeinflussen, weiter weg projiziert werden. 

Aus diesem Grund wird auch schlüssig, dass wir den ein oder anderen manchmal am liebsten auf den Mond schießen wollten. Wenn wir die emotionale Entlastung wirklich spüren wollen, langt es meist nicht, wenn der Bösewicht auf der anderen Seite der Welt ist, wir müssen ihn auch innerlich auf die richtige Distanz bekommen

Um dies zu erreichen, werde ich im nächste Kapitel noch einige Zusammenhänge beleuchten und hilfreiche Übungen vorstellen.

Eine ganz einfache, die oft ganz verblüffend wirkt, verrate ich schon heute:

Nimm eine (leicht) unangenehme Situation aus deiner nahen Vergangenheit und stelle sie Dir vor. Ist dies schwer, erzähle sie jemandem. Beobachte, wohin Du sie projizierst. Sie wird in den meisten Fällen vor dir sein, da du sie dir ja wortwörtlich vor-stellst. Dann frage Dich, ob Du die Vergangenheit (da kommen Erinnerungen her) nicht lieber hinter dir lassen willst. 

Schließlich brauchst Du den Platz vor dir für deine Zukunft

Erscheint Dir das logisch, schiebe die visualisierte Situation hinter dich. Fällt dies schwer, frage ob es leichter rechts oder links herum geht. Manche müssen auch darüber steigen oder es über sich drüber lüpfen. Dein Unterbewusstsein wird dir deinen Weg hinter dich zeigen. Wenn Du diese Erinnerung nun in der Vergangenheit hast und willst, dass sie dort bleibt, frage mit welcher harmlosen Situation Du sie dort verknüpfen darfst. Nimm dies wörtlich und binde sie virtuell mit Draht, Schnur, Gummi oder was auch immer dir zur Verfügung steht an die vergangene Situation.

Eine Freundin von mir, die lang zuvor in ihrer Kindheit eine vage beängstigende Situation mit einem farbigen Menschen hatte, konnte danach endlich den lang ersehnten Urlaub in Afrika buchen und genießen.

 

 

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Mut ationen

Mut (3) ationen

 

Zugegebenermaßen sind die Übungen der letzten zwei Artikel besser unter Anleitung eines Begleiters zu machen. 

 

Doch wenn du nur ganz kurz bemerkt hast, dass Erinnerungen durchaus Wirkungen auf dein Befinden haben, ist schon viel gewonnen!

 

Ich selbst nutze dies, indem ich mich z.B. an den letzten Waldspaziergang erinnere und mich langsam an ein Detail ran arbeite. Ich führe meinen Geist dorthin, indem ich mich zum Beispiel an ein Blatt erinnere, an den Wassertropfen darauf, sein Glitzern und das nasse Gefühl an der Fingerspitze, als ich ihn berühre und vom Blatt tropfen lasse. Schon während ich das auf dieser trockenen Tastatur schreibe, kommt mir plötzlich der Geruch von nassem Wald in die Nase.

Ums Hineingucken (-riechen, - hören, -fühlen, -schreiben) bin ich ruhiger. Einfach so

 

Ich kann mich natürlich auch damit pushen.

 

Dazu setze ich mich in die Achterbahn, spüre wie ich mit dem Wagen langsam nach oben gezogen werde - wie sich der Wagen ganz oben langsam nach vorne neigt - er und Ich nach unten rasen, und frage mich wo das Gefühl in dem Moment am stärksten ist. Im Magen? Im Kopf? Am Herz? (Vorsicht bitte bei Herzpatienten!) 

Jetzt bin ich garantiert nicht mehr müde!

 

Dies sollen nur Beispiele sein, die demonstrieren, wie wir oder unser Unterbewusstsein mittels Erinnerungen unsere Emotionen und damit das Nervensystem und den Stoffwechsel beeinflussen können.

 

Als erste Hilfe dürfen wir uns solcher Erinnerungen durchaus bedienen! 

