Entzauberte Märchen Nr.21 Tischlein bück dich...Tischlein leck mich....

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tischlein deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack

 

Lieber Leser, kein Märchen trifft den Punkt so genau, an dem wir Männer den Respekt unserer Eheweiber verlieren wie "Tischlein deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack". Zeugt es doch von den immerwährenden männlichen Sehnsüchten und drohenden Lösungen, wenn diese nicht sofort eintreffen.

Umso mehr, da in dieser Geschichte das einzig Weibliche, das der Leser zu sehen bekommt, die hinterlistige und meckernde Ziege ist.

Die Ziege, deren der Mann, denn so ist unser Empfinden schon durch alle Zeiten der Menschheitsgeschichte hindurch, niemals, nie und nimmer gerecht werden kann.

Sie lässt uns Männer auf einen Tisch hoffen, der sich von alleine deckt, ohne die täglichen Vorwürfe zum Mahle. Wegen ihr erbittet er einen Goldesel, der die ewige Nörgelei des Weibes, wir brächten nicht genug nach Hause, endgültig beendet. Oder auf etwas, das die schmerzlicher Erinnerung an das Einzige vernebelt, das wir als Mann immer bieten können, den Knüppel aus dem Sack. Jener, welcher sich darob viel zu oft in all seiner Härte an Unschuldigen verschlägt. Dieser Knüppel findet die Opfer seiner Rachsucht und Verzweiflung gestern wie heute in Allem, was in Schmach und Verzweiflung unsere Aufmerksamkeit erregt und weit genug von unserem Herzen entfernt ist. So, dass wir diese ohn eigene Reue und Zerknirschung gedankenlos zu Brei schlagen können.

 

Zuallererst ist schon der Gedankengang jämmerlich, der niemals bei sich einen Anteil am Erlittenen sucht, sondern ihn nur beim Gegenüber erkennt. Dies ist die wirkliche männliche Schwäche, die es zu wandeln gilt. Sie allein bedarf immerfort der Liebe und Zuwendung, die das Weib jedoch gestern wie heute nach recht kurzer Zeit lieber dem Garten, den Kleinkindern oder dem erstaunlich agilen Briefträger schenkt. Dort sind sie nach Auskunft unzähliger Frauen der Weltgeschichte in der Regel weit besser angelegt.

 

Im Märchen jagt ein Vater in Sorge um das, was die ganze Familie nährt, seine Söhne aus dem Hause. Nehmen wir einmal zu seinen Gunsten an, dass sie, so wahrscheinlich sein unausgesprochener, ehrenrühriger Wunsch, in anderen Häüsern unter anderen starken Händen und Herzen etwas lernen, das ihnen ermöglicht, später ein Leben zu führen, in dem das Gemecker der Ziege nicht die gleiche Zwietracht zwischen ihnen und ihren Söhnen sähen kann. So das trügerische Wunschbild.

 

Wer kennt es nicht, das "Ich bin so satt, ich mag kein Blatt " das uns einen geruhsamen Abend mit einer uns zugeneigten Gattin erwarten lässt und das sich schon im nächsten Augenblicke in ein "Mäh, Mäh, ich sprang nur über Gräbelein, ich fand kein einzig Blättelein" verwandelt. Das Määääh, das so oft alle schönen Träume wieder platzen lässt wie schillernde Seifenblasen! Auch wenn es heute eher lauten müsste: " Schatz, ich hab einfach nichts zum Anziehen!" Dabei waren wir gerade gestern damit beschäftigt, unserem Weibe durch Boutiquen und Ladengeschäfte mit unzähligen Kleiderbügeln über beiden Unterarmen mürrisch aber standhaft zu folgen. Ohne danach auf keinerlei Weise den Knüppel aus dem Sack lassen zu dürfen.

Es wurde wieder einmal nur die Sehnsucht nach dem Goldesel genährt und verstärkt.

Wobei wir dabei vergessen, dass wir bis in den Tod willfährige Goldesel sind, die unzähligen Herren auch ohne Bricklebritt willfährig die Taschen mit Dukaten füllen bis diese sie, um nicht unter ihrer Last zusammen zu brechen, für mildtätige Zwecke spenden müssen.

 

Und so schicken Väter ihre Söhne aus, bürden ihnen die Erfüllung all ihrer eigenen ungelebten Wünsche auf und locken sie so in die nämliche Falle, in die sie einst selbst getappt waren. Die Söhne wiederum glauben, so sie alles tun, um die Unzufriedenen gütlich zu stimmen, könnten sie schon auf Erden das Himmelreich erlangen. Da dies Ansinnen nie und nimmer klappen kann, gehört für jeden Menschen scheinbar die eigens erlittene Schmach zur Schule des Lebens.