 

Natürlich können das nur solche sein , die wir selbst erlebt haben und die einen starken Eindruck auf uns gemacht haben. Das heißt, dass Du die Rezepte so umändern darfst, dass du die Sachen aus deinem Keller und deinem eigenen Kühlschrank nutzen kannst. 

Hast Du nur irgendeine Erinnerung gefunden, in die Du dich gut hinein versetzen kannst, beobachte, was passiert, wenn Du dir die "Was würde sich ändern, wenn ich ..." Frage stellst.

 

Wer mit den Farben, der Schärfe oder anderen optischen Modalitäten spielen kann, um sich über Verbesserungen klar zu werden, tue das. Wem eher Geräusche oder Musik zu Harmonie verhelfen, stimme sich damit ein. Manchmal braucht es auch den richtigen Riecher, wenn einem etwas stinkt, das gefälligst verduften soll. 

Wenn das schwierig ist, arbeite dich mit oben genannter Fragetechnik an eine sinnliche Situation heran.

Schon die Frage nach dem Unterschied der Lufttemperatur oder dem Gefühl auf dem Stuhl im Gegensatz zu Wiese, Stein oder Parkbank kann dich schnell in die Erinnerung führen.

 

Die ersten Male bleibe einfach so lange dort, wie Du ein gutes Gefühl dabei hast.

 

Bist Du nach ein paar Durchläufen daran gewöhnt, in innerer Wirklichkeit zu verweilen, wird dein Unterbewusstsein gerne auf weitere Fragen antworten. Es wird sogar schon ganz begierig darauf sein. 

 

Du kannst nun deiner Phantasie und deiner Intuition freien Lauf lassen, dein Glück zu finden.

 

Vielleicht ist es einfach eine Seelenlandschaft, in die Du dich ab und zu zurückziehen willst, um Kraft zu tanken? Dann füge die dafür nötigen Dinge nach und nach in dein Erinnerungsbild ein.

Du wirst deine ganz eigene Landschaft haben, Pflanzen,Tiere, Gebäude, Wege und Wetter. Du kannst dort von außen hineinschauen  wie Gott in unsere Welt oder darin wandeln wie Jesus und ändern, was zu ändern notwendig ist.

Tue dies mit Bedacht und aller Phantasie und Weisheit, die du in dir findest!

 

Möchtest Du konkrete Situationen verbessern, beginne mit einer neutralen Situation, die Du erinnerst und frage nacheinander, wie sie sich für dein Gefühl verändert, wenn du z.B.:

  • Freude
  • Rückhalt
  • Kraft
  • Mitgefühl
  • Verständnis
  • Liebe
  • oder ( unser Thema) Mut

 

dem Bild virtuell hinzufügst. 

 

Du wirst den Unterschied mit deinen Sinnen wahrnehmen und nach der Frage, ob dir das auch langfristig gut tut, die positiven Veränderungen gerne in dein Leben integrieren

 

Mir wuchsen in einer Sitzung, in der der Leiter fragte, was passiert bei Dir, wenn ich sage: Teddybär, am ganzen Körper Haare. Es fühlte sich für mich nach der ersten Verwunderung klasse an, hatte zwar keine mir bewussten direkten Auswirkungen auf mein Leben, aber ist mir bis heute deutlich und angenehm in Erinnerung. Seltsamerweise habe ich das bisher noch nicht benutzt, um mich kuschelig und so wohl wie damals zu fühlen. Das werde ich nachher nach dem Schreiben dieses Blogs gleich ausprobieren!

 

Wenn Du nach einer Weile etwas Übung im Visualisieren hast, nimm eine Situation, in der Du bisher unsicher warst und dir Verbesserungen wünscht, um dort die gewünschten Stärken hinzuzufügen.

(VORSICHT: Solltest Du ernsthafte geistige oder emotionale Probleme haben, die du angehen willst, nimm professionelle Hilfe in Anspruch! Psychiatrische Störungen erfordern Begleitung und mehr Erfahrung, als Du mit ein paar Übungen erlangen kannst!)

Wenn Du vorher dein Unterbewusstsein mittels neutralen Erinnerungen kontaktiert hast, wird es dir deutlich zeigen, wo Du deine momentanen Kompetenzen überschreiten würdest. Du kannst es bitten, dir früh genug ein Zeichen zu geben. Z.B. ein Stopp- oder Umleitungsschild, Sackgasse, oder etwas ganz Anderes, aber für dich Eindeutiges.

 

Ein Metapher zum Verständnis:

Je öfter Du Gemüse mit dem Messer schnippelst, desto schneller und feiner kannst Du bald schneiden und das richtig scharfe Messer verwandelt sich von einer Gefahr zu einem sicheren und Freude machenden, wertvollen Werkzeug.

 

Auch hier macht Übung den Meister.

 

Sinnvolle Situationen zum Verbessern wären z.B. die oder das kommende

  • Vorstellungsgespräch
  • Prüfung, Arbeit, Klausur
  • Präsentation
  • Gehaltsverhandlung
  • Ansprechen der/des süßen Auserwählten
  • Verbesserung der Kommunikation mit dem schwierigen Nachbarn
  • etc.

Sicher sind diese Situationen in der Zukunft, doch sind es oft Erinnerungen von früher, die nicht wie erwünscht verlaufen sind und die uns bis heute hemmend beeinflussen konnten. Diesen alten Erinnerungen schenken wir mit der Visualisierungsarbeit ein kostenloses Update!

 

 

 

Solltest Du einen Engel ein, kleines inneres Teufelchen oder einen Schweinehund mit an Bord haben, rate ich Dir, auch dieses zu bitten, dir bei deiner Visualisierungsarbeit einen Wunsch zu nennen. Wenn du deren Rat mit berücksichtigst, wird das Ergebnis noch erfreulicher und nachhaltiger sein.

 

Mein heutiger Zusatz-Tipp:

Da Standfestigkeit, ein guter Stand und Verstand wichtige Voraussetzungen für Mut sind, empfehle ich dir folgende Übung. Sie wird in vielen Situationen deine Ausgangssituation deutlich verbessern. 

 

 

Verlagere im Stehen dein ganzes Gewicht auf ein Bein, nutze das andere nur zur Balance, indem du es zur Seite streckst und ohne Gewicht absetzt. Gehe dann mit dem ganzen Körper tiefer, indem du dein Knie beugst. So weit, bis Du deine Wadenmuskulatur sehr deutlich spürst. Halte diese Stellung einen Moment aus und richte dich danach auf, bis Du wieder auf beiden Beinen stehst.

Merkst Du den Unterschied?

Dann wiederhole das Gleiche mit dem anderen Bein! Vergleiche jetzt deinen Stand mit dem vor Beginn der Übung.

 

Dasselbe Ergebnis kannst Du (nur wer keine Wirbelsäulenschäden hat!) erreichen, wenn Du dich mit ausgestreckten Armen nach vorn unten beugst. Gehe mit den Händen tiefer bis Du die Spannung in Waden und Oberschenkeln deutlich spürst und halte dort eine Weile aus. Danach richte dich langsam(!) Wirbel für Wirbel wieder auf und spüre deine so verbesserte Standfestigkeit. 

Der zu erwartende Benefit aus diesen Übungen ist an diesen Worten und Formulierungen leicht erkennbar:

 

  • Einen guten Stand haben
  • Verstand
  • Standhaft sein
  • Etwas hat Bestand
  • ...

 

Mit dieser Körperübung verabschiede ich mich für heute und wünsche gutes Gelingen!

 

 

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Detailveränderungen (Mut 2)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neuer Mut durch Visualisierung 

 

2.Teil: Verändere deine innere Wirklichkeit!