 

Ich muss jedoch zugestehen, dass die Söhne in dieser Geschichte schon etwas gelernt haben, das ihr Vater niemals im Sinne hatte. Sie haben erkannt, dass selbst hinter wütendsten und kältesten Strafen von Vätern ein allzu weiches Herz schlägt. Und sie haben wie schon viele vor ihnen ihrem Peiniger verziehen. Auch durften sie lernen, dass Väter nicht ausschließlich zu eigenen Söhnen grausam sind und haben sich wegen ihres Geltungsbedürfnisses ihre vererbte Gutgläubigkeit samt ihrem hart erarbeiteten Lohn stehlen lassen.

All dies nur, um sich am Ende vom jüngsten und scheinbar mit dem wertlosesten Lohn heimgekehrten Bruder retten zu lassen. Retten durch dessen unbezahlbare Gabe des "Sich wehren Könnens", die dieser in Form des "Knüppels aus dem Sack" von seinem Meister mitbrachte.

 

So weit - so gut. Happy End vom Feinsten sollte Mann denken.

Knüppel aus dem Sack hat wieder gesiegt! Wie in jedem Western, seit die ersten Holzräder über die staubige Prärie holperten.

End ja - happy eher Nein!

Denn diese pulververrauchten Märchen hören auch dort auf, wo die Männer das Kräftemessen untereinander beenden und sich voll blauäugiger Blindheit dem mit der holden Weiblichkeit zuwenden.

Wenden passt hier besser denn Stellen. Von Stellen kann nicht die Rede sein, denn die Anfangs so stolz geschwellte Brust bei der Eroberung des Weibes verlagert sich unter den neuen Ernährungsgegebenheiten allzu rasch nach Unten. Knapp über und bald schon unter die Gürtellinie. Dort findet fürderhin der unseelige Kampf der Geschlechter statt. Die Macht, die vordem mit ihnen war, wenn sie zur Tat schritten oder einfach nur angenehm handgreiflich wurden, verlagert sich zusehends in die Pantoffeln, die ihnen ihr Eheweib des Abends zu Anfang noch gerne zum Fernsehsessel brachte.

Aus furchtlosem "Knüppel aus dem Sack" wird so in aller Regel recht schnell ein furchtbarer Schnarchsack. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass er sich vorzugsblöde mit Chips und Bier ernährt, drei Minuten höchstens drei Minuten sein lässt und sich bald nicht einmal mehr zum Furzen aus dem Sessel erhebt. Oft genug schmeißt er heute immer noch seine unzuverlässigen, faulen Söhne zum Hause hinaus, damit sie in der Welt etwas Besseres lernen - ganz so wie auch er damals.

 

So dies Schicksal unvermeidlich scheint, möge Gott ihnen die Einsicht vermitteln, dass der gerechte Kampf, dessen Narben Mann so gerne und stolz präsentiert, mit dem Eintritt in die Ehe erst richtig beginnt. Ich bete darum, dass Mann, der die Finessen und die Überlegenheit weiblich weicher Kampftechnik längst kennenlernen durfte, die dargebotene Chance sieht und sie endlich nutzt.

Denn:

Gott hat dem Manne die Frau geschenkt in der Hoffnung, dass er seine Fähigkeiten verfeinere und steigern könne.

Gott hat Selbigem die Blindheit des Verliebtseins und der Triebhaftigkeit verliehen, um wenigsten zeitweilig seine Feigheit zu überlisten und ihn so zu befähigen, sich überhaupt erst in diesem anfangs so ungleichen Kampf zu stellen. Auch wenn die Chancen für ihn eher mager erscheinen.

Gott wird ihm hoffentlich noch viele fleißig lernende Söhne und Töchter schenken, dass Mann und Frau irgendwann einmal in ferner Zukunft erkennen mögen, welch Ehre es ist, einen ebenbürtigen Gegner zu haben. Welch wahrer Ruhm darin liegt, an ihm zu wachsen, indem man ihm trotz oft unerbittlichstem Kampfe Respekt zollt.

Bevor der Tod sie scheidet.

Dann und erst dann werden Märchen, in denen das Weib nur als böse Hexe, neidische Königin oder hinterfotzige Ziege vorkommt, endlich der Vergangenheit angehören!

Dann werden Männer wirklich Männer sein!

 

 

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