 

Im ersten Teil haben wir uns an eine Situation erinnert, in der wir uns mit uns selbst wohl gefühlt haben. Wenn Du Zugang gefunden hast und den Wahrnehmungskanal, über den dir das Erinnern am leichtesten fällt und wenn Du vielleicht sogar noch die dazugehörige Körperstelle entdeckt hast, weiß dein Unterbewusstsein schon, wie es seine Arbeit für dich einfacher erledigen kann.

Unser Unterbewusstsein ist der Teil in uns, der unter der Bewusstseinsschwelle dafür sorgt, dass unsere Beinmuskeln so koordiniert zusammenarbeiten, dass wir einen Fuß vor den anderen setzen können und ohne darauf zu achten an unseren Zielen ankommen. Für diese Aufgabe, wie auch für den gesamten Stoffwechsel, das unermüdliche Schlagen unseres Herzens, die Zuverlässigkeit unserer Atmung wäre unser bewusstes Denken viel zu langsam. Sicher kannst Du dich noch vage daran erinnern, wie schwierig es war zu lesen und zu schreiben, als Du es beim Lernen noch Buchstaben für Buchstaben ganz bewusst machen musstest. Auch das Radfahren und das Autofahren war anfangs verdammt schwierig, bis wir genug Übung hatten und es dem Unterbewusstsein überlassen konnten, unsere Bewegungen zu lenken. Heute können wir uns beim Autofahren streiten, gleichzeitig bremsen, Gas geben und nochmal im Geist unseren Einkaufszettel durchgehen. Manchmal, wenn die Nacht zuvor besonders eindrücklich war, übersehen wir natürlich auch einmal das Umschalten der Ampel. 

Doch das ist der Beweis dafür, dass wir automatische Muster, nach denen das Unterbewusstsein unseren Alltag steuert, mit starken Reizen oder Erinnerungen außer Kraft setzen können. Bei der morgendlichen Ampel ist uns dies erlaubt, da in dem Fall normalerweise die schlimmste Folge das Hupen des Hintermannes ist.

Wir dürfen also davon ausgehen, dass uns das Unterbewusstsein nur Änderungen zulässt, die uns nicht in eine Gefahr bringen, die es nicht mehr erfolgreich abwenden kann.

Alles was Du tust, auch beim Visualisieren, wird nur funktionieren, wenn es deinen inneren Schutzmustern nicht in die Quere kommt. Manche unserer Schutzmuster sind uralt, ganz an die Zeiten und Möglichkeiten gekoppelt, in denen Du sie entwickelt hast. Da können einige dabei sein, die dringend ein Update benötigen. Gerade diese wehren sich in der Regel heftig gegen Veränderungen. Um das Unterbewusstsein davon zu überzeugen, dass du dort Änderungen vornehmen darfst, braucht es allerdings erst etwas mehr  Vertrauen in deine heutigen Fähigkeiten. Deshalb respektiere, wenn beim Visualisieren etwas nicht so will, wie Du es gerade vorhast.

 

Versuche etwas Anderes, dann kommst Du weiter!

Unser Unterbewusstsein mag  genauso wenig zu etwas gezwungen werden wie wir.

Richtige Veränderungen geschehen freiwillig!

 

Nun aber auf zur Tat:

Der heutige Schritt wird sein, dass Du anhand deiner erinnerten angenehmen Situation herausfindest, wie Du diese noch angenehmer machen kannst. Angenehmer heißt in unserem Fall immer, dass mehr Energie in unser System kommt und wir das sichere Gefühl haben, damit gut umgehen zu können. 

Solltest Du keinen Zugriff auf eine besonders angenehme Erinnerung haben, dann nimm eine gefühlsmäßig neutrale oder eine der im letzten Teil vorgeschlagenen (Bevor Du beginnen kannst, unangenehme Situationen positiv zu beeinflussen, müssen wir noch ein paar Schritte gemeinsam tun).

Nimm die Situation, die Du dir ausgesucht hast und mache dir bewusst, wie deine Wahrnehmungskanäle daran beteiligt sind. Wenn du dich gleich in deine Erinnerung begibst, frage dich:

 

  • Was siehst Du wie? Bemerke wie hell, klar, farbig, scharf, wie nah oder weit das Bild entfernt ist. Hat es einen Rahmen? Ist es ein Standbild oder ein Film? Siehst Du dich darin oder schaust Du aus den eigenen Augen hinein?
  • Wenn es etwas zu hören gibt: Ist es leise oder laut, von wo kommt es? Ist es klar oder verzerrt, schrill oder sanft? 
  • Schmecken und Riechen können auch beteiligt sein. Meist kommen die Eindrücke eher zuerst vage und spontan. Wenn sie aber da sind, werden sie sehr intensiv.
  • Fühlen kann auf mehrere Weisen vorkommen. Du fühlst dich (auch bei den Veränderungen) insgesamt richtig oder falsch, schwer oder leicht, stimmig oder schräg, schwach oder stark. Vielleicht fühlst du Nähe oder Distanz zur Situation. Einzelne Körperteile oder Regionen können sich besonders anfühlen. Bewegung oder Stillstand sind zu spüren.

Egal, was du in deiner angenehmen Situation bemerkst, Du darfst alles so lassen, wie es ist!

Du kannst aber auch mit den Submodalitäten (so heißen die einzelnen veränderbaren Qualitäten unserer Wahrnehmung) spielen. Wie schon oben erwähnt, wird nur das funktionieren, was dein Unterbewusstsein als förderlich für dich annimmt. 

 

Gehe das Sehen, das Hören, das Riechen und Schmecken und das Fühlen nacheinander mit der Frage durch:

Was würde diese Situation noch stimmiger, noch angenehmer für mich machen?

Manchmal zeigt sich die Veränderung, sobald du die Frage stellst, doch meist musst Du selbst an den Reglern drehen. Oder schieben. Gibt es keine Regler, so erlaube dir,  welche zu machen!

 

Beginne mit dem Sinneskanal, mit dem es dir am Einfachsten fällt!

 

Bist Du durch alle Sinneskanäle durch und mit deinen Veränderungen zufrieden (Oft ist weniger mehr und manchmal rundet erst eine kleine Dissonanz das Bild ab. Du wirst den Unterschied merken!), kannst Du das Ergebnis sichern. Lass dich auch da von deinem Inneren leiten. Es wird dir zeigen, ob Du das Bild an den Ecken mit Seilen oder Dübeln festmachen kannst, ob Du es an eine Wand hängen, in ein Aquarium oder eine Kiste stecken oder gar ganz real mit Stiften oder Pinsel malen und aufhängen darfst.

 

Wie beim letzten Mal beende ich für heute den Text, dass Du die Zeit und Muße hast, mit deinen Sinnen zu spielen. So kannst Du lernen, dir deine innere Wirklichkeit so zu gestalten, dass sie dich auch im Außen unterstützt. 

So glückt die Gegenwart und macht Mut für die Zukunft. 

 

 

 

 

 

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Mut

Neuen Mut durch Visualisieren!

 

Eine Einladung in mehreren Teilen

 

Sicher hast Du schon einmal diese Formulierungen gehört oder gar selbst benutzt:

¨Da sehe ich schwarz!¨ - ¨Das sind ja glänzende Aussichten!¨ 

Warst Du verliebt, kannst Du auch mit dem Begriff ¨Rosarote Brille¨ etwas anfangen.

Normalerweise benutzen wir solche Ausdrücke, ohne uns bewusst zu sein, dass sie zeigen, mit welchem Wahrnehmungskanal unser Gehirn gerade arbeitet. Doch selbst, wenn uns diese Hinweise unserer Sprache auf innere Vorgänge ab und an aufgefallen sind, ist wohl den wenigsten bekannt, dass man sich mit diesem Wissen und etwas Übung die Welt freudiger und lebendiger gestalten kann.

Ich könnte jetzt mit Erklärungen aus Neurologie, Hirnforschung und Psychologie um mich werfen, doch das ist gar nicht nötig. Wichtig für Dich ist im ersten Schritt nur, dass Du bemerkst, wie Du dir mit für dich wichtigen Erinnerungen gute und leider auch schlechte Gefühle machen kannst.

Hier nehmen wir vorerst die angenehmen, da wir uns ja in einen positiven Zustand bringen wollen. Die Richtung mit den unangenehmen Gefühlen nehmen wir sowieso schon viel zu oft und brauchen danach unsere ganze Kraft, um uns wieder aus ihnen zu befreien. 

Um dir den Einstieg zu erleichtern, nenne ich ein paar Situationen, die fast jeder in unserer Kultur kennt.

Da gibt es die Situation an der Kreuzung, wenn Mensch in die Freuden der letzten Nacht eintaucht und erst durch das Hupen des Hintermannes auf die grüne Ampel aufmerksam wird.

Auch der Moment, wenn die Wellen sich zurückziehen und den Sand unter deinen Fußsohlen mitnehmen, das Schreien der Möven, die Sonne auf deiner Haut, der Geruch nach Salzwasser könnten dich in einen ermutigenden Zustand bringen.

Besonders schön sind Momente, in denen dich jemand angelächelt hat. Vielleicht jemand, von dem Du es gar nicht erwartet hast. Oder auch von jemandem, der in schwerer Zeit zu dir gehalten hat.

Was wirklich alle kennen, ist die unglaubliche Erleichterung, wenn man endlich auf der Toilette ist und der Druck nachlässt. Hier wird besonders deutlich, wie es sich anfühlen kann, von einem richtig unangenehmen in einen ersehnten Zustand zu wechseln.

Deshalb nimm etwas, irgend eine Person, einen Ort, eine Situation aus deiner näheren oder ferneren Vergangenheit, an die du gerne zurückdenkst. Manchen Menschen fällt es leichter Bilder zu erinnern, andere nehmen den Werg über ein Körpergefühl, hören Geräusche oder haben gar als erstes einen Geruch in der Nase.

Egal wie Du es machst - egal, was zuerst auftaucht oder erscheint, welcher Spur deine Nase folgt oder welcher Klang dir den Zugang zum Wiedererleben ermöglicht, nimm wahr, wie es sich für dich anfühlt, wieder dort zu sein. Hat sich deine Körperhaltung verändert? Deine Atmung? Was würdest Du an deinem Gesicht bemerken, deinem Blick, wenn da jetzt ein Spiegel wäre? 

Wenn Du das wie ich nicht paralell zum Lesen hinbekommst, wende dich kurz ab, klapp die Kiste zu, schließ die Augen, schau zum Fenster raus oder gehe meinetwegen aufs Örtchen, wenn dir das hilft.

Tipp: Sobald du dich in der erinnerten Situation befindest, kannst Du den Platz in deinem Körper finden, an dem das gute Gefühl am stärksten ist, am deutlichsten. Hast Du ihn gefunden, berühren ihn mit einem Finger, der ganzen Hand, wenn es eine grö0ere Fläche ist und bedanke Dich dafür, dass Du ab nun über ihn jederzeit wieder ganz leicht in dieses Gefühl zurückkehren kannst. Es ist wie jede Erinnerung ein wertvoller Teil von Dir und sein Wert steigt, wenn Du ihm Aufmerksamkeit schenkst. 

Merke: Aufmerksamkeit lenkt die Energie!

Da ich mich Pappenheimer kenne und wie jeder Mensch dazu neige, von mir auf Andere zu schliessen, beende ich diesen Teil und überlasse dich deinen angenehmen Erinnerungen und der Aufmerksamkeit darauf, mit welchem deiner Wahrnehmungskanäle das angenehme Erinnern am leichtesten fällt. 

Im nächsten Teil wird es darum gehen, wie wir diese Erfahrung von Erinnerungen auf zukünftig Erwünschtes übertragen können.

 

 

 

 

 

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